Yellow Cake auf Weltreise

Nukleares Material auf dem Weg von Namibia über den Hamburger Hafen nach Frankreich

Uranerzkonzentrat, Yellow Cake genannt, muss zu Uranhexafluorid (UF6) angereichert und zu Uranbrennstoff umgewandelt werden, um schlussendlich in AKWs zum Einsatz zu kommen. Abgebaut wurde das Uran, dass u.a. als Yellow Cake in 51 Behältern per Schiff zum Hamburger Hafen transportiert wurde, nach Angaben von Umweltgruppen in Kasachstan, Namibia und Usbekistan. U.a. in Frankreich wird es zu UF6 umgewandelt, um dann in der Urananreicherungsanlage Gronau (NRW) URENCO AKW-tauglich gemacht zu werden.

Doch in dieser Woche waren nicht nur die besagten 51 Container unterwegs, in Richtung Gronau wurden allein am vergangenen Mittwoch drei weitere LKW-Transporte mit als nukleares Gefahrengut gekennzeichneter Fracht auf der Autobahn gesichtet.

Der Anblick des Zuges mit den 51 Containern nuklearen Materials im Hamburger Hafen verschlug offensichtlich auch dem NDR-Reporter den Atem. Zumal die teils angerosteten Container, in denen die Behälter mit dem nuklearen Inhalt verstaut sind, einen nicht eben vertrauenswürdigen Eindruck machten, wie er in den Lokalnachrichten berichtete. Das veranlasste selbst die Hamburger Grün-Alternative-Liste (GAL) dazu, stärkere Kontrollen zu fordern – zumindest auf direkte Nachfragen des NDR.

Besagter Zug sollte sich am Montagmorgen in Richtung in Süddeutschland in Bewegung setzen, wurde aber von Atomkraft-Gegnern erfolgreich blockiert, so dass er seine Reise erst mit großer Verspätung antreten konnte. Am vergangenen Mittwoch wollen Umweltschützer in Bonn beobachtet haben, wie der Zug geteilt wurde. 29 Container sollen demnach von dort aus durch das Saarland in Richtung Frankreich, die übrigen 22 Container durch Rheinland-Pfalz in Richtung Mannheim gerollt sein.

Umweltgruppen haben in der Vergangenheit wiederholt vor den mit diesen Atomtransporten verbundenen Gefahren gewarnt. Im Mai vergangenen Jahres entging die Hansestadt Hamburg knapp einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes: Auf einem mit UF6 beladenen Containerschiff brach ein Feuer aus, die zur Hilfe gerufene Feuerwehr wurde viel zu spät über die Gefahrengut-Ladung informiert. Der Unfall ereignete sich in unmittelbarer Nähe zu einem großen Event im Rahmen des Kirchentages mit Zehntausenden Besuchern.

Bei derlei gefährlichen Gütern ist an sich davon auszugehen, dass sie schnellstmöglich verladen und an den Bestimmungsort gebracht werden. Weit gefehlt allerdings, denn die Fässer werden auch schon mal im Hafen "vergessen". Ein Mitarbeiter der zuständigen Behörde habe "kurzfristig umdisponiert", heißt es dann seitens der Behörden laut einer Pressemitteilung der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft.

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