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Gestochen scharfe Sonnenuntergänge - Heimvideos in HD-Qualität

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DV war gestern – heute ist AVCHD angesagt. Die Nase vorn haben nach Magnetband und CD-ROM jetzt Camcorder mit Festplatte oder Flash-Speicher, die ihre Aufnahmen in diesem hocheffizienten Format speichern. Nach einigen Anlaufproblemen will jetzt selbst bezahlbare Schnittsoftware der Hundert-Euro-Klasse solche Clips verarbeiten.

Leistungsstarke Prozessoren, schnelle Festplatten und reichlich Hauptspeicher – solche Zutaten stehen seit Langem auf der Liste wünschenswerter Ausstattungsdetails für einen Videoschnitt-tauglichen PC. Daran haben auch die erheblichen Steigerungen von Rechenpower und Datentransfer-Performance nicht viel geändert, zumindest nicht auf Dauer: Der Wechsel von DV- auf MPEG-2-Material markierte vor knapp drei Jahren einen deutlichen Sprung im Anforderungsprofil; nur moderne, schnelle und satt ausgestattete Rechner genügten den Anforderungen der nach und nach auf Leistung optimierten Software. Kein Wunder: Der Übergang von Standardauflösung (720 x 576 Pixel) auf High Definition (HD, 1440 x 1080 oder 1920 x 1080 Pixel) ließ die Menge der unkomprimierten, zu verarbeitenden Bilddaten bis auf das Fünffache ansteigen – auch wenn das gespeicherte, komprimierte Datenvolumen mit 16 bis 25 MBit/s in etwa gleich groß geblieben ist. Neben PCs mit reichlich Dampf unter der Haube brauchte – und braucht – man zur Bearbeitung solcher Videos auch auf Hochleistung getrimmte und auf Tempo optimierte Software.

Die nächste Forderung nach noch mehr Leistung erleben die Besitzer eines AVCHD-Camcorders, seitdem dieses hocheffizient komprimierende Format auf den Markt kam. Die ersten Schnittprogramme, deren Hersteller mit der AVCHD-Tauglichkeit warben, konnten in der Praxis nicht so recht halten, was sich der Käufer davon versprach.

Doch inzwischen eignen sich selbst Programme der 100-Euro-Klasse dazu, HD-Videos in MPEG-2 zu bearbeiten, die teureren Versionen werden mit voller AVCHD-Integration beworben. Allerdings garantiert "AVCHD-kompatibel" keineswegs, dass man mit einem so charakterisierten Programm Videos in diesem Format bequem bearbeiten und scheiden kann. Für diesen Test haben wir aktuelle Software zusammengetragen, die in einem überschaubaren finanziellen Rahmen – um die 100 Euro – HD-Videos mindestens in MPEG-2, besser noch in AVCHD bearbeiten kann. Die Ausstattungsdetails der überprüften Programme finden sich im Artikel "Neue Mitte, Videoschnittprogramme um 100 Euro" in der Printausgabe des c't magazins ab Seite 146. Den Beitrag von Joachim Sauer und Florian Mihaljevic erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't Kiosk.

Einsteiger willkommen

Für viele Käufer aktueller Camcorder ist das Thema Schnitt weitgehend Neuland. Daher versuchen alle Hersteller, die Zielgruppe der "Einsteiger" anzusprechen, also Käufer, die schon mal mit einem Camcorder gearbeitet haben, aber noch nicht mit dem Computer – oder die als geübte PC-Anwender über einiges an Erfahrung verfügen, dafür noch nie einen Film geschnitten haben. Für diese heterogene Anwendergruppe eine für alle geeignete Programmoberfläche zu gestalten, die den Arbeitsablauf gradlinig abbildet, ist nicht einfach; trotzdem versuchen die hier vorgestellten Programme, genau dieses Kunststück zu meistern.

Schon das äußere Erscheinungsbild verrät, welchen Ansatz die Programme verfolgen. Adobe hat für Premiere Elements die Oberfläche des Profiprogramms adaptiert, jedoch viel Mühe in die Vereinfachung investiert, um den Arbeitsablauf durch den Schnitt transparent zu gestalten. Gegenüber der Profi-Version neu hinzugekommen ist ein Assistent, der nach einer automatisch oder manuell ablaufenden Bewertung des Rohmaterials selbsttätig einen Film erstellt.

So einen Assistenten bietet Magix in seinem Video deluxe schon eine ganze Weile an. Das Programm führt in drei Schritten vom Import über den Schnitt bis hin zur Scheibenproduktion. Wie Adobe kann Magix mit praktischen Assistenten und nahezu beliebig vielen Video- und Audiospuren aufwarten. Über die Standardversionen hinaus bietet das Berliner Softwarehaus eine seit Kurzem verfügbare Variante für Fortgeschrittene.

Sony hat beim Einsteigerprogramm Vegas MovieStudio die Oberfläche der Profi-Version praktisch unverändert übernommen. Offenbar ist man der Überzeugung, dass auch Amateur-Cutter das Programm bedienen können – wenn auch erst nach dem Studium der sehr guten ins Programm integrierten digitalen Anleitungen.

Im Unterschied dazu bleibt Corels Video-Studio (ehemals ULead) eine Schnittsoftware mit klassischer Einsteigeroptik. Wie die anderen Kandidaten verfolgt das Programm ein Drei-Schritte-Konzept, wobei jeder Schritt noch weiter unterteilt ist. Das reduziert die Zahl der gleichzeitig angezeigten Schaltflächen deutlich. Ausgefallene Funktionen versteckt Corel in einer weiteren Bedienebene, um den Einsteiger nicht zu verwirren.

Mit Mediachance EditStudio Pro 6 fand ein Außenseiter den Weg ins Testlabor; ohne AVCHD-Unterstützung und mit nüchterner Oberfläche weckte es anfangs bei den Testern wenig Begeisterung. Wir hatten nicht viel erwartet – und wurden eines Besseren belehrt. Zwar ist EditStudio nicht unbedingt einsteigertauglich, bringt aber für kleines Geld professionelle Funktionen mit.

Aufnahmeprüfung

Beweisen mussten sich die Schnittprogramme auf unserer Test-Workstation, einem Apple Mac Pro (2 x Intel Xeon Quadcore 2,8 GHz mit 4 GByte Arbeitsspeicher unter Windows Vista 64). In allen Programmen importierten wir rund 40 Minuten AVCHD-Material sowie ein HDV-Band mit ebenfalls etwa 40 Minuten Laufzeit. Zudem wurde SD-Material – DV und MPEG-2 – eingelesen und aus einem Archiv etwa 20 Clips in verschiedenen Kodierungen geladen. Erfreuliches Zwischenergebnis: Gemischte Formate auf der Timeline stellen kein Programm mehr vor Probleme.

Um die Leistungsunterschiede der Programme zu testen, platzierten wir mehrere Videospuren auf einer Timeline, die im Abstand von 15 Sekunden quasi rekursiv als Bild-in-Bild-Fenster mit vordefinierter Größe starteten. Im Test aller Kandidaten mit AVCHD-Material war bei maximal vier Spuren Schluss. Premiere Elements schaffte mit HDV-Clips bis zu sechs Spuren. Bei DV gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Programmen.

Am Ende jedes Testlaufs wurde eine Bluray Disc erstellt. Obendrein versuchten wir, das HD-Material auch auf einer viel preisgünstigeren DVD unterzubringen; diese Scheiben sollten die meisten Blu-ray-Player wiedergeben können. Wer solche DVDs brennen möchte, sollte mit einem Testlauf klären, ob der eigene Blu-ray-Player mitspielt. Schließlich gehört der Upload auf Videoportale ebenfalls zum Standardrepertoire. Interessanter ist es aber, zu prüfen, ob das direkte Wandeln ins Flash-Videoformat klappt.

Alle Testergebnisse der sechs überprüften Videoschnittprogramme finden sich im Artikel "Neue Mitte, Videoschnittprogramme um 100 Euro" in der Printausgabe des c't magazins ab Seite 146. Den Beitrag von Joachim Sauer und Florian Mihaljevic erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't Kiosk. Hier die Beschreibung der drei im Studio beleuchteten Programme:

Corel VideoStudio X2

Zu den seit Jahren gut eingeführten Schnittwerkzeugen zählt das VideoStudio, das schon unter dem Firmennamen ULead für Amateure und Einsteiger konzipiert wurde.

Wer nicht selbst schneiden will, findet auch bei Corel einen Filmschnittautomaten, der ausgehend von verschiedenen Vorlagen die Zusammenstellung übernimmt. Er steht gleich am Anfang der Bearbeitung zur Auswahl; und ein Assistent hilft durch die wenigen notwendigen Bedienschritte. Wem das Ergebnis nicht gefällt, der kann den erstellten Film anschließend im VideoStudio-Editor bearbeiten.

Das Schnittprogramm leitet den Anwender in sieben Bedienschritten vom Import bis zum Export. Nur drei dieser Schritte hebt Corel optisch hervor – vielleicht vor allem deswegen, um sich den Programmen der anderen Anbieter anzugleichen. Doch die nicht nummerierten, normalen Menüs existieren immer noch und sind auch nach wie vor notwendig.

Fenster lassen sich flexibel den eigenen Wünschen anpassen; die einzelnen Menüteile kann man aber nicht ganz nach Belieben skalieren. Gerade noch erträglich ist die dürftige Anzeige der Clips mit jeweils nur einem Miniatur-Szenenbild. Im Vorschaufenster wünscht man sich eine größere Anzeige. Während der Audiobearbeitung sieht man in der Zeitleiste nicht mal mehr ein einzelnes Szenenbild pro Clip. Spätestens bei der Timeline zeigt VideoStudio, dass eine weitreichende Überarbeitung der Bedienung dringend notwendig ist. Es ist nicht mehr zeitgemäß, wenn die Timeline in jedem Fall Lücken schließt und damit das Neusortieren des Filmablaufs erschwert. Um mehrere Clips auf einmal anpacken zu können, muss man die Umschalttaste gedrückt halten; ohne Tastendruck kann man mit der Maus nur einzelne Clips neu positionieren. Im Ripple-Modus – zum Einfügen neuer Clips – verschiebt die Software zwar alle nachfolgenden Clips, doch auf den bis zu sechs weiteren Spuren klappt das nur, wenn diese vorher gesondert dazu gekennzeichnet wurden.

Corel liefert das VideoStudio mit einer stattlichen Zahl an Filtern und Übergangseffekten aus. Wer etwas tiefer einsteigt, vermisst jedoch bald Einstellmöglichkeiten für die Effekte. So lassen sie sich nur schlecht an die eigenen Videos anpassen. Die Keyframe-Bearbeitung offenbart erst ein Untermenü, das Eingeweihte schon aus den ersten Tagen von VideoStudio kennen. Ins Bedienkonzept passt es nicht mehr.

Immerhin legt Corel mit einem Software-"Malstudio" nach, das idealerweise mit einem Zeichentablett gesteuert wird; damit lassen sich Handzeichnungen einfach ins Videobild integrieren. Den Animationsablauf aus mehreren Bildern erstellt das Corel Malstudio automatisch. Theoretisch lässt sich zum Zeichnen auch die Maus nutzen, doch nur wenige Menschen dürften auf diese Weise etwas Vernünftiges hinbekommen.

Bei aller Kritik: VideoStudio hat klare Stärken. So hilft ein Importdialog während der Überspielung in den PC beim Ansteuern eines DV- oder HDV-Camcorders. Die Szenentrennung erfolgt bei DV anhand der auf dem Band gespeicherten Indexdaten, bei HDV nach einer zuverlässigen Szenenerkennung. Liegen die Videodaten auf einer Festplatte oder Speicherkarte, übernimmt die Software das Kopieren auf den Rechner und hilft auf Wunsch beim Einsortierung in Ordner, die im Medien-Browser für mehr Übersicht sorgen.

Die größte Stärke der Corel-Software liegt im Proxy-Schnitt. Dabei legt das Programm von den HD-Videodaten kleine, deutlich handlichere Vorschaudaten in SD-Auflösung an und arbeitet in der Timeline damit. So wird der HD-Schnitt auf leistungsschwächeren Rechnern überhaupt erst möglich. Die Umrechnung des HD-Videomaterials in die kleinere Auflösung erledigt das VideoStudio im Hintergrund und arbeitet dabei erstaunlich flott und erfreulich stabil weiter. Der Schnitt mit dem SD-Material klappt auf der Timeline genauso reibungslos und zuverlässig.

Von diesem Trick bekommt man erst etwas mit, wenn man die Vorschau sieht. Deren Auflösung ist so stark reduziert, dass man die Qualität der Videobilder nicht wirklich beurteilen kann. Daran werden sich Ungeübte wie Engagierte gleichermaßen stören – und lieber eine Vorschau in besserer Auflösung berechnen lassen. Dazu muss man die Wiedergabemethode in den Grundeinstellungen von Sofortwiedergabe auf Qualitätswiedergabe umstellen. Da Video-Studio für die Berechnung der Vorschau nur zwei der acht Prozessorkerne des Testrechners in Anspruch nahm, dauerte das Rendern so lange wie die Laufzeit des Films. Mag sein, dass kaum Rechner mit zwei Vierkernprozessoren für den Proxy-Schnitt herangezogen werden, doch auch mit einem Doppelprozessor ist das keine Meisterleistung.

Normalerweise arbeitet VideoStudio im Proxy-Modus; wer HD-Material direkt schneiden will, muss zuvor im dritten Karteireiter der Grundeinstellungen die MPEG-Kompression anwählen, um dann im Karteireiter Nummer zwei die Projektauflösung auf HD-Größe einzustellen. Zwangsläufig verlangt das VideoStudio anschließend genau solche Hochleistungen vom Rechner wie die anderen Programme. Eine mit AVCHD-Clips gefüllte Timeline spielt die Software ab, eine zweite Spur oder eine simple Überblendung führt bereits zu ruckeliger Wiedergabe. Auch die Leichtfüßigkeit der Bedienung verschwindet beim direkten Umgang mit AVCHD-Material. Die Timeline läuft nur noch stockend, die Werkzeuge reagieren mit deutlicher Verzögerung. Echtes MPEG-2-Material wie auf HDV-Bändern kann man mit VideoStudio dagegen durchaus flüssig bearbeiten; hier klappte die Wiedergabe der Timeline auf dem Testrechner mit drei Videospuren.

Corel zeigt sich beim Export virtuos und erstellt DVDs und Blu-ray Discs mit Menü. Im Proxy-Modus greift die Software für die Berechnung auf die Originaldateien zurück. Zudem brennt VideoStudio AVCHD-Material auch auf eine DVD; diese günstige HD-Scheibe läuft dann auf nahezu allen aktuellen Bluray- Playern. Auch den obligatorischen You-Tube-Upload sowie den Export auf einen mobilen Player beherrscht das Programm.

Magix Video deluxe Plus 15

Magix hat den bisher allzu hektischen Produktwechsel auf einen jährlichen Rhythmus reduziert und nummeriert seine Programmversionen durch wie alle anderen Hersteller. Zugleich will man verstärkt auf die Kundenwünsche eingehen und Kritik ernst nehmen – ein vollmundiges Versprechen, das einige Erwartungen weckt.

Bei der Installation gibt es eine erfreuliche Überraschung: Anstelle des bisherigen lästigen Registrierungs-Procederes, bei dem jeder einzelne Codec angemeldet wurde, gibt es nun nur noch eine Gesamtregistrierung. Wird ein anderer Codec benötigt, erledigt das Programm die Aktivierung automatisch.

Bereits seit der letzten Version wirbt Magix mit der Integration von AVCHD, geht jedoch standardmäßig einen Umweg: Beim Import weist ein Fenster darauf hin, dass das Schnittprogramm je nach Leistungsfähigkeit des Rechners mit nach MPEG-2 gewandelten Videodaten besser arbeiten kann als mit AVCHD. Damit will der Hersteller Besitzern älterer Rechner unter die Arme greifen und eine Alternative bieten. Folglich haben wir sowohl die native AVCHD-Bearbeitung als auch das Arbeiten mit konvertierten Videodaten getestet.

Das Aufnahmefenster, das eigentlich für den Import von Videos und die Aufzeichnung von DV- und HDV-Bändern zuständig ist, erlaubt nur die Auswahl einzelner Videoclips. Schade, denn eigentlich wäre hier der richtige Platz für die Medienorganisation – zumal Video deluxe einige Probleme hat, Videodateien mit gleichem Namen zu verwalten: Selbst wenn die Dateien in unterschiedlichen Ordnern liegen, meldet die Timeline Fehler. Wer einen Camcorder besitzt, der auf Festplatte, Flashspeicher oder Speicherkarte aufzeichnet, erspart sich dies, lässt den vom Programm vorgeschlagenen ersten Schritt aus und importiert die Daten mit dem Medien-Browser auf der normalen Schnittoberfläche. In den meisten Camcordern kann man einstellen, dass die Videodateien stets mit fortlaufender Nummerierung aufgezeichnet werden sollen. Das erspart ärgerliches Durcheinander beim Import.

Video deluxe erkennt, ob die Daten auf einem externen Speicher liegen und weist darauf hin, dass es sinnvoller ist, diese auf die eingebaute Festplatte zu kopieren. Anschließend benötigte das Testsystem für die Konvertierungsarbeit knapp drei Stunden für circa 40 Minuten Rohmaterial – das sollte auf einem Achtkernsystem deutlich schneller gehen. Leider fehlt auch die Möglichkeit, den Import mehrerer Clips abzubrechen.

Das Arbeiten mit AVCHD-Originaldaten ist zumindest auf einer Spur flüssig möglich, allerdings nicht mehr ganz bildgenau. Im Test kam es zu einem Versatz von bis zu drei Bildern. Deutlich massivere Schwächen offenbaren sich, wenn man verschiedene Formate auf der Timeline mixt; dann wird das Arbeiten selbst auf dem sehr gut ausgestatteten Testrechner eher zäh und wenig spaßbringend; am besten konvertiert man die Videos vorher nach MPEG-2.

Auch wenn es noch einige Schwächen gibt: Magix hat intensiv an der Bedienlogik gearbeitet. Die Anzahl an Schaltflächen wurde reduziert, ohne dass man Funktionen vermisst. Die Menüs sind durchgängig deutsch und so verständlich benannt, dass auch Einsteiger verstehen, was sich hinter dem jeweiligen Eintrag verbirgt.

Auf den verwirrenden Effektmixer hat Magix in dieser Version verzichtet. Stattdessen findet man nun alle Effekteinstellungen im überarbeiteten Medien-Browser. Die Ähnlichkeit zu Premiere Elements ist unverkennbar, auch wenn Magix noch nicht ganz an die Adobe-Perfektion der Bildkontrolle herankommt. So zeigt Video deluxe beispielsweise beim Skalieren nicht das Originalbild, sondern nur einen Rahmen; die Vorschau muss man dann gesondert anfordern.

Deutlich störender ist ein Fehler in der Timeline-Handhabung: Mit Video deluxe kann man derzeit nicht mehrere Clips aus dem Medien-Browser an jede beliebige Stelle der Timeline ablegen; stattdessen legt die Schnittsoftware den ersten Clip an der Wunschposition ab, alle anderen werden – statt sie jetzt an die eingefügte Szene anzuhängen – stur ans Ende des Projekts gehängt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Timeline nicht sauber mitläuft, wenn man mehrere Clips über den sichtbaren Bereich der Timeline verschieben will. Man muss also entweder mit der Timeline-Skalierung arbeiten oder in die Thumbnail-Übersicht wechseln, wenn man mehrere Clips an eine ganz andere Stelle des Projekts verschieben will.

Gut gelungen ist die Keyframe-Integration, die sich nun innerhalb des Medien-Browsers als kleine Extra-Timeline öffnet. Sie zeigt alle Parameter und Aktionen übersichtlich an. Einen dynamischen Effektverlauf bekommt man nun mit einem Mausklick hin, doch wie die Dynamik aussieht, zeigt die Timeline nicht an – und direkt bearbeiten kann man sie nicht. Einmal mehr zeigt sich Premiere Elements flexibler.

Dafür geht Video deluxe bei der Audiobearbeitung in Führung, wo Magix einen Funktionsumfang bereitstellt, der auch einer reinen Audiosoftware wie MusikMaker oder Samplitude gut zu Gesicht stehen würde. Allerdings zeigen sich auch Nebenwirkungen: Da die Module zum Teil aus den Audioprogrammen von Magix entnommen wurden, orientieren sie sich sehr an den Bedürfnissen von Musikern; sie weisen die Optik eines Verstärkers oder eines Instruments auf – das sieht nicht schlecht aus und ist auch nicht unlogisch, aber dieses Design passt nicht so richtig in die inzwischen doch recht stringente Videoschnitt-Oberfläche.

Bei der Filmausgabe setzt Magix auf Vereinfachung; daher hat man die Anzahl an Optionen stark reduziert. So durchschaut auch der Einsteiger schnell, wie man eine DVD anhand der Vorlagen erstellt, eine Videodatei berechnet oder ein Internetvideo direkt auf ein Portal lädt. HD-affine Cutter werden die Blu-ray-Brennfunktion vermissen; an die kommt man nur heran, wenn man die erweiterten Einstellungen aktiviert und unerschrocken manuell ein Menü zusammenstellt. Erst dann stellt das Programm neben der DVD-Schaltfläche eine Blu-ray-Schaltfläche zur Wahl.

Die mit Video deluxe gebrannte Blu-ray Disc lief auf den Testplayern gut; auch der in manchen Foren kritisierte Bild-Ton-Versatz bei langen Projekten war in dem 40 Minuten langen Testvideo nicht auszumachen.

Sony Vegas Movie Studio 9 Platinum

Mit rund einem halben Jahr Verzögerung bringt Sony die kleinen Versionen seiner Videoschnittanwendung Vegas 9 unter dem Titel Movie Studio auf den Markt. Künftig will der Hersteller die Movie Studios in drei statt zwei Versionen anbieten. Das Paket ohne Namenszusatz eignet sich nur für den Schnitt von SD-Video, der Zusatz Platinum signalisiert, zu einem Preis von 72 Euro mit HDVideomaterial umgehen zu können; diese Variante haben wir für den Test ausgewählt. Als neue Top-Version platziert Sony dagegen das Platinum Pro Pack für 100 Euro; es enthält zusätzliche Effektpakete und den Audioeditor Soundforge in einer abgespeckten Variante.

Das Bedienkonzept des Vegas Movie Studio wirkt unübersichtlich; das macht den Einstieg schwer – vor allem mit unterschiedlichen Maus-Modi und der unkonventionellen Bedienung der Timeline. Helfen sollen kurze Tutorials, die der Anwender direkt zur Problemlösung anhand des laufenden Projektes einsetzen kann.

Vegas 9 unterstützt vollauflösendes HD-Material mit 1920 x 1080 Pixeln und kann in der Platinum-Version direkt mit AVCHD-Material umgehen – so gut, dass es in puncto Echtzeitleistung manche Konkurrenten übertrifft, welche die Clips vor der Bearbeitung in ein weniger leistungshungriges Format konvertieren.

Im Test auf dem Mac Pro mit insgesamt acht Prozessorkernen schaffte das Programm denn auch sensationelle vier ACVHD-Echtzeitspuren. Mehr geht ohnehin nicht, denn Sony begrenzt die Anzahl an Videospuren in seinen Movie-Studio-Programmen auf vier.

Auf ebenso vielen Spuren lässt sich Audiomaterial platzieren. Im Dolby-5.1-Modus erhöht sich die Audiospur-Anzahl – Rückkanäle sowie Center/Bass bekommen eigene Spuren Kommentare und musikalische Untermalung darf der Anwender während des Abspielens im 5.1-Raum positionieren. Automatisch erzeugte lizenzfreie Musik liefert das allen Movie Studios beiliegende Sony CineScore. Wie bei der Konkurrenz wählt der Anwender lediglich Musikrichtung und Stil aus und bekommt dann ein an die Filmlänge angepasstes Musikstück.

Die Lautstärke-Anpassung erfolgt für alle Kanäle mit einem gesonderten Mischer live während der Wiedergabe; die so aufgezeichnete Kurve lässt sich nachträglich per Rubberband anpassen. Zur Audiokorrektur und -verfremdung stehen zahlreiche Effekte zur Verfügung, die in allen Vegas-Programmen nicht nur auf einzelne Clips, sondern auf ganze Spuren angewendet werden dürfen. Das gilt auch für Video-Effekte – dem kompletten Film also einen bestimmten Stil (beispielsweise "alter Film") zu verpassen, gerät so zum Kinderspiel. Die exakte zeitliche Steuerung der Effektparameter löst Movie Studio durch eine flexible, wenn auch etwas altbacken wirkende gesonderte Keyframe-Timeline. Dynamische Effektverläufe fehlen dabei.

Die Scheiben-Ausgabe von HD-Material ist beim Movie Studio Platinum auf Blu-ray Discs ohne Menüs beschränkt; die Ausgabe auf DVD inklusive Menüs erledigt dagegen das mitgelieferte DVD Architect 4.5 Studio. Die Profilösung Vegas Pro kann mit DVD Architect 5 dagegen schon Blu-rays mit Menü produzieren, auch wenn es dabei auf die Möglichkeiten eines DVD-Menüs begrenzt bleibt.

Den Webexport erlaubt Movie Studio inzwischen wie die Konkurrenz direkt zu You-Tube und wahlweise in HD-Qualität auch zum eigenen Videoportal acidstudio.com.

Fazit

Selten zeigen sich die Testkandidaten aus einem Preisbereich so unterschiedlich wie in diesem Test – und jedes Programm spricht eine andere Zielgruppe an. Den größten Funktionsumfang liefert derzeit Adobe Premiere Elements, das dabei recht logisch aufgebaut und leicht bedienbar ist – vor allem von solchen Cuttern, die schon eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Videos und ihren Formaten haben. Allerdings klappt die AVCHD-Integration nicht so richtig.

Hier überzeugt Sonys MovieStudio, das zwar deutlich weniger Spuren unterstützt, jedoch bis zu vier AVCHD-Spuren in Echtzeit wiedergeben kann. Bei der Audio- und Effektbearbeitung muss sich das Programm ganz sicher nicht verstecken, doch an die Bedienlogik muss man sich erst gewöhnen. Versierte Computeranwender, die noch in allgemein gängigen Bedienwegen denken, werden mit dem Programm schneller zurechtkommen als Umsteiger, die immerhin einige Unterstützung in den Tutorials finden werden.

Magix hat inzwischen deutlich aufgeholt und sein Video deluxe nicht nur in Sachen Bedienung verbessert, was dieses Programm auch für Einsteiger empfiehlt. Die AVCHD-Bearbeitung klappt direkt zwar meistens ohne Probleme, bildgenauer Schnitt und adäquate Echtzeitleistung verlangt aber nach wie vor das (empfohlene) Wandeln in MPEG-2. Die professionelle Variante Video Pro X – sie kostet immerhin fast 350 Euro – bietet mit dem zweiten Vorschaufenster für die Videoquelle und vier Multicam-Spuren interessante Erweiterungen, aber eben nur für den, der solche Funktionen braucht. Und der Preisunterschied zur kleineren Version, die man selbst in einer gut ausgestatteten Variante für rund 100 Euro bekommt, erscheint hoch.

Corel hinkt mit seiner Oberfläche und seinen Funktionen zum Teil etwas hinter der Konkurrenz her, doch die Proxy-Bearbeitung spricht für dieses Programm. Damit ist HD-Schnitt selbst auf relativ schwachbrüstigen Rechnern möglich; wer kein Geld in hochgezüchtete PC-Technik investieren will, sollte sich das Corel-Programm näher ansehen. Er muss allerdings viel Zeit mitbringen und darf keine allzu hohen Ansprüche an die Bildschärfe stellen – denn die lässt sich auf der heruntergerechneten Vorschauqualität nicht beurteilen.

Das etwas exotische EditStudio Pro 6 von Mediachance kann AVCHD-Videos als einziges Programm im Testfeld nicht schneiden; es scheint auch sonst nicht so richtig im HD-Zeitalter angekommen zu sein – auch wenn der HDV-Schnitt auf zwei Spuren klappt. Davon abgesehen täuscht die veraltete Optik, denn das Programm bringt teils deutlich professionellere Werkzeuge und Funktionen mit als die anderen Kandidaten und lässt sich dank Windows-konformer Bedienoberfläche auch von nicht eingefleischten Video-Experten bedienen. Ergänzend liegt mit dem "MPEG XS"-Encoder ein starkes Werkzeug zum Erzeugen jedweden MPEG-Formates bei – inklusive AVCHD. So eignet sich EditStudio Pro vor allem für SD-Cutter, die möglichst viel Freiheit schätzen – und dabei auf Vorlagen verzichten können. (Joachim Sauer, Florian Mihaljevic) / (gs)

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