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Wettervorhersage per Crowdsourcing

Infotech
Wettervorhersage per Crowdsourcing

Die App Sunshine nutzt die in modernen Smartphones steckenden Sensoren zur Gewinnung meteorologischer Daten.

In Städten wie San Francisco kann das Wetter nur ein paar Häuserblocks entfernt schon deutlich anders sein. Nun sollen Smartphones helfen, lokale Wettervorhersagen zu verbessern. Die App "Sunshine" will dazu Crowdsourcing-Daten seiner Nutzer verwenden. Das Programm des gleichnamigen Start-ups aus San Francisco kombiniert Daten der Bundesbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration sowie Messwerte des in vielen iPhones und einigen Android-Smartphones eingebauten Luftdrucksensors. Dieser liefert bisher meist die Höhenbestimmung für die Navigation. Doch Luftdruckänderungen erlauben auch Aussagen über Wetteränderungen.

Sunshine zeigt von anderen Wetter-Apps bekannte stündliche Vorhersagen für den aktuellen Tag und Basisdetails für die nächsten Tage: In meinem Fall knapp 18 Grad Celsius und klares Wetter, was der App zufolge auf den Messwerten von 37 anderen Nutzern beruht. Ich bin eine von insgesamt 250 Testern, die Sunshine derzeit in einer geschlossenen Beta-Phase in der Bay Area um San Francisco, New York und Dallas prüfen. Das reicht noch nicht ganz für die Zielgenauigkeit.

Doch Sunshine-Chefin Katerina Stroponiati hofft, dass möglichst viele Nutzer ihre Daten zur Verfügung stellen. Tests haben ergeben, dass drei Nutzer pro Quadratmeile reichen würden, um genauer zu werden als aktuelle Wetter-Apps. Die Sunshine-App soll Ende März verfügbar sein. Die Basisversion ist gratis, später sollen Premium-Funktionen gegen Geld zubuchbar sein. Nutzer sollen auch aktiv plötzliche Wetter-änderungen wie Nebel melden können.

Atmosphärenwissenschaftler Cliff Mass von der University of Washington in Seattle mahnt, dass Crowdsourcing-Luftdruckdaten zwar beim Erstellen genauerer Wetterstatistiken helfen können. Doch Vorhersagen daraus seien schwieriger. Dafür müssten die Messwerte mit Wetterdaten-Modellen kombiniert werden. Sunshine-Chefin Stroponiati zufolge arbeitet das Start-up an Wettermodellen. Noch sei zwar kein Meteorologe an Bord, sie plant aber, mehrere Wetterexperten einzustellen.


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