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Nur mal schnell den Anschluss durchmessen! - Miese Tricks bei Haustürgeschäften

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Zugegeben, als Vertreter für Internet-Anschlüsse hat man es nicht leicht. Die Tür wird einem regelmäßig vor der Nase zugeschlagen, wenn man nur erwähnt, warum man gerade geklingelt hat. Und Außendienstmitarbeiter leben nun einmal von ihren Provisionen – schreiben sie keine Aufträge, reduziert sich das monatliche Vertreter-Einkommen empfindlich.

Auswege

Ein kleines, schwarzes Kästchen soll Hilfe bringen, der sogenannte Pegeltester. Unter dem Vorwand, den vorhandenen Anschluss technisch überprüfen zu müssen, soll dieser Pegeltester Wohnungstüren und anschließend auch die Portemonnaies ahnungsloser Menschen öffnen. Einsatz findet dieser Pegeltester beim Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Eine ziemlich gute Idee, um in fremde Wohnungen zu gelangen, finden wir. Also probieren wir es aus. An der Tür klingeln, behaupten, wir müssten den Anschluss durchmessen und alles weitere ergibt sich dann eher zufällig und nebenbei.

Vertreter wissen: Hat ein potentieller Kunde den Vertreter erst einmal in die Wohnung gelassen, dann darf man nicht mehr locker lassen. So lange, bis der neue Vertrag unterschrieben ist. Mit Formulierungen wie: „Na sind Sie auch Doppelzahler? Telefon, Internet und Kabelfernsehen? Das können Sie bei uns viel billiger haben!“ lockt man schnell Kunden an.

Sollen sie – oder dürfen sie nicht?

Wir fragen nach bei der Pressestelle von Unitymedia: Setzt der Kabelnetzbetreiber diese Pegeltester wirklich ein, um in fremde Wohnungen zu gelangen? Wir bekommen klare Antworten:

Zitat: „...es ist ihnen (den Vertriebsmitarbeitern) ausdrücklich untersagt, angeblich notwendige Messungen als Vorwand zu nutzen, um Verkaufsgespräche einzuleiten...“

und weiter: „... Verstoßen Medienberater nachweislich gegen die eindeutigen Vorgaben, drohen harte Konsequenzen - bis zur Kündigung...“

Uns liegen Schulungsunterlagen vor, in denen Unitymedia-Vertreter ebenfalls klare Anweisungen bekommen. Allerdings ganz andere:

Zitat: „Einsetzen des Pegeltester als Gesprächseinstieg um in die Wohnung zu gelangen“

Und wenn mal jemand nicht da ist:„…Mehrmals nicht angetroffene Kunden werden per Einwurfkarte informiert, dass ein Termin zur technischen Überprüfung des Kabelanschluss vereinbart werden muss…“

Noch einmal fragen wir bei der Unitymedia-Pressestelle nach, wollen die Widersprüche in den beiden Angaben aufklären. Nun heißt es, seit November 2009 sei es untersagt, die Pegeltester als Anbahnung eines Verkaufsgesprächs einzusetzen. Die uns vorliegenden Schulungsunterlagen sind auf Stand März 2010 datiert.

Pegeltester oder Pegelschätzer?

Ist es überhaupt möglich, mit diesem Pegeltester einen Kabelanschluss zu überprüfen? Diplom Ingenieur und Fernsehtechnikermeister Günter Ebert hat für uns den Pegeltester untersucht und trifft ein vernichtendes Urteil: „Mit diesem Pegeltester kann man den Signalpegel bestenfalls abschätzen. Eine seriöse Messung zur Bestimmung der Signalqualität ist mit diesem Gerät nicht möglich.“

Was tun?

Eine Messung des Kabelanschlusses ist nur dann nötig, wenn der Empfang wirklich schlecht ist. Sehen Sie an Ihrem Fernseher ein einwandfreies Bild, dann ist das der beste Beleg dafür, dass alles in Ordnung ist. Sie können in diesem Fall den freundlichen Herrn an der Tür wieder an die frische Luft setzen – eine Überprüfung ist völlig überflüssig. Wenn Sie trotzdem Zweifel haben, lassen Sie sich die technische Ausrüstung zeigen. Kann der vermeintliche Techniker nur das in der Sendung gezeigte kleine schwarze Kästchen vorweisen, raten wir von einer Prüfung ab – sie macht keinen Sinn. Für eine wirklich aussagekräftige Überprüfung müsste man schon einen deutlich höheren Aufwand betreiben. Das aber würde der Kabelnetzbetreiber allein schon aus Kostengründen vorher ankündigen, um auch wirklich Zugang zu den Anschlüssen zu bekommen. (Ulrich Geiger) / (gs)

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Videos dieser Serie (5)

  • Nur mal schnell den Anschluss durchmessen! - Miese Tricks bei Haustürgeschäften

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