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(Bild: Shutterstock)

Wird schnelles mobiles Internet bald so selbstverständlich wie Strom aus der Steckdose? Werden bald alle Funklöcher gestopft, und wird Industrie 4.0 Wirklichkeit? 5G soll’s richten. Doch so einfach ist es nicht.

Die ersten Frequenzen für den Kommunikationsstandard 5G sind versteigert, die Marke von 5,8 Milliarden Euro ist gerissen – ab jetzt zündet der Turbo für die digitale Transformation. Ade Funklöcher, hallo Echtzeit. Eine Revolution rollt heran.

Wirklich? Ausgerechnet Telekom-Chef Timotheus Höttges stellte auf der Konferenz Digital 2018 laut dem Portal "Digitaler Mittelstand" fest, dass "5G in einer Art und Weise gehypt wird, die mit den wirklichen Leistungen des neuen Mobilfunkstandards in keinem Verhältnis steht".

Das fängt schon bei der angeblichen Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 20 Gigabit pro Sekunde (was 100-mal schneller als 4G wäre): Sie ist eher theoretischer Natur und wird allenfalls bei Frequenzen jenseits der 20 Gigahertz erreicht. Doch dann werden Funkwellen bereits von harmlosen Hindernissen wie Bäumen behindert und prallen an Mauern ab. Die Reichweite ist ein Witz.

Antennen müssten also wohl alle paar Meter stehen – und nicht alle paar hundert Meter, wie derzeit im optimistischsten Szenario verlangt. Für eine flächendeckende 5G-Versorgung müssten laut einer Studie der Beratungsgesellschaft WIK eine Dreiviertelmillion neue 5G-Antennen aufgestellt werden – womit längst nicht das Maximum erreicht wäre. Um die märchenhaften Geschwindigkeiten zu erzielen, bräuchte es überdies geführte Richtstrahlen, die das Signal fokussieren und durch Straßenschluchten jagen. Der Aufwand: immens. Der Nutzen: begrenzt.

"Klassische Netzsurfer kommen auch mit LTE gut zurecht, es gibt keinen unmittelbaren Vorteil", sagt Nick Kriegeskotte, Bereichsleiter Telekommunikation beim Branchenverband Bitkom. Gamer werden sich zwar freuen, weil ihre Spiele unterwegs flüssiger laufen oder sie sogar VR-Inhalte nutzen können. Aber wie beliebt wird VR in der U-Bahn, wenn es schon im Wohnzimmer nie recht angekommen ist? Chiphersteller Intel jedenfalls scheint nicht an diese Zukunft zu glauben. Er hat kürzlich die Entwicklung von 5G-Chips für Smartphones mangels Profitaussicht gestoppt.

Ähnlich verhält es sich mit dem autonomen Auto. Oft dient es als Beispiel dafür, wie wichtig die extrem kurze Latenzzeit ist – wie viel Zeit also vergeht, bis auf eine Anfrage ein Antwortsignal kommt. Unter einer Millisekunde soll sie bei 5G liegen. "Das Potenzial von 5G liegt in der flächendeckenden und nahezu latenzfreien Übertragung großer Datenmengen zu vertretbaren Kosten", sagt Lutz Eckstein, Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen. Mit 5G lässt sich ein Roboterfahrzeug sicher aus der Ferne steuern. So können etwa menschliche Tele-Piloten einspringen, wenn die eingebaute Elektronik an ihre Grenzen kommt [1]. Muss ein Wagen beispielsweise plötzlich bremsen, hätte er mit 4G den Fußgänger schon überrollt, bevor überhaupt die Anweisung zum Bremsen eingegangen wäre. Nur: Gerade für die sichere Steuerung wäre eine komplette Netzabdeckung Deutschlands erforderlich.


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[1] https://www.heise.de/tr/artikel/Automobile-Fernbeziehung-4093888.html