Zweite Drohne innerhalb einer Woche in Somalia abgestürzt

Nach Medienberichten ist eine Aufklärungsdrohne mit Düsenantrieb nahe der Küste niedergegangen. Vermutet wird, dass sie von einem US-Stützpunkt auf den Seychellen startete

Über der halbautonomen Region Bari in Puntland ist eine Drohne abgestürzt. Die somalischen Behörden haben bestätigt, dass sich der Crash am Samstag in den frühen Morgenstunden ereignet habe. Zum Absturzort heißt es, dieser sei etwa 20 Kilometer von der Hafenstadt Bossasso gelegen.

Vermutet wird, dass das abgestürzte Fluggerät von den Seychellen aus gestartet ist, wo die USA eine Basis unterhalten. Drohnen operieren von dort unter anderem, um Angriffe von Piraten in Gewässern am Horn von Afrika aufzuklären. Die USA fliegen von dem Stützpunkt aber auch tödliche Einsätze in Somalia. Dass dabei vermutlich ein britischer Staatsbürger ums Leben kam, beschäftigt jetzt Parlamentarier in London.

Ein somalischer Sicherheitsbeamter sagte, es habe sich beim Absturz am Samstag um eine Drohne mit Düsenantrieb gehandelt ("a small jet drone"), die jetzt von den zuständigen Behörden konfisziert wurde. Bereits 2011 war auf den Seychellen eine "Reaper" abgestürzt. Die "Reaper" fliegt aber mit einem Turboprop-Triebwerk und wird von einem Propeller angetrieben.

Eine iranische Nachrichtenagentur suggeriert mit der Bebilderung des jetzigen Vorfalls, es habe sich möglicherweise um eine Spionagedrohne "Global Hawk" gehandelt, die tatsächlich über einen Düsenantrieb verfügt. Dann wäre sie allerdings vermutlich vom sizilianischen Stützpunkt Sigonella gestartet, wo die USA zwei "Global Hawk" stationiert haben.

Der neuerliche Absturz ereignete sich nur wenige Tage, nachdem bereits eine Helikopter-Drohne der Firma Schiebel in Somalia niederging. Es ist unklar, in welcher Mission das Fabrikat aus Österreich unterwegs war. Auch zur Absturzursache kursieren mehrere Versionen. Ein Provinzgouverneur erklärte, die Drohne sei am Dienstag abgeschossen worden ( Rätselhafter Absturz einer Drohne in Somalia). Die islamistische al-Shabaab-Miliz hatte die Trümmer eingesammelt und Bilder ins Netz gestellt.

Für Einsätze von US-Drohnen über afrikanischen Ländern werden offensichtlich Einrichtungen der US-Armee in Deutschland genutzt ( Ramstein wird Zentrum des US-Drohnenkriegs in Afrika und Asien). Zuständig ist das Oberkommando des US-Militärs AFRICOM in Stuttgart. Eine besondere Rolle spielt aber das "Air Operations Center" der US-Air Force in Ramstein. Die Einrichtung in Rheinland-Pfalz dient als Relaisstation für die Funkverbindung nach Nevada, von wo aus US-Drohnen navigiert werden. Aus einer Ausschreibung für neue Baumaßnahmen in Ramstein geht hervor, dass die Station nun erweitert werden soll.

Die nähere Betrachtung des Dokuments zeigt aber, dass Ramstein nicht nur für Einsätze in afrikanischen Ländern genutzt werden soll. Denn laut US-Armee würden nach dem Ausbau auch Operationen der militärischen Einrichtungen EUCOM und CENTCOM verbessert. Die beiden Regionalkommandos sind zuständig für Osteuropa sowie den Nahen Osten, Ost-Afrika und Zentral-Asien.

Mehr Auskunft zur Rolle der Basis in Ramstein ist von der Bundesregierung derzeit nicht zu erhalten: Die parlamentarische Kontrolle zu allen Drohnen-Angelegenheiten ist bis zum 14. Juni faktisch auf Eis gelegt. Zwei Kleine Anfragen der Linksfraktion wurden nicht wie vorgeschrieben innerhalb von zwei Wochen bearbeitet. Die Beantwortung schriftlicher Einzelfragen der SPD wurde ebenfalls um zwei Wochen verlängert – ein einmaliger Vorgang, denn vorgeschrieben ist ein Zeitraum von sieben Tagen.

Am Mittwoch will der Verteidigungsminister im Verteidigungsausschuss immerhin einige Fragen zur Spionagedrohne "Euro Hawk" beantworten. Eine Arbeitsgruppe aus 40 Mitarbeitern des Militärs soll gleichzeitig Verfehlungen der Behörden aufarbeiten.

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