Wohin mit dem vielen Windstrom aus Spanien?

Immer öfter müssen Windanlagen abgeschaltet werden, über Erneuerbare Energien wird in Spanien schon ein Viertel des Stroms erzeugt.

Es ist längst bekannt, dass in Spanien immer wieder Windstromanlagen abgeschaltet werden. Das hat bisher vor allem mit Dinosaurier-Techniken zu tun. Das Herunterfahren eines Kohlekraftwerks dauert und die Atomkraftwerke können kaum an die Nachfrage angepasst werden. Doch nach einer Studie des spanischen Netzbetreibers REE könnte diese Verschwendung in den kommenden Jahren auf fast 5 % des gesamten Windstroms steigen, der Abschaltungen zum Opfer fallen könnte.

Der Anteil an Windstrom in Spanien hat in Spanien deutlich zugenommen und Anfang November wurde angesichts von Sturmböen im ganzen Land sogar ein neuer Rekord aufgestellt, als zeitweise mehr als 50 % des gesamten Stroms aus Erneuerbaren Energien, vor allem über Windstrom, erzeugt wurde. Allerdings kam es gut eine Woche später zu einem ebenso traurigen Rekord, denn am 15. November mussten 21 % aller Windkraftanlagen für zwei Stunden abgeschaltet werden, weil der Strom nirgends nachgefragt wurde.

Aus der Studie des REE, die für das Industrieministerium erstellt wurde, hat El País zitiert. Bis 2014 könnte der nicht benötigte Strom aus Windanlagen auf 4,7 % steigen. "Die vorgeschlagene Geschwindigkeit bei der Einführung von Erneuerbaren Energien", heißt es, "wird zum Auftauchen von Situationen führen, in der die Produktion nicht mehr vom System aufgenommen werden kann." In einem normalen Jahr wären das mit 2 % Verlust beim Windstrom etwa eine Terawattstunde. Betroffen ist Windstrom besonders auch deshalb, weil er, anders als Solarstrom, auch nachts produziert wird, wenn die Nachfrage sinkt.

Auch die Verstärkung der Pumpverfahren, Wasser nachts mit dem Windstrom hoch zu pumpen und tagsüber wieder über Fallrohre und Generatoren in Strom zu verwandeln, ändert an der pessimistischen Einschätzung nichts. Zwar ist geplant, die Leistung darüber von 2.500 Megawatt auf 3.900 zu steigern, doch könne damit der Überschuss eben so wenig aufgefangen werden, wie durch eine neue Leitung zum Stromexport. Zum Teil könnten die Batterien von Elektroautos zur Speicherung genutzt werden. Doch 2016 wäre der Verlust sogar dann noch enorm, wenn drei Millionen Elektroautos in Spanien auf der Straße wären.

Tatsächlich nimmt der Anteil von Erneuerbaren Energien immer weiter zu und sie haben die Atomkraftwerke längst weit überholt, obwohl diese sogar noch bevorzugt eingesetzt werden. Die Sozialisten (PSOE) haben sogar ein Wahlversprechen gebrochen und die Laufzeit eines uralten Pannenreaktors verlängert, um die Atomlobby zu befriedigen.

Die REE teilte auch mit, dass im Oktober allein über Windkraft in Spanien 14,1 % des Stroms erzeugt wurde. Das ist ein Zuwachs um 32,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Rechnet man hierzu den durch Wasserkraft und durch Solarzellen erzeugten Strom hinzu, wurden im Oktober insgesamt schon 24% des Stroms aus erneuerbaren Quellen in Spanien erzeugt. Von Januar bis September lag der Wert mit 25 % sogar noch darüber, als 15 % über Windkraft erzeugt wurden, die allein mit den 19,5 % der Atomkraft konkurrieren kann.

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