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Das Falt-Rad

Transport
Reifen ganz klein gemacht

(Bild: Andrea Mocellin )

Fahrradreifen lassen sich bislang nur unbequem transportieren. Das Revolve-Wheel ist da ganz anders.

Sie werden zwar immer kompakter und leichter, doch egal wie ausgeklügelt ein Faltrad letztlich auch sein mag – die Laufräder selber lassen sich nicht verkleinern und so benötigt man auch im zusammengeklappten Zustand etwa in Bus und Bahn noch immer viel Platz für sein mobiles Gefährt. Zudem sind die zumeist verbauten Kleinreifen (16 bis 20 Zoll) der Klappdrahtesel im Vergleich zu vollwertigen, großen Rädern der Bequemlichkeit auf dem Asphalt sowie im Gelände abträglich.

Andrea Mocellin
Erfinder Andrea Mocellin glaubt auch an andere Anwendungsmöglichkeiten als Fahrräder. (Bild: Andrea Mocellin)

Und auch wer Angst hat, dass sein auf dem Gehweg angekettetes Fahrrad gestohlen wird, nimmt gerne einen der Reifen mit zur Arbeitsstätte, um Diebe abzuschrecken – und schleppt sich dabei einen Wolf.

Reifen wird endlich klein gemacht

Das alles könnte sich demnächst ändern. Der aus Venedig stammende Fahrzeuggestalter Andrea Mocellin, der in der Vergangenheit unter anderem für das legendäre Autodesignstudio Pininfarina tätig war und heute im bayerischen München für ein Elektroauto-Start-up arbeitet, hat mit dem Revolve-Wheel [1] nun ein Rad entwickelt, das sich auf gut ein Drittel seiner regulären Dimensionen zusammenklappen lässt – von 665 Millimeter (26 Zoll) auf nur noch 226 Millimeter (8,9 Zoll). "Ich wollte etwas komplett Neues schaffen", sagt er. Ein Reifen passe so in einen Rucksack, einen Koffer oder gar die Gepäckablage in einem Flugzeug.

Könnte auch ein Lautsprecher oder einer futuristische Skulptur sein: Das Revolve Wheel.
Könnte auch ein Lautsprecher oder einer futuristische Skulptur sein: Das Revolve Wheel. (Bild: Andrea Mocellin)

Die Klappmechanik des Revolve-Wheel besteht aus Aluminium sowie Edelstahl und funktioniert scherenartig auf Knopfdruck, ähnlich wie bei einem automatischen Regenschirm. Eine Dämpfungsmechanik verbessert das Handling. Der Mechanismus soll mit keinerlei Stabilitätseinbußen verbunden sein, als Bereifung muss allerdings Vollgummi dienen, damit die Räder während des "Umbaus" nicht platzen können. Der Komfort soll laut Mocellin trotzdem nicht leiden, zudem sind die Reifen "puncture-proof", Gläser oder Nägel können ihnen also nichts anhaben. Die Technik sei zwar nicht geeignet für ein flottes Rennrad, für ein normales, alltagstaugliches Citybike aber völlig ausreichend, sagt Mocellin.

Verschiedene Anwendungsbereiche

Von dem Erfinder aktuell erwogene Anwendungsbereiche sind etwa kompakte Falträder, die nicht auf die Bequemlichkeit und Sicherheit ausgewachsener Laufräder verzichten müssen. Zudem wären neuartige Rollstühle denkbar, die sich deutlich platzsparender transportieren lassen, denn diese passen aufgrund ihrer großen Haupträder aktuell nur schwer in einen Kleinwagen. Hier habe er schon viel positives Feedback erhalten, sagt der Fahrzeugdesigner. Ein mit Revolve-Wheel ausgestatteter Rolli leiste soviel wie ein traditioneller Rollstuhl, so Mocellin, bei deutlich geringerem Platzaufwand.

Durch seine Kompaktheit ist das Revolve Wheel leicht zu tragen.
Durch seine Kompaktheit ist das Revolve Wheel leicht zu tragen. (Bild: Andrea Mocellin)

Nach drei Jahren Arbeit hat der Fahrzeugdesigner mittlerweile einen produktionsreifen Prototyp seines Falt-Rades fertiggestellt. Dem waren viele Papier- und 3D-Modelle vorausgegangen. Derzeit sucht er nach Investoren, um die Produktion zu starten. Alternativ sei auch denkbar, ein Abkommen mit einem Lizenznehmer zu schließen, der den Reifen dann selbst auf den Markt bringt und bewirbt.


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[1] https://www.revolve-wheel.com/