Zu warm und zu wenig Eis

Deutsches Klimakonsortium weist auf neuen Temperaturrekord 2016 hin und mahnt mehr Klimaschutz an

Nun liegen auch von der NOAA, von der US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre, die Temperaturdaten für den November vor. Der fiel wieder etwas kühler als die Vormonate aus, lag aber mit 0,73 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts weit vorne in der Rekordliste der wärmsten November.

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Damit ist es so gut wie sicher, dass 2016 alle bisherigen Temperaturrekorde brechen wird. Wir hatten dies bereits letzte Woche mit Hinweis auf die Daten des Goddard Institutes for Space Studies der NASA berichtet. Schon jetzt ist klar, dass das meteorologische Jahr von Dezember 2015 bis November 2016 das wärmste je registrierte war.

Das Deutsche Klimakonsortium, in dem die hiesigen geowisschenschaftlichen Institute zusammen arbeiten, weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass damit schon vor über einem einem Jahr zu rechnen war. "Nach dem Rekordjahr 2014 war bereits mit dem im Frühjahr 2015 im Pazifik einsetzenden natürlichen El-Niño-Ereignis schon sehr früh absehbar, dass sowohl 2015 als auch 2016 global außergewöhnlich warme Jahre werden." Entsprechend sei von Mai 2015 bis August 2016 "jeder einzelne Monat der jeweils wärmste Kalendermonat seit Beginn der systematischen, flächendeckenden Messungen 1880 gewesen".

Abweichung des lokalen Monatsmittelwertes im November 2016 vom Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Bild ECMWR

Eine Darstellung des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersagen zeigt, dass die Temperaturen im ausgehenden Jahr vor allem in Teilen der Arktis erheblich über den Werten vergangener Jahrzehnte lagen. Schon im letzten Winter hatten die vergleichsweise viel zu hohen Temperaturen in der Arktis für Schlagzeilen gesorgt, als es in Spitzbergen kurz nach Weihnachten fast sommerliche Temperaturen gab.

Meistens sind die Temperaturen zwar immer noch unter dem Gefrierpunkt, aber weniger Frost bedeutet, dass das Eis vergleichsweise dünn bleibt und im folgenden Sommer entsprechend anfälliger ist. Stürme können es leichter aufbrechen und zusammenschieben, wodurch eine größere Wasserfläche der Sonne im Hochsommer rund um die Uhr scheinenden Sonne ausgesetzt werden.

Das wiederum führt dazu, dass erheblich mehr Energie im Klimasystem der Arktis gespeichert wird und das Wasser sich entsprechend erwärmt. Die Folge ist verstärktes Tauen des ohnehin dünnen Eises. Zusätzlich bedeutet mehr offenes Wasser auch, dass die arktischen Stürme den Ozean besser durchmischen können und relativ warmes Wasser an die Oberfläche bringen. Auch das verstärkt das sommerliche Tauen.

Für das Klimakonsortium ist der Zustand der Arktis ein deutlicher Hinweis auf "auf die Dringlichkeit eines sofort beginnenden ernsthaften weltweiten Klimaschutzes (...). Nur Maßnahmen, die zu einer deutlichen und anhaltenden Reduzierung des Anstiegs der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre führen, können diesen Trend stoppen oder zumindest mindern."

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In diesem Zusammenhnag wird der zurückliegende Klimagipfel im marokkanischen Marrakesch als positiv bewertet, weil er eine neue Dynamik in den Verhandlungen gezeigt habe. Das Pariser Klimaschutzabkommen sei früher als erwartet in Kraft getreten.

Insgesamt haben sich auf der COP 22 eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Klimaschutz und eine Dynamik in der Umsetzung von Maßnahmen gezeigt. Wichtig ist aber, dass diese Maßnahmen auf den nächsten Konferenzen weiter konkretisiert werden und zu noch ambitionierteren nationalen Zielen führen – denn das bisher versprochene Maßnahmenbündel wird die Ziele des Pariser Übereinkommens nicht erreichen. So stieg der CO2-Gehalt der Atmosphäre auch 2016 auf einen neuen Rekordwert.
Deutsches Klimakonsortium
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