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Lange Leitung - Welcher DSL-Anschluss ist der richtige?

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Schnäppchenjagd

Der Wettbewerb im Breitbandmarkt läuft immer noch über den Preis, die Provider tragen immer härtere Bandagen. Die Sitten werden nicht nur untereinander rauer, sondern auch gegenüber dem Kunden. Aktionspreise und versteckte Kosten erschweren den Vergleich der Angebote. Untergeschobene Kosten für Zusatzleistungen, die erst bei der Online-Beauftragung sichtbar werden, machen scheinbar günstige Angebote teuer. Wir schlagen eine Schneise in den Tarifdschungel.

Die Tendenz ist stabil: Breitbandanschlüsse werden immer billiger, die Zusatzleistungen immer umfangreicher. Breitbandanschlüsse werden inzwischen fast nur noch inklusive Flatrate an den Mann gebracht, meist ist noch ein Telefonanschluss dabei, optional gibt es dazu noch eine Flatrate ins deutsche Festnetz, gegen Aufpreis mitunter auch für Auslandstelefonate. Sogar Handy-Verträge werden inzwischen gemeinsam mit dem DSL-Anschluss vertrieben.

Versteckspiel

Darunter leidet aber die Übersichtlichkeit: Schnörkellose und günstige Angebote sind in all dem Marketing-Geschrei nur schwer auszumachen. Dabei ist ein gewisses Rudelverhalten auszumachen: Man könnte fast meinen, die Provider hätten vereinbart, dass Fußnotentexte umfangreich, kontrastarm und winzig sein müssen. Hellrot auf Dunkelrot oder Hellgrau auf Weiß sind beliebte Farbkombinationen. Erfahrene Nutzer kopieren solche Texte aus ihrem Browser in ihr Textverarbeitungsprogramm, um ihn in eine lesbare Form zu wandeln. Immer mehr greift auch die Unsitte um sich, dem Kunden erst im Laufe des Bestellprozesses wichtige Informationen zukommen zu lassen, wenn er seine persönlichen Daten bereits preisgegeben hat. Zentrale Vertragsbestandteile wie etwa die zugesicherte Bandbreite oder die Zahl der gleichzeitig führbaren Gespräche beim zugehörigen Telefonanschluss werden bei vielen Anbietern nirgendwo erwähnt oder in seitenlangen Aufzählungen versteckt.

Positiv fiel uns in diesem Punkt QSC auf: Der Anbieter schafft es, fast alle wichtigen Eigenschaften des Produkts in einer kurzen Tabelle aufzuführen. Auch Versatel schafft mit einem streng modularen Aufbau des Angebots Übersicht.

Kabel statt DSL

Wer auf der Suche nach einem Breitbandanschluss ist, denkt automatisch zunächst einmal an DSL. In ungefähr der Hälfte aller Haushalte liegt aber auch ein Kabelanschluss, der mit rund 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits einen Breitbandzugang ermöglicht. Für den Kunden ist ein solcher Breitbandanschluss von Vorteil, der Anbieter garantiert nämlich auf der Strecke zum Kunden, dass die tatsächliche Bandbreite erreicht wird. Anders als bei einer Telefonleitung bewegt sich die Signalqualität im TV-Kabel in einem definierten Bereich, zugesagte 32 MBit/s werden also auch tatsächlich erreicht. Das bedeutet aber nicht, dass die immer zur Verfügung stehen müssen, denn die Gesamtbandbreite von einigen hundert MBit/s teilen sich einige Dutzend Kunden. Wenn nun alle gleichzeitig große Downloads vornehmen, sinkt natürlich die Geschwindigkeit am einzelnen Anschluss vorübergehend. Die Kabelbetreiber versprechen aber, dass sie alle Cluster überwachen und bei Engpässen die Kapazität für die Datenübertragung erweitern oder die Cluster aufteilen. Beim größten Anbieter Kabel Deutschland und beim in Nordrhein- Westfalen und Hessen tätigen Betreiber Unity Media kann der Kunde Internet und Telefon beziehen, ohne gleichzeitig Kabelkunde zu sein. KabelBW in Baden-Württemberg verkauft seine Leistung hingegen nur im Paket.

Fahrspuren

Wer die günstigen Angebote nutzen will, sollte zunächst einmal feststellen, welche Bandbreite er benötigt. Für Gelegenheitssurfer reicht ein 2-MBit/s-Anschluss aus. Auch große Downloads lassen sich darüber problemlos bewältigen. Mehr Bandbreite benötigt man nur dann, wenn solche Downloads schnell gehen müssen oder wenn man hin und wieder einmal Riesendateien herunterlädt, etwa eine neue Linux-Distribution. Den Inhalt einer DVD, rund 4,7 Gigabyte, herunterzuladen, dauert mit einem 2-MBit/s-Anschluss über fünf Stunden, mit dem 16-MBit/s-Anschluss mindestens rund eine dreiviertel Stunde. Dieser Komfort kostet rund zehn Euro Aufpreis – pro Monat, also auch in den fünf Monaten zwischen zwei Downloads. Als nächstes sollte man überlegen, ob man die zahlreich angebotenen Zusatzleistungen benötigt, etwa einen Telefonanschluss mit Festnetz-Flatrate. Reichhaltig ausgestattete Pakete sind natürlich teurer als der nackte Internetanschluss.

Flatrate-Falle

Auf keinen Fall verzichten sollte man auf eine Internet-Flatrate. Mitunter findet man noch Einsteiger-Angebote mit Zeit- oder Volumentarif. Auch die Telekom bietet das Call&Surf-Paket "Basic" alternativ ohne Internet-Flatrate an. Gerade für Einsteiger sind Angebote mit Zeitabrechnung aber hochgefährlich: Setzen sie einen Router ein und dieser ist falsch konfiguriert, sodass er rund um die Uhr online bleibt, können Einwahlkosten bis zu 1250 Euro pro Monat entstehen. Bis die erste überhöhte Rechnung eintrifft, sind oft noch einige hundert Euro mehr aufgelaufen. Rechtlich ist dagegen kaum vorzugehen, denn der Kunde hat ja genau diesen Tarif vereinbart. Allerdings lassen die Anbieter hier mitunter Kulanz walten und schreiben einen Teil der Gebühren wieder gut – finanziell schmerzhaft bleibt diese Erfahrung dennoch. Tarife ohne Internet- Flatrate machen also kaum einen Sinn, auch wenn Gelegenheitsnutzer damit ein paar Euro im Monat sparen können.

Um die benötigte Hardware muss man sich keine Gedanken machen. Üblicherweise gibt es die kostenlos oder für ein geringes Entgelt bei der Bestellung eines Neuanschlusses. Wer dabei ein bestimmtes Gerät im Auge hat, muss sich bei Bestellung ausdrücklich zusichern lassen, dass er genau dieses erhält – und nicht irgendein anderes. Die Bestellung geht man am besten in Ruhe an. Ordern sollte man nach Möglichkeit nicht telefonisch, sondern online. Nur so kann man die Vertragsbedingungen und das Kleingedruckte gründlich studieren. Bei telefonischer Bestellung sind Missverständnisse hingegen kaum zu vermeiden. Es schadet nicht, von den fertig ausgefüllten Bestellseiten vor dem Absenden jeweils Screenshots zu fertigen. Anschriften und Telefonnummern muss man sorgfältig prüfen – ein Fehler an dieser Stelle sorgt garantiert für Ärger. Soll ein bestehender Anschluss verändert oder gekündigt werden, muss der Auftrag in jedem Fall von dessen Inhaber stammen, ansonsten wird er rundweg abgewiesen. Im Zweifel ist es ratsam, diese Frage mit dem jetzigen Anbieter im Vorfeld zu klären.

Fazit

DSL-Anschlüsse sind günstig wie nie, durch die Schaltung von Bitstrom-Anschlüssen gibt es zahlreiche neue Angebote. Wer sorgfältig vergleicht, kann durch einen Wechsel oft viel sparen – und womöglich obendrein einen schnelleren Anschluss bekommen. Insbesondere Besitzer von Altanschlüssen, die seit Jahren mit unveränderten Konditionen laufen, können gegenüber ihrem jetzigen Anbieter mit einer Kündigung winken und sich bei dieser Gelegenheit gleich ein neues Angebot unterbreiten lassen. Wenn der Anschluss beruflich benötigt wird, gilt es jedoch abzuwägen, ob das bei einem Wechsel immer vorhandene Risiko, einige Tage oder gar Wochen ohne Telefon- und Internetanschluss dazustehen, in der richtigen Relation zur erwartenden Ersparnis steht. Gegen einen Tarifwechsel beim derzeitigen Anbieter spricht jedoch nichts, solange der nicht mit einem Wechsel der Anschlussart oder -geschwindigkeit verbunden ist. Bei Neuaufträgen muss man allerdings höllisch aufpassen: Einige Provider stellen recht bösartige Kostenfallen auf, die sich nur mit größter Aufmerksamkeit umgehen lassen. Im Zweifel gibt man besser einem übersichtlichen Angebot den Vorzug, auch wenn das dem Anschein nach ein paar Euro pro Monat teurer ist. (uma) (gs)

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