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Fokus Internet: Wie machen wir das Internet ausfallsicher?

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Fokus Internet: Wie machen wir das Internet ausfallsicher?

(Bild: Photo by Kaitlyn Baker on Unsplash )

Die Architektur des Internets hat sich lange als extrem robust erwiesen. Doch mittlerweile wachsen die Probleme. Ingenieure wollen sie nun mit Quantentechnologie absichern, andere sogar ganz neu konstruieren.

Der Kalte Krieg war auf dem Höhepunkt, als der Informatiker Paul Baran Anfang der 1960er-Jahre an einem Konzept für ein neues Kommunikationsnetz für die Luftwaffe arbeitete. Dieses Netz sollte vor allem eines sein: ausfallsicher. Sogar nach einem Atomschlag der Russen. Denn "unser schwächster Punkt war, dass wir kein verlässliches Kommunikationssystem hatten, über das wir im Fall eines Angriffs einen Gegenschlag hätten organisieren können", erklärte Baran in einem Interview 1999.

In seiner 1964 veröffentlichten Arbeit "On Distributed Communication" entwarf Baran eine ebenso geniale wie einfache Lösung: Statt wie bisher feste Verbindungen zwischen Sender und Empfänger aufzubauen, sollte sich jede Botschaft im Netz ihren Weg selbst suchen. Um das zu verwirklichen, schlug Baran vor, die zu übertragenden Daten in kleine Pakete aufzuteilen, die unabhängig voneinander durch das Netz laufen sollten und am Ziel wieder zusammengesetzt werden. Datenpakete, die noch nicht an ihrem Ziel angekommen sind, werden „wie heiße Kartoffeln“ so lange an den nächsten Knoten im Netz weitergereicht, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Solch ein Netz wird umso robuster, je dichter es geknüpft ist.

Wenige Jahre später wurde die Idee umgesetzt [1], im Arpanet, dem Vorläufer des Internets. Als Mitte der 1990er-Jahre mit Einführung des World Wide Web die geradezu explosive Expansion des Internets begann, zeigten sich jedoch die Grenzen der Idee: Die Zahl der Websites stieg von 23000 im Jahr 1995 auf über eine Million zwei Jahre später – und dieses stürmische Wachstum war nur mit einer teilweisen Zentralisierung zu verkraften. Teilbereiche, sogenannte autonome Systeme, tauschen seither ihre Daten über wenige, aber sehr gut ausgebaute Backbone-Routen aus. Die konkrete Route, über die die Daten geschickt werden, liegt jedoch nicht fest. Die zentralen Router schicken sich vielmehr gegenseitig ständig aktuelle Informationen über die jeweils bestmöglichen Verbindungen zu, die dann in internen Tabellen abgelegt werden.


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http://www.heise.de/-4427268

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[1] https://www.heise.de/tr/artikel/Fokus-Internet-In-der-Midlife-Crisis-4427266.html