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Die vollautomatische Zahlungskontrolle - Wie ein kleiner Händler bei Paypal zum Geldwäscher gemacht wird.

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Guten Tag!

..."Zu Ihrem Schutz haben wir den Zugriff auf Ihr Konto eingeschränkt, bis zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden können...", meldet sich mit "Herzlichen Grüßen Ihr PayPal-Team". Denn das wachsame Auge von PayPal will auf dem Konto von Hans-Ulrich P. "ungewöhnliche oder potentiell riskante Vorgänge" beobachtet haben.Um wieder an sein Paypal-Guthaben zu kommen und jeglichen Zweifel auszuräumen, soll der Versender mit einem Ladengeschäft für Showtechnik so ziemlich alle Unterlagen über Einkauf, Versand, Erlös und Kundendaten liefern. Bis heute versteht P. nicht, was beim Auftrag eines Versenders für Showtechnik im Wert von knapp über 1900 Euro ungewöhnlich sein soll.

Nein!

Kommt nicht in Frage, diese vertraulichen Informationen gehen einen Geldtransfer-Dienstleister nichts an, sagt sich Hans-Ulrich P. und teilt das PayPal auch per Email mit. Die Antworten sind eher ernüchternd, weil immer gleichlautende Standard-Emails. Auch am Telefon kommt der Versender nicht weiter, PayPal besteht darauf, dass Hans-Ulrich P. Einblick in seine Firma gewährt.

Warum?

Auch wir halten eine Tansfersumme von weit unter 2000 Euro bei einer Bestellung in einem Geschäft für Showtechnik für eher normal. Also fragen wir nach bei PayPal: Aus welchen Indizien leitet der Bezahldienst den Verdacht der Geldwäsche gegen Herrn Petri ab?

Barbara Hüppe, Pressesprecherin von PayPal, beantwortet unsere Anfrage:

"Um der Nutzung unseres Systems für so genannte verbotene Aktivitäten wie zum Beispiel Terrorismus oder Geldwäsche vorzubeugen, baut PayPal auf den bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen von Internet und Bankensystem auf. Darüber hinaus halten wir uns an die Vorgaben der Europäischen Union zur Geldwäscheprävention. Aus diesem Grund gelten für nicht verifizierte Nutzer Sende- und Abhebelimits. Wer hingegen seine Identität nachweist, kann unseren Online-Zahlungsservice nahezu unbegrenzt nutzen. Daher empfehlen wir allen unseren Kunden, ihr Konto zu verifizieren...

...Die Zugriffsbeschränkung eines Kontos wird von uns nur bei Erreichen der uns vorgegeben Limits bzw. bei bestimmten Verdachtsmomenten durchgeführt und geschieht niemals willkürlich. Wenn wir die Nutzung eines PayPal-Kontos einschränken, ist dies ein leider notwendiger letzter Schritt, den wir nur gehen, wenn wir dazu gezwungen sind. Er dient allein dazu, PayPal für alle beteiligten so sicher wie möglich zu machen."

Weiter wollten wir wissen, ob die Anforderung einer derart detaillierten Dokumentation von Firmeninterna wirklich notwendig ist und ob die eingeforderten Dokumente wirklich ausschließlich zur Klärung des Sachverhaltes eingesetzt werden.

Die Antwort: ..."Dabei handelt es sich um im Geschäftsverkehr durchaus übliche Dokumente wie Versandnachweise, Rechnungskopien, Personalausweiskopie, einen Adressnachweis, der nicht älter als 6 Monate ist etc. Kopien dieser Dokumente können direkt in das PayPal-Konto hochgeladen werden um eine schnelle Bearbeitung zu gewährleisten. Wir nehmen Datenschutz sehr ernst und alle uns zur Verfügung gestellten Dokumente dienen allein der Klärung des Vorgangs."

Weiterhin gesperrt

Hans-Ulrich P. hat nun die Wahl: Entweder gibt er die Bestellgewohnheiten seiner Kunden und seine vertraulichen Firmendaten preis oder er kann seinen PayPal-Account nach wie vor nicht nutzen. Das eingefrorene Guthaben dort bleibt für ihn vorerst unerreichbar. (gs)

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