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Vom Internet ins Smart Grid

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Vom Internet ins Smart Grid

(Bild: Jens Meyer)

Der Netzwerkriese Cisco will auch im Geschäft mit intelligenten Stromnetzen ganz vorne dabei sein.

Wenn man mit Cisco über das Thema Energie spricht, wird man daran erinnert, was für ein nebulöser Begriff das "Smart Grid" eigentlich ist. Für den Netzwerkriesen selbst könnte die Sache allerdings kaum klarer sein: Ähnlich wie beim Internet, bei dem der Konzern mit seiner vielfältigen Router-Hardware eine enorm wichtige Rolle gespielt hat, will er nun auch beim Bau intelligenter Stromnetze ganz vorne mit dabei sein.

Dazu soll es neue Geräte und Dienste geben, die sich speziell an die Stromindustrie richten und die das Stromnetz gleich an mehreren zentralen Punkten berühren. An jeder wichtigen Stelle ist Netzwerk-Hardware gefragt, meint man bei Cisco, sei es nun ein Gateway am Strommast, das die Daten von intelligenten Zwei-Wege-Stromzählern einsammelt oder der Router in der Trafostation.

Die Idee dabei ist, das Stromnetz mit einem neuen Computernetzwerk zu überlagern, das den Stromkonzernen die Möglichkeit gibt, ihre Infrastruktur zu überwachen – von der Hochspannungsleitung bis zum Endkunden. So soll der Strom künftig effizienter übertragen und bei Stromausfällen schneller reagiert werden können. Die Vernetzung ist auch wichtig, weil sie es erleichtert, erneuerbare Energiequellen in den Strommix einzubeziehen.

Cisco muss allerdings zunächst die Stromnetzbetreiber überzeugen, die notwendigen Mittel in die Hand zu nehmen. Sie haben bereits große Investitionen in ältere Netzwerkarchitekturen gesteckt – beispielsweise das TDM-Protokoll [1]. Um höhere Bandbreiten übertragen zu können und ein flexibleres Netzwerk zu erhalten, steigen viele Betreiber aber mittlerweile auf standardbasierte Technologien um, wie sie auch im Internet verwendet werden: IP und Ethernet.

Ciscos neue GridBlocks-Technik [2] verwandelt das gesamte Netzwerk eines Stromkonzerns in ein IP-Netz, was sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Sicherheit erhöhen soll, wie Sanket Amberkar, zuständiger Marketing-Manager in der "Connected Energy"-Gruppe des Konzerns, sagt. "In einem Weitverkehrsnetz, das auf Basis des Stromnetzes läuft, müssen verschiedene Anwendungen auf der gleichen Infrastruktur laufen können. Und die haben unterschiedliche Anforderungen, was die Latenzen anbetrifft", sagt er. "Die Technologie, die die Stromkonzerne heute haben, wurde für Punkt-zu-Punkt-Anwendungen konzipiert. Diese lassen sich nur schwer hochskalieren oder auch nur managen."

Die Cisco-Router und Gateway-Module setzen komplett auf das Internet-Protokoll. Darüber sind viele verschiedene Anwendungen möglich, von der Abfrage von Sensoren in den Kabelverbindungen über Sprachkommunikation zwischen Leitungstechnikern bis hin zu Videoanwendungen für den Bereich Sicherheit. Die Firma entwickelt außerdem Spezialanwendungen zur Ferndiagnose von Störungen, womit sich dann auch gleich automatisch Servicetechniker alarmieren lassen. Ein weiteres Werkzeug, das Cisco in Zusammenarbeit mit dem nationalen Stromnetz in China getestet hat, erlaubt es Ingenieuren, Daten- und Stromnetz in einem Schritt zu planen. Letztlich generieren all diese Geräte enorme Informationsmengen, die verarbeitet werden wollen. Auch hier will Cisco zur Stelle sein – mit der bekannten Hardware fürs Rechenzentrum.


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-1796510

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.elp.com/articles/powergrid_international/print/volume-17/issue-12/features/utility-networks-in-transition-from-tdm.html
[2] http://www.cisco.com/web/strategy/energy/gridblocks_architecture.html