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Die Scanner von Notre-Dame

Infotech
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Diesen 3D-Scan von Notre-Dame machte der Historiker Andrew Tallon vor dem Brand. Er zeigt aber zu wenig Details für einen originalgetreuen Wiederaufbau.

(Bild: Andrew Tallon/Vassar College/AP/Dpa Picture-Alliance)

Auf den Servern der Universität Bamberg liegen detaillierte 3D-Aufnahmen von Notre-Dame. Sie könnten französischen Kollegen bei der Restaurierung entscheidend helfen.

Droht Notre-Dame einzustürzen? Werden nach und nach Teile der Wände herunterprasseln? Wann können Touristen wieder in die Kirche? Niemand kann diese drängenden Fragen zum Zustand der berühmten Pariser Kathedrale wenige Wochen nach dem verheerenden Brand beantworten.

Aber Bamberger Forscher haben eine Idee, wie es gehen könnte. Durch einen glücklichen Umstand verfügen sie über frische 3D-Aufnahmen des Wahrzeichens aus der Zeit just vor dem Inferno. Sie wurden in einem EU-Projekt zu mittelalterlichen Kirchenportalen zwischen 2015 und 2018 aufgezeichnet. "Die 3D-Daten des jetzt teils zerstörten Mittelbaus von Notre-Dame sind ein Nebenprodukt der Aufzeichnung der Portale", sagt Tobias Arera-Rütenik, Bauingenieur und Leiter der Projektstelle "Digitale Denkmalerfassung und Denkmalmanagement" an der Universität Bamberg. Wenn der Dom nun nach dem Brand erneut und fortlaufend gescannt würde, könnte ein Vergleich der Vorher- und Nachheraufnahmen überlagert die Schäden deutlich machen. Risse, Schiefstellungen und abbröckelnde Materialien würden sofort auf einen Blick sichtbar – und zwar im Millimetermaßstab. So ließen sich die Sicherung des Gebäudes und später auch die Restaurierung besser planen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bot dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron deshalb offiziell digitale Hilfe an.

Denn zweidimensionale Baupläne helfen nur bedingt weiter. Der Brand hat einen großen Teil der Statik verändert. "Das Gebäude arbeitet heftig", so Arera-Rütenik. Die Flammen haben die oberen Bauteile enorm erhitzt und die Materialien dadurch ausgedehnt. Dann drang massenhaft Löschwasser aus der Seine ein, das nun verdunsten muss, damit es im Denkmal nicht schimmelt. Das Bleidach ist zu Staub geworden, der Vierungsturm eingestürzt und die Gewölbekappen fehlen. "Dadurch wird der Schub der Wände zu den Seiten nicht mehr vollständig aufgefangen", erklärt Arera-Rütenik. "Sagen wir mal so: Es ist schön, dass man noch nicht von weiteren Einstürzen gehört hat."


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