Zusammenhang von Schweinegrippeimpfung und Narkolepsie entschlüsselt

Immunsystem kann H1N1-Teile mit Schlafsteuerungsprotein Hypocretin verwechseln

Nachdem 2009 über die Hälfte der Bevölkerung in Schweden und Finnland gegen die Schweinegrippe H1N1 geimpft wurde, registrierten die Gesundheitsbehörden in den beiden Ländern statistisch auffällig viele Fälle von Narkolepsie - einer Krankheit, bei der Menschen tagsüber immer wieder ein Schlafbedürfnis überfällt, dem sie nicht widerstehen können. In Finnland stieg ihre Zahl plötzlich auf 17, während sonst nur durchschnittlich sechs festgestellt wurden.

Nun hat eine Forschergruppe um die Immunologin Elizabeth Mellins und den Narkolepsiespezialisten Emmanuel Mignot von der kalifornischen Stanford University aus der Korrelation eine Kausalität gemacht und entschlüsselt, wie die Massenimpfung und die Schlafkrankheitsfälle zusammenhängen.

Ihren Forschungsergebnissen nach kann ein sehr empfindliches menschliches Immunsystem das Schlafsteuerungsprotein Hypocretin mit dem Schweinegrippevirus H1N1 verwechseln, wenn es mit Letzterem in Berührung kommt. Das kann entweder durch eine Erkrankung der Fall sein, oder durch eine Impfung.

Warum sich das Narkolepsierisiko bei Unter-20-Jährigen gerade nach den Impfungen mit dem 2006 vom Pharmakonzern Glaxo Smith Kline patentierten Impfstoff Pandemrix vervierfachte, ist noch nicht geklärt. Pandemrix enthält im Vergleich zu anderen Impfstoffen sehr wenige Virenpartikel, deren Wirkung durch das Adjuvans AS03 verstärkt werden sollen.

Insgesamt blieb das Narkolepsierisiko aber auch bei einer Impfung mit dem in Deutschland mittlerweile nicht mehr zugelassenen Glaxo-Produkt gering: Nach weltweit 31 Millionen verabreichten Dosen erkrankten lediglich 161 Personen - der Großteil davon Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren. Die allerdings leiden nun an einer Krankheit, die nicht heilbar ist. Um den daraus entstehenden finanziellen Schaden wird immer noch gestritten.

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