Zufall verhinderte größere Katastrophe im AKW Fukushima

Nur aufgrund einer Unterbrechung von Arbeiten am Kern von Reaktor 4 ist das Kühlbecken mit Wasser versorgt worden

Die Kombination von zwei Restrisiken soll, so die offizielle Lesart, das AKW in Fukushima überwältigt haben. Zum einen war es nicht für ein derart starkes, aber durchaus erwartbares Erdbeben ausgelegt. Der darauf folgende Tsunami, für den das AKW ebenfalls nicht ausreichend gesichert war, habe den größten Schaden verursacht und die Kühlsysteme zum Erliegen gebracht, was dann zur Kernschmelze in drei Reaktoren geführt habe. Diese Version ist weiter umstritten, aber kurz vor dem Jahrestag der Katastrophe wurde noch einmal ein Detail bekannt, das deutlich macht, dass trotz allem Schaden auch noch Glück im Spiel war und alles noch hätte schlimmer kommen können.

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Wie die Zeitung Asahi Shimbun berichtet, ereignete sich in Reaktor 4 vermutlich nur deswegen keine Kernschmelze - die Reaktoren 5 und 6 waren vor dem Unglück ganz heruntergefahren -, weil dort gerade Arbeiten ausgeführt worden waren. Im Reaktorkern befanden sich zu dr Zeit keine Brennstäbe, weil der Kernmantel ausgetauscht werden sollte. Allerdings befanden sich mehr als 1.100 Brennelemente im Abkühlbecken. Bekanntlich hatte es im Reaktor 4 kurz nach dem Tsunami nach einer Explosion zweimal gebrannt, das Dach war eingestürzt, in der Außenwand entstanden große Löcher. Befürchtet wurde, dass sich die hier gelagerten Brennelemente überhitzen und schmelzen könnten. Die dann freigesetzte Radioaktivität wäre dann aufgrund des fehlenden Dachs direkt in die Umwelt gelangt, was zu schweren und weiträumigen Kontaminationen hätte führen können.

Glück war, dass die Arbeiten nicht schnell genug vorangekommen waren. Der große Behälter über dem Reaktorkern, der normalerweise trocken ist, und die Reaktorgrube waren aufgrund der Arbeiten mit 1.440 Kubikmeter Wasser gefüllt gewesen, um bei der Zerlegung des Kernmantels das Entweichen von Radioaktivität zu minimieren. Eigentlich hätten die Arbeiten am 7. März 2011 abgeschlossen sein sollen, doch beim Einführen des Geräts zum Zerschneiden des Kernmantels kam es zu Schwierigkeiten, weswegen man den Austausch vorübergehend unterbrach. Am 11. März war daher das Becken weiterhin mit Wasser gefüllt. Nachdem das Kühlsystem ausgefallen war, begann das Wasser im Abkühlbecken zu verdampfen. Eine durch Zufall oder Schlamperei nicht richtig platzierte Schleuse zwischen dem Abklingbecken und dem mit Wasser gefüllten Becken hatte sich dann jedoch geöffnet, wie man später feststellte, so dass um die tausend Tonnen Wasser in das Abkühlbecken laufen konnten, was ein Unglück verhinderte.

Auch wenn zufälligerweise größere Schäden verhindert wurden, sind sie doch beträchtlich. In Futaba, einem kleinen Ort in der Nähe des AKW Fukushima, lebten einmal mehr als 7000 Menschen. Durch den Tsunami wurden 90 Prozent der Häuser zerstört, aufgrund der Atomkatastrophe mussten die verbliebenen Bewohner evakuiert werden. Nun hat der Bürgermeister dem Fukushima-Betreiber eine erste Rechnung über 19 Milliarden Yen (175 Millionen Euro) für Schadensersatz gestellt. Futaba ist allerdings nur eine von 8 Kommunen des Landkreises Futaba. 90 Prozent des Landes (2,28 Quadratkilometer und 100 Prozent der 51 Gebäude, die der Stadt gehören, seien aufgrund des Unfalls kontaminiert und unbrauchbar geworden. Beim Land beschränkt sich die Schadensersatzforderung deswegen auf nur 90 Prozent, weil es sonst an Tepco übergeben werden müsste. Noch nicht in Rechnung gestellt wurden die mit der Evakuatierung verbundenen Kosten und der Steuerausfall.

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