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Aufgepasst! - Die Datensammler kommen!

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Unsere persönlichen Daten sind bares Geld wert. Mit vertraulichen Angaben wird immer wieder grober Missbrauch betrieben. Doch allen Warnungen und Berichten über Datenmissbräuche zum trotz, passiert es in Deutschland immer häufiger, dass ahnungslose Opfer in die Datenfalle tappen. Schon im letzten Jahr sind wir los gezogen und wollten es wissen:

  • Sind die Deutschen wirklich so ahnungslos und geben leichtsinnig vertrauliche Daten preis?
  • Hört denn keiner auf tägliche Warnungen?

Das Ergebnis machte uns schon damals fassungslos. Wir sammelten eine Unmenge an vertraulichen Daten bis hin zu Speichelproben und Fingerabdrücken. Doch wie sieht es in 2011 aus? Haben die Menschen unsere Warnung erhört? Vielleicht sogar daraus gelernt? Oder gehen die Deutschen immer noch völlig leichtgläubig mit Ihren persönlichen Angaben um?

Lockvogel – Gesundheitscheck für Krankenkassenbeitragssenkung

In diesem Jahr haben wir uns mit einem ganz besonderen Service unter unsere ahnungslosen Bürger gemischt. Unsere Lockvögel alias „Diana Betes“ und Ihr Assistent „Ingo Farkt“ sind im Auftrag des „Deutschen Instituts für Gesundheit“ als sogenannte „Health Agents“ unterwegs und bieten Interessierten einen kostenlosen Gesundheitscheck um ihre Beitragssätze der Krankenkasse um bis zu 5,8% monatlich zu reduzieren. Passen die Teilnehmer in ein bestimmtes Gesundheitsprofil und werden als fit und gesund eingestuft, winken Ihnen bei ihrer Krankenkasse Beitragsreduzierungen von bis zu 160€ im Monat. Und das haben sich so einige Ahnungslose nicht entgehen lassen.

Her mit Krankenkassenkarte, EC-Karte, Blut- und Haarproben

Mit einem Gesundheits-Fragebogen, Blutdruckmessgerät, Kartenlesegerät und allem, was man so braucht, um bei Passanten Blut- und Haarproben zu entnehmen, machen wir uns auf Datenfang. Wir beginnen mit leichten Fragen zum allgemeinen Wohlbefinden und den Adressdaten. Nachdem wir Genaueres über chronische Erkrankungen und operative Eingriffe erfahren haben, fordern wir die Krankenkassenkarte. Die wird uns ohne größeren Widerstand ausgehändigt. Wir notieren alles Wichtige.

Weiter machen wir mit der Blutdruckmessung. Da machen alle gerne mit und die Werte werden natürlich dokumentiert. Danach geht’s den Passanten an den Kragen. Wir wollen Blut! Denn um die genauen Blutzuckerwerte messen zu können, ist Blut wirklich notwendig. Um das Gesundheitsprofil dann abzurunden bitten wir noch um Haarproben. Das ist auch deshalb interessant, weil wir über die Haarproben ein persönliches Ernährungsprofil erstellen können. Da sagen unsere gesundheitsbewussten Probanden nicht nein.

Am Schluss fehlen noch die persönlichen Bankdaten, denn wer in das Gesundheitsprofil passt, bekommt sein Geld direkt zurück überwiesen – was für ein Service! Gerne geben uns die Menschen ihre EC-Karten, die wir mit Hilfe eines Kartenlesegerätes in diesem Versuch nur scheinbar auslesen. Schließlich bitten wir noch um die Preisgabe der dazu gehörigen Geheimzahl. Aber die lassen wir uns in umgekehrter Reihenfolge aufsagen – aus Sicherheitsgründen natürlich.

Die bittere Bilanz eines Datenjägers

Am Ende eines erfolgreichen Nachmittags sammeln wir unsere ausführlich ausgefüllten Fragebögen und reich gefüllten Glasfläschchen- und Röhrchen mit Haaren und Blut von vielen leichtsinnigen Menschen und ziehen unser bitteres Fazit: Das es so leicht sein kann an vertrauliche Daten heranzukommen, ist unglaublich. Wenn wir etwas Böses im Sinn gehabt hätten, könnten wir jetzt sämtliche Konten leerräumen und uns mit diesen Daten einen goldene Nase verdienen, indem wir sie beispielsweise an Dritte weitergegeben hätten.

Wie können Sie sich schützen?

Achten Sie immer genau darauf, wem Sie Ihre persönlichen Daten anvertrauen. Denken Sie immer daran, dass Ihre gesammelten Daten vielfach genutzt werden können. Und zwar nicht immer für „gute“ Dinge. Der Anruf vom Callcenter mit dem Angebot für eine unsagbar günstige Versicherung oder stapelweise Werbepost mit Probeabos können die Folge sein. Es kann aber auch ernsthaftere Folgen haben: Mit den passenden Daten ist es dann möglich, auf Ihre Rechnung Einkäufe im Internet zu tätigen. Sie müssen dann den Datenmissbrauch nachweisen.

Natürlich geht nicht jeder "Datensammler" auf die Straße: Viele Gewinnspiele haben nur das Ziel, möglichst viele persönliche Daten einzusammeln und zu vermarkten. Achten Sie also immer darauf, was sich Firmen bei der Datenweitergabe herausnehmen. Einer Weitergabe Ihrer Daten an Dritte oder an "befreundete Unternehmen und Partner" sollten Sie nicht zustimmen.

Wenn Sie Ihre Daten jemandem anvertrauen, dann können diese oft auch an Dritte weitergegeben werden. Stellen Sie sicher, dass das nicht passieren kann. Aufgrund der von uns gesammelten Datenmenge wäre es in einem Missbrauchsfall für das Opfer sehr, sehr schwer geworden, die eigene Unschuld zu beweisen. Deshalb: Ihre Daten sind Ihre Daten und gehören auch nur Ihnen und keiner hat das Recht von Ihnen persönliche Daten einzusammeln. (Uli Geiger) / (gs)

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