Zweidrittel der 2-5jährigen Kinder benutzen einen Computer, nur ein Fünftel kann schwimmen

Kinder lernen den Umgang mit Computern und Handys immer früher, oft schneller als "traditionelle" Fertigkeiten des Alltags

Kinder wachsen mittels der Technik in einer anderen Welt auf und lernen den Umgang mit der neuen Technik schneller als Fertigkeiten, die früher zum Alltag gehörten. Nach einer kleinen, nicht repräsentativen Studie des Internetsicherheitsunternehmens AVG, für die 2.200 Mütter von 2-5-jährigen Kindern in den USA, in Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Japan, Australien und Neuseeland, befragt wurden, können zwar 69 Prozent mit einer Computermaus umgehen, aber nur 11 Prozent sind in der Lage, die Schnürsenkel von Schuhen zu binden. Die Mütter sollten auf einer Liste mit Computerfertigkeiten und "traditionellen" Fähigkeiten angeben, wann ihre Kinder sie erlernt haben.

Der von AVG hergestellte Vergleich zwischen der Bedienung einer Maus und dem Binden von Schnürsenkeln mag zwar ein seltsames Beispiel sein, das aber doch deutlich macht, dass die Kinder nicht nur eng mit den digitalen Medien und Geräten, sondern auch in einer anderen Umwelt aufwachsen. Schuhe mit Schnürsenkeln gibt es immer weniger, der Klettverschluss ist die weniger komplizierte Alternative oder man schlüpft in die Schuhe mit geschlossenen Schnürsenkeln bzw. lässt sie gleich offen. Auch wenn die Kinder neue Fertigkeiten mit neuen Geräten erlernen, dann sterben manche der "althergebrachten" nicht notwendigerweise deswegen aus. Anders ist es, wenn körperliche oder geistige Fertigkeiten direkt ersetzt werden, beispielsweise die räumliche Orientierung und das Lesen von Karten durch die Benutzung von Navigationsgeräten oder das Rechnen durch Rechenautomaten.

Auch wenn die Umfrage keine wirklich verlässlichen Ergebnisse liefern kann, da nur die Mütter befragt wurden, und auch der entscheidende Vergleich mit Kindern fehlt, die nicht mit Computern aufwachsen, zeigt sich womöglich doch ein gewisser Trend, der nicht überrascht. 69 Prozent der Kinder benutzen schon einen Computer, was die AVG-Autoren sichtlich glücklich stimmt. Denn damit würden die Eltern ihren Kleinen doch gerade die "wertvollen" Fertigkeiten schon ganz früh beibringen, die sie später für ein erfolgreiches Leben brauchen würden.

Ohne Hilfe schwimmen können nur 20 Prozent, aber 63 Prozent können einen Computer ein- oder ausschalten. Zur Liste der traditionelle Fähigkeiten zählen etwa das Lösen von Puzzles, was 77 Prozent können, das Lesen des eigenen Namens (66%) oder Fahrrad fahren (52%). Schlechter sieht es schon aus, wenn es um die eigene Adresse geht (39%). 37 Prozent können ihren Vor- und Nachnamen schreiben, aber nur 27 Prozent ihr Frühstück selbst machen. Zwar können auch nur 28 Prozent einen Anruf mit dem Handy machen, aber in Notsituationen 911 anzurufen, wissen sie nicht. Wie man ein einfaches Computerspiel spielt, wissen 58 Prozent (44% der 2-3-Jährigen und 76% der 4-5-Jährigen), ein Viertel kann einen Browser öffnen, 19 Prozent können mit einem App umgehen, 16 Prozent im Web surfen.

Dabei scheint es seltsame Unterschiede zu geben. Während in Italien 44 Prozent oder in Deutschland 33 Prozent wissen, wie man mit dem Handy anruft, können dies nur 25 Prozent der amerikanischen oder 19 Prozent der australischen Kinder. Dafür sind die deutschen Kinder mit 40 Prozent am wenigsten imstande, ein Computerspiel zu spielen, hier liegen die britischen und französischen Kinder mit 70 Prozent vorne, gefolgt von den australischen mit 66 Prozent. Das dürfte nicht am Gerätepark liegen, sondern wohl auch daran, was Eltern ihren Kindern erlauben oder ermöglichen. Bei den Apps liegen die Amerikaner und Briten mit 30 Prozent vorne, in Deutschland können es 17 Prozent, in Japan 11 Prozent. Zwischen Mädchen und Jungen scheint es keinen technischen Graben in diesem Alter zu geben. Mütter über 35 Jahre lehren ihren Kindern ein wenig stärker die "traditionellen" Fertigkeiten.

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