Zahlen für Nichtausbeutung

Ecuador möchte Milliarden für die Nicht-Förderung von Erdöl

Sollte der Vorstoß des südamerikanischen Landes erfolgreich sein, dann gibt es ein neues Geschäftsmodell im Namen des Klimaschutzes. Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa will dazu die UN-Vollversammlung am kommenden Dienstag anrufen. Die Idee: Unter dem Gebiet des ecuadorianischen Nationalparks Yasuní wurden große Erdöllagerstätten entdeckt. Die Regierung bietet an, das Öl nicht auszubeuten, wenn sie für die entgangenen Erdöleinnahmen entschädigt wird.

Die internationale Staaten-Gemeinschaft soll die Hälfte der entgangenen Erdöleinnahmen auf ein beim UN-Entwicklungsprogramm UNDP eingerichtetes Treuhandkonto einzahlen. Notwendig seien als erste Tranche "70 Mio. Euro bis Jahresende", sonst werde mit der Förderung des Schweröls begonnen. Der Faustpfand: Der Nationalpark Yasuní gilt als das Gebiet mit der reichsten Biodiversität der Welt, das Gebiet umfasst etwa 10.000 km².

Auf einer Umweltkonferenz in Chile verteidigte Ecuadors Kultusministerin María Fernanda Espinosa die Geschäftsidee mit dem Wink auf die Klimapolitik: "Wir brauchen neue internationale Mechanismen, um globale Gemeingüter wie die Atmosphäre zu verwalten." Besonders von Deutschland erwarte man sich Unterstützung, denn der UN-Treuhandfonds sei eine deutsche Idee gewesen und auch der deutsche Bundestag habe sich für die Initiative ausgesprochen - Euros aus Deutschland seien aber noch nicht eingezahlt worden ( Yasuní-ITT-Projekt droht zu scheitern).

Die Idee, Klimagelder als neue Staatsquelle einzuwerben, hatte schon 2007 Präsident Rafael Correa. In der Generalversammlung der Vereinten Nationen bot er an, 20 bis 22 % der Erdölreserven nicht zu fördern. Von den so entgangenen Öleinnahmen in Höhe von 7 Mrd. $ sollten die UN-Staaten in den nächsten Jahren 3,5 Mrd. zahlen.

Das Land hängt schon seit langem wirtschaftlich vor allem am Erdöl, jährlich werden 25 Mio. Tonnen gefördert, Ecuador liefert damit 0,6 % der Weltproduktion. Allerdings liegt die Förderreichweite bei nur 25 Jahren, d.h. dass Ecuador sich allmählich nach neuen Einnahmequellen umsehen muss. Ein wichtiger Sektor ist bereits der Tourismus, die Einnahmen daraus liegen bei rund 625 Mio. US $ pro Jahr. Ein für die Erdölförderung zerstörter Yasuní-Nationalpark würde sie einbrechen lassen.

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