Zimmermädchen-Placebo

Eine Studie wirft neues Licht auf den Placebo-Effekt

Obwohl sie den ganzen Tag tragen, sich bücken und ständig in Bewegung sind, schätzen sich Zimmermädchen nicht als körperlich aktiv ein. 67 Prozent des Hotelpersonals gaben in einer Umfrage an, keine sportliche Tätigkeit auszuüben. Die Harvard-Psychologin Ellen Langer war über das Ergebnis ihrer eigenen Umfrage überrascht, hakte nach und kam einem interessanten Effekt auf die Schliche, der bislang „Placebo“ genannt wird.

Überraschenderweise profitierten die Frauen nicht von ihrer bewegungsintensiven Arbeit, bei vielen sind die Körperwerte unterdurchschnittlich. Blutdruck, Body Mass Index, Gewicht: Bei den meisten stimmten die Indikatoren eher mit ihrem wahrgenommen körperlichen Aufwand überein als mit dem tatsächlichen. Langer teilte die Untersuchungsgruppe daraufhin auf: 44 Dienstfrauen bekamen genau erklärt, was sie da eigentlich jeden Tag leisten und wie viel Kalorien dabei verbrannt werden. Die anderen 40 Frauen erhielten keine weiter führenden Informationen.

Einen Monat später maßen Langer und ihr Team die Körperwerte noch einmal. Es kam wie es kommen musste: In der aufgeklärten Gruppe waren Blutdruck und Gewicht gefallen. Nach Aussagen von Langer hatten die Frauen ihre Tätigkeit allerdings genau so wie immer ausgeführt.

Kann man sich nun im Umkehrschluss zukünftig vor den Fernseher setzen und Schokoladen futtern - wenn nur die Einstellung stimmt?

Die Studie erscheint in der Februar Ausgabe von „Psychological Science“ und ist hier (pdf) einsehbar.

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