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Die digitale Gesundheitskarte - Chancen, Risiken und Nebenwirkungen

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Das größte IT-Projekt aller Zeiten

Eigentlich sollte sie schon seit Jahren kommen, die elektronische Gesundheitskarte. Doch immer wieder verzögert sich die bundesweite Einführung. Der Druck auf Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die die Karte in höchsten Tönen lobt, wächst. Denn nicht alle sind von dem größten IT-Projekt aller Zeiten begeistert.

Verbesserung der Qualität

Das Projekt elektronische Gesundheitskarte ist, folgt man der Argumentation des Gesundheitsministeriums, in erster Linie ein Projekt zur Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung. Dass es sich dabei, wie Kritiker befürchten, um ein Instrument der Rationalisierung im Gesundheitswesen handelt, streitet das Ministerium ab. Die Verbesserung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit des Systems sei lediglich ein "positiver Nebeneffekt". Das gelte z.B. für die Einführung des elektronischen Rezepts. Die durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erwarteten Einsparungen ergäben sich insbesondere durch die Senkung der Verwaltungskosten und der einfacheren Abwicklung der Rezepte.

Antiquierter Informationsfluss

In der Tat: Der Informationsfluss zwischen Patient, Hausarzt, Facharzt und Klinik ist nicht gerade fortschrittlich. Bislang sammeln die Ärzte Patientendaten wie Krankheiten, Therapien oder Medikamenteneinnahmen zwischen Pappdeckeln in ihren Praxen. Ein schneller Austausch von wichtigen Informationen ist so nicht möglich.

Informationen jederzeit abrufbar

Mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte soll das nun ganz anders werden. Da die Patientengeschichte durch die neue Karte komplett gespeichert werden kann, hat nun jeder behandelnde Arzt schnell Zugriff auf die Patientendaten. Fehler wie Falsch- oder Doppelbehandlungen sollen so vermieden werden, weil jeder Arzt sofort ein objektives Bild des bisherigen Krankheitsverlaufs hat. Eigentlich eine clevere Idee, die auch dem Patienten zugute kommt.

Kritiker: Wir werden zu gläsernen Patienten

Doch es gibt Widerstand: Ärzte, Patienten und Datenschützer laufen Sturm gegen die Karte. Denn die hat nach Meinung der Kritiker nur ein Ziel: den gläsernen Patienten. Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft: "Bisher waren die Patientendaten in unseren Händen. Der Patient hat uns ausgewählt, die Daten zu überwachen und zu beschützen. Jetzt gehen die Daten aus den Praxen raus und weder Patient noch Arzt wissen, wo die Daten sind."

Ministerium: Karte ist sicher

Alles Panikmache, sagen die Befürworter um Ulla Schmidt. Der Patient müsse sich keine Sorgen machen. Schließlich seien seine Daten durch eine PIN vor unberechtigtem Zugriff geschützt. Diese Geheimnummer kenne nur der Patient, betont Dr. Georg Greve von der Deutschen Rentenversicherung: "Alle Daten werden verschlüsselt versendet. Und es darf nur auf solche Daten zugegriffen werden, wenn eine explizite Berechtigung seitens des Patienten da ist."Wenn der Patient also alles unter Kontrolle hat, sind seine Daten offensichtlich sicher. Aber: Karten und Pin-Nummern können gestohlen werden, das sagen nicht nur die Kritiker. Und in Zukunft wird es noch ein zweites Sicherheitsproblem geben.

Gefahr durch Onlinezugriff und Datenklau

Denn geplant ist, dass Krankenkassen auch Online Zugriff zu den Daten haben sollen. Und nicht erst seit den Datenklau-Skandalen bei Bahn und Telekom ist klar: Hunderttausende Krankendaten in der Hand Dritter sind eine Katastrophe. Wem nützt also die Karte? Uns allen: vor allem den Versicherten, darauf beharrt Ulla Schmidt weiterhin. Doch Daten- und Verbraucherschützer haben da noch ganz andere Nutznießer ausgemacht. Silke Möhring von der Verbraucherzentrale Hessen befürchtet: "Wirtschaftliche Interessen könnten hier eine Rolle spielen. Etwa dass mir jemand Medikamente verkaufen möchte, wenn er weiß, dass ich eine bestimmte Erkrankung habe. Aber auch andere öffentliche Träger könnten darauf zugreifen. Und das hinterlässt kein gutes Gefühl beim Patienten. Da geht es in die Richtung: ein gläserner Mensch zu sein." Noch läuft die Karte nur als Pilotprojekt. Bis sie in ganz Deutschland Wirklichkeit ist, wird Angesichts der massiven Kritik wohl noch einige Zeit vergehen. Und vielleicht ist das ja auch ganz gut so ... (Stefan Venator) / (gs)

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