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Wenn der Schrank zum Touchscreen wird

Infotech
Wenn der Schrank zum Touchscreen wird

(Bild: Bosch Sensortec)

Bosch hat einen Projektor entwickelt, der aus beliebigen Oberflächen virtuelle berührungsempfindliche Bildschirme macht.

Unsere digitalen Geräte bedienen wir bislang direkt, wenn sie keine Sprachassistenzfunktion besitzen: Wir tippen auf unseren Rechnern herum, nutzen Maus und Trackpad oder wischen uns auf Smartphone und Tablet durch die Apps. Dabei liegt der Trend woanders: Unsere Umwelt wird interaktiv, einzelne Gadgets treten stattdessen mehr und mehr in den Hintergrund.

Laser und 3D-Sensor machen es möglich

Der Konzern Bosch hat zwei Projektoren vorgestellt, die aus nahezu jeder Fläche einen berührungsempfindlichen Bildschirm machen können, sei es die Arbeitsfläche in der Küche oder der Schrank im Schlafzimmer.

Bosch
Der Projektor BML100PI. (Bild: Bosch)

Die Projektoren nutzen Laser mit eingebautem Scanner (BML100PI) beziehungsweise Mikrospiegel wie gewöhnliche Beamer (Pai) und sind für verschiedene Anwendungen ausgelegt. Wo sich der Finger befindet und wo er "drückt", erfasst beim Pai ein integrierter 3D-Sensor; der BML100PI projiziert mit seinem Laser ein Bild auf eine Oberfläche und scannt dieses dann wieder zeilenweise, um Fingerbewegungen auf dem virtuellen Bedienfeld zu erfassen. Alle nötigen Komponenten sind bei beiden Geräten in Modulen zusammengefasst, die fest verbaut werden müssen.

Direkteinbau in Alltagsgegenstände

Schon auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas demonstrierte Bosch im Frühjahr, wie aus dem Inneren eines Schranks ein smartes Regal wird: Ein BML100PI-Modul kann auf bis zu sechs Oberflächen gleichzeitig Touchscreens erzeugen. Jeder lässt sich einzeln ansteuern. So können Nutzer beispielsweise digital auf den Inhalt eines Regals zugreifen, sich ein Outfit zusammenstellen und auf Instagram teilen. Es ist sogar möglich, sogenannte "Smart Shelves" zu erzeugen, bei denen jedes Regalbrett einzeln angesteuert werden kann.

Bosch Sensortec

Für die Küche stellt sich Bosch einen virtuellen Kochassistenten vor, der Produkte identifizieren und passende Rezepte vorschlagen kann. Die Geräte sind klein genug, dass sie künftig in Möbeln mitgeliefert werden könnten. So misst der BML100PI als Kompaktmodul nur 43 mal 47 Millimeter und ist damit ungefähr so groß wie eine Kreditkarte. Die 2 Watt, die konsumiert werden, fallen wiederum in der Stromrechnung kaum auf.

Greift die Möbelindustrie zu?

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Bei Fertigern von Möbeln dürfte Bosch mit den Geräten offene Türen einrennen. So bahnt sich Ikea seit mehreren Jahren seinen Weg ins Smart-Home-Segment und liefert digital ansteuerbare Lampen [4], in Kommoden integrierte drahtlose Ladetechnik und demnächst auch intelligente Lautsprecher [5]. Ein eingebautes Touchscreen-Display in "Malm" & Co. würde sicher für noch mehr Nachfrage sorgen. Bei Ikea werkelt man dem Vernehmen nach auch an smarten Spiegeln und anderen Möbeln mit Display.

Für Hersteller verfügbar wird die Bosch-Technik allerdings erst im nächsten Frühjahr sein. Neben der interaktiven Variante des Projektors will Bosch auch eine reine Bildschirmvariante ohne Touchscreen anbieten. Der BML100P soll billiger ausfallen, berichtet "CNET".


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[1] https://www.heise.de/tr/artikel/Hologramm-Virtuelle-Freundin-auf-der-Kommode-4133917.html
[2] https://www.heise.de/tr/artikel/Android-auf-den-Tisch-3812073.html
[3] https://www.heise.de/tr/artikel/Projektionstechnik-Grosses-Kino-3594677.html
[4] https://www.heise.de/tr/artikel/Smartes-Heim-auf-Schwedisch-3746227.html
[5] https://www.heise.de/meldung/Ikeas-Sonos-Lautsprecher-Symfonisk-im-Kurztest-4367315.html