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Das Smartphone frisst seine Verwandten

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Wozu eigentlich noch verschiedene elektronische Geräte? Das Telefon nähert sich dem Ideal des All-in-one-device immer mehr an.

Jetzt sind also die Tablets dran. Mit einer Neuerung bei der Smartphone-Nutzung wird ihr Mehrwert plötzlich fragwürdig: Wenn ich mein Telefon aufklappen kann und so einen 7, 8 oder 9 Zoll messenden Touchscreen zur Verfügung habe, wozu dann noch ein Tablet herumtragen?

Kaum jemand hätte vor 20 oder 30 Jahren mal gedacht, dass ausgerechnet das Telefon zum elektronischen Alleskönner mutiert, der nach und nach spezialisierte Geräte verdrängt. Kommunikationsfähigkeit und Mobilität waren der Schlüssel. Dank wachsender Rechenleistung im Miniaturformat konnte alles weitere draufsatteln.

Festnetz-Telefon? Warum, wenn ich mein Telefon mit All-Inclusive-Flat immer dabei habe? Handheld-Konsole? Ich kann doch auf dem Handy daddeln. Kompaktkamera? Mein Handy macht gute Fotos. Und die aktuellen Modelle mit multiplen Kameras und optischen Zoom greifen selbst Systemkameras an. Portables TV? Nö, Smartphone-Videos. Als ich einige Zeit einen (recht alten) Desktop-Computer auf dem Schreibtisch und ein (relativ neues) Smartphone in der Hosentasche hatte, konnte ich sagen: Mein Telefon bietet mehr Rechenleistung als mein PC. Und auch da kursieren Lösungen, bei denen das Smartphone den Rechner ersetzt. Von Navis und MP3-Player brauch ich gar nicht erst anzufangen.

Viele neue Smartphone-Features der letzten Jahre waren kleinere Funktionsergänzungen (Fingerabdrucksensor, Nice to have) oder polierten das Design etwas auf. Gebogenes Handy. Aha. Randloses Display. Meinetwegen.

Ein wirklich faltbares Display, wie es Samsung mit dem Galaxy Fold und Huawei mit dem Mate X nun vorgestellt haben, eröffnet eine Reihe neuer Möglichkeiten. Die ersten Modelle werden zu teuer und zu klobig sein. Aber der Konkurrenz- und Innovationsdruck auf dem Smartphonemarkt wird dafür sorgen, dass die Technologie innerhalb weniger Jahre einerseits große Verbreitung findet, andererseits deutlich besser ausgereizt werden wird.

Wohin die Reise gehen kann, zeigte schon Nokia im Jahr 2008. Die Konzeptstudie des "Morph" war größtenteils Science Fiction, hilft aber unserer Vorstellungskraft auf die Sprünge: Wenn ich mein Smartphone locker ums Handegelenk wickeln kann, braucht es auch keine Wearables mehr.

Mir soll's recht sein. Je weniger Zeug, das irgendwo rumliegt, gesucht wird und aufgeladen werden muss, desto besser.

(Anton Weste)


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