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Gutes Gewissen - Der einfache Wechsel zum Öko-Strom

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Ist Ökostrom wirklich immer öko? Grundsätzlich: Ja. Aber damit nicht mehr Ökostrom verkauft werden kann als tatsächlich produziert wird, wird jede Kilowattstunde Strom, die aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde,mit einem sogenannten RECS (Renewable Energy Certificate System) Zertifikat versehen. Das ist wichtig, damit man sie beim Weiterverkauf von herkömmlichem Strom unterscheiden kann.

Das Problem: Der Ökostrom und die RECS Zertifikate werden an den Strombörsen europaweit auch getrennt gehandelt. Jedes Unternehmen, auch wenn es selber gar keinen Ökostrom produziert, kann mit Hilfe eines so erworbenen Zertifikats "Ökostrom" anbieten – der konventionelle Strom wird einfach mit dem gekauften Zertifikat versehen, und schon wird daraus "Ökostrom", den das Unternehmen an seine Kunden verkaufen kann. Mit einem Zertifikat wird also auch aus Atomstrom Ökostrom. Deshalb sind die RECS Zertifikate unter Experten stark umstritten und für die Bewertung der Qualität des Stroms nicht geeignet.

Wann ist Ökostrom sinnvoll?

Ökostrom ist erst dann wirklich sinnvoll, wenn er von Unternehmen produziert wird, die sich zur ökologischen Nachhaltigkeit verpflichten. Diese Unternehmen kaufen oder produzieren ihren Strom so, dass er für die Umwelt und die Menschen nachhaltig unproblematisch ist. So engagieren sich diese Unternehmen dann direkt oder indirekt im Bau neuer regenerativer Kraftwerke, oder beziehen ihren Ökostrom nur aus neu gebauten Anlagen.

Erst dieser Einsatz sorgt dafür, dass der Anteil an regenerativer Energie in Europa wirklich zunimmt und sich der Strommix in Deutschland tatsächlich verändert. Gütesiegel die diesen besonderen Einsatz sicherstellen sind "OK Power" und das "Grüner Strom Label".

Warum ist der Strommix wichtig?

Egal wie man Strom herstellt: Aus Kohle, Atomkraft, Erdgas oder ökologisch, am Ende hat man immer eine Menge geladener Strom-Teilchen, die alle gleich aussehen. Deshalb spricht man von einem Strommix, also der Mischung der Arten aus denen man den fertigen Strom produziert hat.

Jedes europäische Land hat bei seinem Strommix einen eigenen Schwerpunkt: Frankreich produziert über 70% seines Stroms aus Atomenergie, Deutschland deckt seinen Energiebedarf zu 44% aus Kohle und in Norwegen nutzt man zu über 98% die Wasserkraft.

Die Schwerpunkte dieser Nationen verändern sich normalerweise gar nicht, denn für die Stromversorgung in Europa braucht man keine neuen Kraftwerke. Der Strommix lässt sich nur zugunsten von Öko-Strom beeinflussen, wenn mehr Öko-Strom in den Markt kommt, als benötigt wird. Dann nämlich werden konventionelle Kraftwerke überflüssig. Weil das erst einmal viel Geld kostet, gibt nur wenige Stromversorger in Deutschland die tatsächlich aktiv in den Ausbau alternativer Energieproduktion investieren.

Wie finde ich im Netz den passenden Ökostromanbieter?

Die Suche nach dem richtigen Anbieter sollte auf einem Internetportal beginnen, das wirklich unabhängig ist. Diese Seiten lassen sich ihre Unabhängigkeit meistens vom TÜV bestätigen. Allgemein sollten die Portale die Möglichkeit bieten, Tarife mit Gütesiegel gesondert zu filtern. Bei der Suche ist es hilfreich, seinen ungefähren Stromverbrauch für ein Jahr zu kennen. Den Jahresverbrauch findet man auf der Endabrechnung seines Stromversorgers oder bei seinem Stromversorger selbst. Meistens geben die Vergleichsportale auch schon Strommengen für Haushalte mit unterschiedlich vielen Personen vor, nach denen man sich richten kann.

Wer gerne möglichst viele Stromanbieter im Vergleich haben möchte, für den eignet sich zum Beispiel das Vergleichsportal verivox.de. Wer Stromversorger aus der Region fördern möchte, der findet auf EcoTopTen.de eine Liste regionaler Anbieter.

Alle, die sich nicht nur auf ihr eigenes Gespür verlassen möchten, können sich ruhigen Gewissens der Empfehlung der Kampagne atomausstieg-selber-machen.de anschließen. Dieses Bündnis aus 22 deutschen Umweltverbänden (u.a. WWF, NABU, BUND, Greenpeace) rät zu diesen Ökostromanbietern:

Greenpeace Energie
Naturstrom
Lichtblick
Elektrizitätswerke Schönau

Was muss ich beim Anbieterwechsel zu Ökostrom beachten?

Grundsätzlich kann man jederzeit zu einem neuen Stromanbieter wechseln. Es hängt jedoch von den Vertragslaufzeiten des bisherigen Versorgers ab, wann dieser Wechsel stattfinden kann. Da sich der neue Versorger komplett um den Wechsel kümmert, wird man rechtzeitig über den Termin des Wechsels informiert. Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz findet man alle nötigen Informationen zum Stromanbieterwechsel.

Den Anbieter wechseln kann man mittlerweile bequem online von Zuhause aus. Diesen Service bieten fast alle Stromanbieter direkt auf ihrer Internetseite an. Über ein Formular kann man dort mit dem neuen Versorger direkt einen Vertrag abschließen und sich die Vertragsunterlagen dann per Post zukommen lassen.

Ist Ökostrom teurer als anderer Strom?

In der Regel nicht. Welcher Stromtarif günstiger oder teurer ist, ist regional bedingt und hängt nicht unbedingt davon ab, ob er ökologisch erzeugt wurde. Das liegt auch daran, dass Stromanbieter die besonders viel hochwertigen Ökostrom in Deutschland produzieren, vom Staat finanzielle Vorteile erhalten, damit ihr Strom im Vergleich zu anderen Anbietern nicht zu teuer wird. (gs)

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