Zuhälter verklagt Nike auf 100 Millionen Dollar Schadensersatz

Der zu hundert Jahren Gefängnis verurteilte Gewaltverbrecher bemängelt den fehlenden Warnhinweis, dass ein Turnschuh eine gefährliche Waffe sein kann

Sirgiorgio C. ist ein 26 Jahre alter Zuhälter, den ein Gericht in Portland im US-Bundesstaat Oregon im letzten Jahr zu einer hundertjährigen Gefängnisstrafe verurteilte, weil er im Juni 2012 nicht nur eine achtzehnjährige Zwangsprostituierte so lange schlug, bis diese aus den Ohren blutete, sondern auch einem Freier das Gesicht zu Matsch trampelte. Die Turnschuhe, die er dabei trug, wertete das Gericht als gefährliche Waffe.

Während des Verfahrens musste C. wegen seines extrem aggressiven Verhaltens an einem Stuhl festgebunden, von insgesamt neun Beamten bewacht und teilweise ganz aus dem Gerichtssaal entfernt werden. Ein Psychiater stellte fest, dass der Zuhälter aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur in Zukunft mit Sicherheit weiter Gewaltverbrechen begehen wird.

Weltweite Schlagzeilen macht C. nun aber nicht wegen seiner extremen Gewaltneigung, sondern wegen einer Zivilklage, die er am Multnomah County Circuit Court gegen den Sportartikelhersteller Nike eingereicht hat. Der 26-Jährige zeigt sich in einer handgeschriebenen dreiseitigen Beschwerde, die er im Pendleton-Gefängnis verfasste, der Meinung, dass das Unternehmen auf dem von ihm zur Tat benutzten Schuhwerk der Jordan-Produktserie einen Warnhinweis anbringen hätte müssen, dass es eine gefährliche Waffe sein und ernsthafte Verletzungen verursachen kann, wenn es zum Herumtrampeln auf Gesichtern benutzt wird. Weil dieser Warnhinweis fehlte – so C. – müsse er nun voraussichtlich sein Leben lang im Gefängnis sitzen und deshalb entstehe ihm ein enormer Schaden, weshalb er von dem Konzern 100 Millionen Dollar haben wolle.

In der Vergangenheit gab es in den USA einige bizarre Klagen zur Produkthaftung. Der bekannteste davon ist der Fall Liebeck, in dem eine Frau die Restaurantkette McDonald's auf Schadenersatz in Höhe von 2,7 Millionen Dollar verklagte, weil sie sich an heißem Kaffee verbrüht hatte. Sie einigte sich mit dem Franchise-Unternehmen außergerichtlich auf Zahlung einer unbekannten Summe.

Dass sich der Nike-Konzern (vom dem bislang noch keine Stellungnahme vorliegt) größere Sorgen macht, ist aber eher wenig wahrscheinlich: C. hat für seine Beschwerde bislang noch keinen Anwalt gefunden, der sie für ihn durchsetzen will. Und ob sich noch einer findet, hängt nicht nur von der juristischen Einschätzung der Erfolgschancen des Falles ab: C.s Strafverteidiger musste während des Prozesses einen großen Sicherheitsabstand zu seinem Mandanten wahren – sonst wäre auch er Ziel der Gewaltausbrüche geworden.

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