Wo fängt der Reichtum an?

Für jeden fünften Franzosen angeblich bei einem monatlichen Nettoeinkommen zwischen zweitausend und dreitausend Euro

Ab wann ist man reich? Die Antworten, welche im Nachbarland bei einer Umfrage gegeben wurden, erstaunen. Etwa 1000 repräsentativ ausgewählte Franzosen antworteten auf zwei Fragen: Ab welchem monatlichen Einkommen ist man reich und ab welchem jährlichen Einkommen soll eine Reichensteuer greifen?

Die Antwort auf die letzte Frage fiel ziemlich eindeutig aus: 64 Prozent fanden, dass man, anders als es die Regierung plant, Einkommen ab 200.000 Euro jährlich extra besteuern müsse. Wie sich bei der Untersuchung zeigt, leben jene, die über solches Einkommen verfügen, für die Mehrheit der Befragten in anderen Sphären.

Für beinahe jeden zehnten Franzosen fängt der Reichtum schon bei einem Nettoeinkommen von "2000 Euro oder weniger" an. Und jeder fünfte (22%) zählt Personen mit einem Nettoeinkommen zwischen 2000 und 3000 Euro zu den Reichen. Als Durchschnittswert aller Befragten ergab sich ein Einkommen von 6.308 Euro monatlich als Schwellenwert. Für die große Mehrheit, zwei Drittel (66 %), ist "riche", wer "5.000 Euro oder weniger" monatlich verdient. Dieser Wert wurde von 74 Prozent der Angestellten, 70 Prozent der Arbeiter und 70 Prozent der Berufe angegeben, die zwischen der Managementebene und den einfachen Angestellten und Arbeitern stehen ( Professions intermédiaires).

Das Internetmagazin Rue 89 bezeichnet die Antworten als "surreal". Nicht, weil die Untersuchung wissenschaftliche Kriterien vernachässigen würde, sondern weil die Antworten Vorstellungen zuwiderlaufen, die man sich von Reichtum macht. So sind es insgesamt nur 8 Prozent der Befragten, die die Schwelle hierzu bei einem Nettoverdienst über 10.000 Euro monatlich ansetzen. Für 4 von 10 Arbeitern und Angestellten beginnt sie bei 3000 Euro im Monat.

Die naheliegende Erklärung wäre, dass man sich in den jeweiligen Einkommensschichten eher "untereinander" vergleicht und die Realität des Milieus als Maßstab nimmt. So zitiert das Magazin das Beispiel eines Arbeiters mit monatlichem Nettoeinkommen von 1.500 Euro, der das doppelte Gehalt als Reichtum begreift. Dass der Chef, z.B. bei Michelin, 375.000 Euro monatlich bekommt und ein Führungsmanager des Luxuswarenkonzerns LVMH 325.000, gehöre einer anderen Realität an, so das Magazin.

So liegt die Demarkationslinie zwischen reich und arm, die auszumachen das Ziel der Zeitung war, welche die Studie in Auftrag gab, sehr viel niedriger als angenommen: in einem Milieu, das man üblicherweise mit anderen Worten bezeichnen würde, zum Beispiel Besserverdiener, und rückt gleichzeitig das Milieu der wirklich Reichen weit weg. Erst mit steigendem Einkommen wird auch die Schwelle des Reichtums angehoben.

Die Untersuchung ließ Vermögenswerte völlig unberücksichtigt.