Zunehmende Proteste in Chile

Vor allem die Ungleichheit im Bildungssystem treibt Jugendliche auf die Straße

In Chile haben die außerparlamentarischen Proteste gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik von Präsident Sebastián Piñera in den vergangenen Wochen massiv zugenommen. Zunächst gingen zehntausende Menschen gegen den Bau eines Megastaudamms in der südchilenischen Provinz Aysén auf die Straße. Parallel mobilisieren nun die Schüler und Studenten des Landes gegen den schlechten Zustand des Bildungssystems.

Die Proteste weisen zum einen auf Probleme hin, die in der Diktatur von General Augusto Pinochet (1973-1990) ihre Ursprung haben. Zum anderen zeigen sie die Grenzen neoliberaler Politik in Lateinamerika auf.

Bis zu 25.000 Schüler, Studierende und Lehrkräfte gingen vor wenigen Tagen in der Hauptstadt Santiago auf die Straße, um mehr staatliche Unterstützung für das Bildungssystem zu fordern. "In den öffentlichen Universitäten leisten wir die Hauptarbeit für Lehre und Forschung", beklagte der Rektor der Universidad de Chile, Víctor Pérez Vera. Dennoch warte man seit Jahren vergeblich auf eine gerechte Behandlung durch den Staat.

Der Funktionär kritisierte damit - ebenso wie Schüler und Studenten - die zunehmende Privatisierung des Bildungssystems, die unter der Diktatur massiv forciert worden und auch seit 1990 fortgeführt worden war. Die Folgen sind vor allem für die sozial benachteiligten Teile der Bevölkerung verheerend: Die Kosten für eine universitäre Ausbildung sind in Chile heute die höchsten in ganz Lateinamerika. Viele Familien müssen sich hoch verschulden, um mindestens ein Kind an die Universität zu schicken. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte deswegen mehrfach eine soziale Reform im Bildungssystem angemehnt.

Die Studierendenvereinigung Confech fordert deswegen nicht nur mehr Geld für die öffentliche Bildung, sondern auch für die Unterstützung für Kinder aus ärmeren Familien. Zugleich setzen sich die Studierenden für mehr Mitbestimmung in den Hochschulen ein. Die Protestteilnehmer wollen sich nun mit der Regierung an den Verhandlungstisch setzen, um eine Lösung für die historischen Probleme des Landes zu finden. Eine Antwort von Präsident Piñera steht noch aus.

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