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Intelligentes Leben im Weißen Haus

Blog

Der neue Wissenschaftliche Berater des US-Präsidenten hat tatsächlich Ahnung von Wissenschaft. Ein Fünkchen Hoffnung.

Es fühlt sich ungewohnt an, aber es gibt tatsächlich auch mal gute Nachrichten von der Trump-Administration. Der Präsident hat endlich einen Wissenschaftlichen Berater gefunden, wie die Washington Post schreibt. Der Posten war viel zu lange vakant und diese Tatsache spiegelte bestens das schwierige Verhältnis des Präsidenten zu Fakten und Wissenschaft.

Trumps Wahl für die Leitung des White House Office of Science and Technology Policy fiel nun auf den Meteorologen Kelvin Droegemeier. Und das ist keine schlechte Wahl. Droegemeier ist Experte für Extremwetter und hat Erfolge bei der Erforschung der Vorhersagbarkeit von schweren Gewittern und Tornados vorzuweisen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Kenntnisse Präsident Trump daran hindern werden, noch mehr Fehler in der Klimapolitik zu machen.

Als Teil seiner Arbeit leitete Droegemeier die Entwicklung des weltweit ersten atmosphärischen Computermodells, das Dopplerradar und weitere Daten zur Vorhersage lokaler Gewitter und anderer extremer Wetterereignisse integrierte. Er gründete auch zwei Rechenzentren an der University of Oklahoma und untersuchte mit einer Gruppe, die IT-Infrastruktur der USA. Damit dürfte er gut gerüstet sein, um sich schnell mit den politischen Problemen des Landes in Bereichen wie Quantencomputer und Cybersicherheit auseinanderzusetzen. Droegemeier war schon unter zwei ehemaligen US-Präsidenten Mitglied des National Science Board. Letztes Jahr ernannte ihn der Gouverneur von Oklahoma zum Secretary of State für Wissenschaft und Technologie.

"Er besitzt viele Qualitäten von jemandem, den man gerne im öffentlichen Dienst sehen würde", sagte Roger Pielke Jr. gegenüber Nature. Der Politikwissenschaftler an der University of Colorado, hat die Geschichte der amerikanischen Wissenschaftsberater studiert. "Droegemeier ist – auf positivste Weise – ein nerdiger Meteorologe, der es liebt, an der Wettertechnologie zu arbeiten. Und er hat auch ein Händchen für Verwaltung und Arbeit in gegebenen Strukturen."

Nach Trumps Nominierung muss Droegemeier noch vom Senat bestätigt werden. Ihn erwarten schwierige Aufgaben. Trump hat seit Beginn seiner Amtszeit die Zahl der Mitarbeiter im Office of Science and Technology Policy von 130 auf 50 reduziert. Der Präsident hat wiederholt versucht, hochkarätige wissenschaftliche Programme zu kürzen oder abzuschaffen. Darunter Klimaschutzprogramme bei der Environmental Protection Agency und das Wide-Field Infrared Survey Telescope der NASA.

Es bleibt zu hoffen, dass der Meteorologe die bislang düstere Wissenschaftspolitik des Präsidenten etwas auflockern kann.

(Anton Weste)


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