Yasuní-ITT-Projekt droht zu scheitern

Ecuador schließt nicht mehr aus, 2012 mit der Förderung von Erdölvorkommen im Nationalpark zu beginnen

Regierungsvertreter in Ecuador haben erstmals konkret ein Scheitern der Umweltschutzinitiative Yasuní-ITT in Aussicht gestellt. Schon Ende kommenden Jahres könnten die drei Ölfelder in Yasuní-Nationalpark erschlossen werden, wenn sich die Förderstaaten nicht an dem Vorhaben beteiligen, sagte der Minister für fossile Energieträger, Wilson Pastor. Die Umweltschutzinitiative sieht vor, die Reserven unter dem einmaligen Naturreservat unberührt zu lassen, wenn die Konsumentenstaaten die Hälfte des zu erwartenden Gewinns in einen Treuhandfonds einzahlen, der vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP verwaltet wird. Angestrebt sind über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg immerhin 3,6 Milliarden US-Dollar.

Bislang sieht es dürftig aus: Erst 1,6 Millionen US-Dollar sind auf das Konto des Treuhandfonds eingegangen. Nun macht die Regierung des linksgerichteten Staatschefs Rafael Correa Druck. Wenn bis zum Jahresende nicht 100 Millionen eingegangen sind, werde man 14 Bohrlöcher in Betrieb nehmen. Diese lägen zwar außerhalb des Naturschutzgebietes: Das Gebiet Tiputini liegt nur zu einem geringen Teil im Yasuní-Park, das Ölfeld Tambococha würde unter der Erde horizontal angebohrt. Dennoch wäre das Tabu gebrochen, das Umweltschutzprojekt Geschichte.

Für das strukturschwache Ecuador ist die Förderung verlockend. Mindestens 846 Millionen Barrel Erdöl werden in den Feldern vermutet. Minister Pastor schließt das Dreifache dieser Menge nicht aus. Seine Regierung prüfe daher einen Plan B, sagte das Kabinettsmitglied unlängst auf einer Tagung der Lateinamerikanischen Energieorganisation OLADE in Quito. Dennoch ist das Thema in dem südamerikanischen Land umstritten. Immerhin unterstützen 78 Prozent der Bevölkerung das Vorhaben. In der Regierung gibt es zwei Strömungen: Auf der einen Seite werden die Erdölressourcen als Möglichkeit gesehen, eine neue Sozial- und Wirtschaftspolitik zu entwickeln. Auf der anderen Seite finden sich Fürsprecher einer Politik, bei der die Grenzen des Wachstums gewahrt und Ressourcen geschützt werden.

So oder so wird die Entscheidung über das einmalige Umweltschutzprojekt auf internationaler Ebene getroffen werden. Im September wollen Ecuadors Präsident Correa und UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon vor der Generalversammlung der Weltorganisation erneut für das Vorhaben werben. Allen Seiten ist klar, dass Yasuní-ITT eine Präzedenzwirkung hat. Lässt sich die Initiative realisieren, könnte sie zum Modell für eine postfossile Energiepolitik werden. Auf der anderen Seite laufen Wirtschaftsliberale gegen die Idee Sturm. Deutschlands Entwicklungsminister Dirk Niebel etwa zog eine mündliche Zusage der Vorgängerregierung zurück, weil sein Ministerium Nachahmer in gut einem Dutzend Staaten befürchtet ( Die Idee eines Treuhandfonds war aus Berlin gekommen). Im Bundestag läuft derzeit eine ePetition, um die schwarz-gelbe Regierung zur Umkehr zu bewegen.

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