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Dritte Dimension auf Knopfdruck

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Dritte Dimension auf Knopfdruck

(Bild: HumanEyes)

Wer sich nicht zwischen Kugelpanoramen und 3D-Bildern entscheiden kann, für den bietet die Vuze XR beides.Aber kann sie auch beides gleich gut?

Für Faule ist die 360-Grad-Fotografie ideal: Es gibt kein Herumstreunern mehr auf der Suche nach dem richtigen Ausschnitt, da ohnehin alles aufs Bild kommt. Wer trotzdem auf eine Hälfte des Kugelpanoramas verzichten will, für den besitzt die Vuze XR einen unauffälligen Knopf unter ihren beiden Fischaugen-Objektiven. Betätigt man ihn, klappen die Linsen auseinander und schauen – mit dem Abstand menschlicher Augen – in die gleiche Richtung. Sie überblicken dann zwar nur noch 180 Grad, aber dafür in 3D.

Was taugt das Konzept in der Praxis? Ich begebe mich auf Fotopirsch durch Hannover. Zum Vergleich habe ich eine ältere Ricoh Theta SC [1] dabei – ebenfalls eine 360-Grad-Kamera, die aber fest eingebaute Objektive hat und folglich nur in 2D fotografiert.

Bei gutem Licht geben sich beide Modelle nicht viel. Wird es dunkler, kommt die Vuze an ihre Grenzen. Die Bilder der Wendeltreppen im Neuen Rathaus sind beispielsweise unscharf und verrauscht. An den Säulen zeigen sich Stitchingfehler, die deutlich ins Auge springen – die Software konnte beide Bildhälften nicht nahtlos verbinden. Die Ricoh, obwohl kleiner, älter und preiswerter, gibt sich keine solchen Blößen. Als Kugel-Knipse ist die Vuze für mich damit durchgefallen.

Aber vielleicht reißt es das 3D-Feature ja noch raus. Ich probiere es mit großen und kleinen Motiven – der NordLB und einem Stadtmodell von Hannover. Betrachten lassen sich die Ergebnisse mit einer VR-Brille oder einer Smartphone-App plus Papphalterung. In beiden Fällen ist der 3D-Effekt überzeugend. Bei meinem angejahrten Smartphone ruckelt die Darstellung allerdings ziemlich, ebenso wie die Darstellung von 360-Grad-Fotos. Videos gibt die App gar nicht wieder. Ohne Headset macht die Sache also keinen rechten Spaß.

Weitere 360-Grad-Kameras:

Immerhin verbindet sich die App anstandslos per WLAN mit der Kamera, was keinesfalls selbstverständlich ist. Leider lassen sich Fotos und Filme nicht mit der App bearbeiten, sondern nur mit einer Software für Windows oder Mac. Diese kann zwar Bilder für den Upload bei Google Maps, Facebook oder die Vuze-eigene, kostenpflichtige Plattform namens Zone rendern, aber ein direktes Hochladen geht nur über die App. Das Zusammenspiel von Software und Plattform ist also ausbaufähig. Bei der Konkurrenz knirscht es in diesem Punkt allerdings auch.

Insgesamt hinterlässt die Vuze einen zwiespältigen Eindruck: Als Kugelpanorama-Kamera ist sie zu teuer, zu schwer, zu schlecht. Wer vor allem 3D-Videos und -Fotos macht, ist mit dem Gerät hingegen gut bedient – zumal es in diesem Marktsegment wenig Alternativen gibt. Die 360-Grad-Funktion ist damit nicht mehr als eine nette Dreingabe.

Produkt: Vuze XR [7]
Hersteller: HumanEyes
Preis: ca. 400 Euro


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4404055

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tr/artikel/Fotografieren-hoch-drei-3016907.html
[2] https://www.heise.de/tr/artikel/Ausprobiert-36-fliegende-Augen-3326247.html
[3] https://www.heise.de/tr/artikel/Kugelpanoramen-mit-dem-Smartphone-3657196.html
[4] https://www.heise.de/tr/artikel/Rundum-3D-3893245.html
[5] https://www.heise.de/tr/artikel/Rundumkamera-zum-Aufstecken-3460667.html
[6] https://www.heise.de/tr/artikel/Kompakte-360-Grad-Kamera-3326170.html
[7] https://vuze.camera/