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Rettung in höchster Not - Wie man alte Videos und Schallplatten vor dem Verfall bewahrt

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VHS-Bänder retten

Ob selbstgedrehter Urlaubsfilm oder das einstündige Werk über den Hausbau, der unvergessliche Kinostreifen aus Jugendtagen oder die Fernsehsendung, in welcher der Opa interviewt wurde – manche Videos haben privaten Kult-Charakter.

Eine Überspielung ins digitale Format erfordert grundsätzlich vier Dinge: Erstens ein Abspielgerät oder VHS-Laufwerk, welches die Kassetten problemlos wiedergibt, zweitens einen Digitalisierer und drittens einen Kompressor oder Codec, der die digitalen Daten auf ein vernünftiges Maß komprimiert. Als viertes bleibt das Speichern der Daten, etwa mit einem Brenner auf einer DVD. Diese Dinge gibt es in verschiedenen Kombinationen zu kaufen, ob mit PC-Unterstützung oder als Komplettlösung in einem Gerät.

Die preiswerteste Variante einer Überspielstation besteht aus dem vorhandenen, abspielfähigen VHS-Recorder und dem PC mit ausreichend großer Festplattenkapazität – pro Stunde VHS-Video (kodiert mit 6 MBit/s in MPEG-2 zzgl. Audio) sollte man knapp 3 GByte einkalkulieren. Zum Digitalisieren setzt man ein kleines externes Gerät ein, das beispielsweise per USB an den Computer gekoppelt wird. Um die Kodierung kümmert sich eine Software, die auf dem PC läuft und sich auch meist um das Brennen einer DVD kümmert. Etwas teurere USB-Boxen enthalten einen Hardware-Encoder und übertragen MPEG-Videos an den PC.

Die bequeme Alternative zu einer solchen PC-Lösung besteht aus einem Kombi-Recorder, der VHS-Laufwerk und DVD-Brenner in einem Gerät vereint. Solche Kombis bieten mehrere Hersteller an, je nach Preisklasse auch mit eingebauter Festplatte und DVB-T-Empfänger. Manche Kombi-Geräte aus VHS-Player und DVD-Recorder – wie etwa der VHS-DVD-Recorder Panasonic DMR-EX98V – lesen Schwarzweiß- (Luminanz) und Farbsignale (Chrominanz) vom VHS-Band und digitalisieren sie, ohne beide Signalanteile erneut zusammenzuschachteln und im Digitizer wieder auseinanderzunehmen; das bringt einen sichtbaren Qualitätsvorsprung. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass solche Kombigeräte mit einem Macrovision-Kopierschutz versehene VHS-Kassetten nicht umkopieren.

Eine Zwischenlösung stellt ein Überspiel-Player mit USB-Buchse dar, der aus einem VHS-Laufwerk und einer oft recht einfach gehaltenen Digitalisier-Elektronik besteht: Die digitalisierten Videobilder werden per USB in den PC übermittelt, wo eine Software die Komprimierung und Kodierung der Dateien übernimmt. Eine komfortable Fernsteuerung des VHS-Laufwerkes ist bei vielen der eher preisgünstigen Geräte nicht vorgesehen.

Ein solches preiswertes VHS-Laufwerk ist der VCR2PC von Ion Audio, der neben der Laufwerksmechanik nur eine kleine Platine mit der Digitalisier-Hardware enthält. Die mitgelieferte Software speichert die Videos durchweg in MPEG-2-Komprimierung und bietet dabei vier Qualitätsstufen an; voreingestellt ist der LP-Modus, der bei 6 MBit/s brauchbare Resultate liefert.

Moderne VHS-Maschinen bieten häufig Funktionen, die ihre alten Vorgänger aus den Videogründerjahren nicht enthielten, zum Beispiel eine Rauschreduzierung, eine Automatik zur Kontrast- und Helligkeitssteuerung oder eine leistungsfähige Auto-Tracking-Funktion. Damit lässt sich manche eher unansehnliche Aufnahme immerhin soweit „aufbrezeln“, dass man sich das alte Stück auf DVD noch anschauen mag.

Für die USB-Buchse am PC bietet der Markt verschiedene Lösungen an, die aus einer Kombination von Digitalisier-Hardware und passender Software bestehen (siehe Test in c't 12/09, S. 96 ). Manche dieser Module – wie etwa das aus dem Paket „Retten Sie Ihre Videokassetten 3“ von Magix – sind in Form eines USB-Sticks gehalten, andere als kleines Gerät in einem eigenständigen Gehäuse, so wie der Grabster AV 450 MX von Terratec. Beide haben wir stellvertretend für viele solcher Produkte ausprobiert.

Das Magix-Paket zeichnet sich – neben dem günstigen Preis von 60 Euro – vor allem durch Kompaktheit aus: „Retten Sie Ihre Videokassetten 3“ enthält außer dem USB-Stick (Wandler: NXP SAA7113H) eine Kabelpeitsche, die mittels einer bemerkenswert winzigen Steckverbindung an den Stick gestöpselt wird, sowie ein zwischen Ein- und Ausgabe umschaltbares Scartkabel. Um die Daten in den PC zu holen, sie dort zu bearbeiten und eine DVD daraus zu brennen, liegt die Magix-Software „Video Easy“ (in einer „Retten Sie Ihre Videokassetten“-Edition) von 2009 bei. Die überspielten Videos sehen recht ansehnlich aus, zeigen (fast zu) kräftige Farben und gute Kontraste. Das Rauschen hielt sich in erträglichen Grenzen, aber in den Ton der übertragenen Aufnahme dringt das Videosignal hörbar durch (Video-/AudioÜbersprechen). Für gelegentliche Überspielungen ohne hohen Qualitätsanspruch an das Audiosignal reicht das Magix-Werkzeug aber allemal.

Das Video-Überspiel-Set Grabster AV 450 MX von Terratec kostet zwar mit 129 Euro deutlich mehr als das Magix-Produkt, allerdings macht das Gehäuse mit seinen robusten Steckanschlüssen einen deutlich wertigeren Eindruck. An der Breakout-Box lassen sich neben Composite-Video-Lieferanten auch Geräte mit S-Video-Anschluss (S-VHS, Hi8) ankoppeln. Im Paket liegt ein USB-Kabel, eine Video-Kabelpeitsche und eine Terratec-Spezialversion von „Magix Filme auf DVD deluxe“ (Dezember 2008). Damit lassen sich recht ordentliche Resultate erzielen.

Wer einen DV-Camcorder mit Video-Eingang besitzt, hat damit einen bestens geeigneten Digitalisierer zur Hand: VHS-Recorder per Composite-Kabel am Video-in und Stereo-Audio am Toneingang des DV-Camcorders ankoppeln, den Camcorder per DV-Kabel an die FireWire-Schnittstelle am PC anschließen und mit der Videosoftware das eintreffende Material aufnehmen. Sofern die Zutaten für dieses Rezept greifbar sind, erhält man damit eine erfreulich hochwertige Digitalisierung von Bild und Ton.

Mancher PC bietet einen Videoeingang auf der Grafikkarte, der im Grunde auch für Digitalisierungszwecke taugen sollte; den Ton aus dem VHS-Recorder spielt man dann über die Sound-Hardware ein. Doch bevor man darangeht, eine Anzahl von Kassetten über diesen Weg zu digitalisieren, sollte man prüfen, ob der Videoeingang für das benötigte Bildformat geeignet ist (720 x 576, 50 Halbbilder/s) und solche Videos korrekt digitalisiert, ob man damit eine brauchbare Videoqualität hinbekommt, ob auch die Aufnahme längerer Filme in größeren Dateien gelingt (max. Dateigröße mit FAT32: 4 GByte, daher besser NTFS-formatierte Festplatten verwenden) und – vor allem – ob Bild und Ton in der Aufnahme selbst am Ende eines 90-Minuten-Streifens noch synchron laufen.

Weitere Informationen vor allem auch zur Nachbearbeitung von digitalisierten VHS-Kassetten finden Sie im Beitrag "Rette mich, wer’s kann, VHS-Videos digitalisieren" von Dr. Volker Zota und Ulrich Hilgefort in der Printausgabe 1/2010 des c't magazins ab Seite 106. Den Beitrag erhalten Sie im c't-Kiosk auch als pdf-Datei .

Schallplatten retten

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Schallplatte nicht totzukriegen. Ganz im Gegenteil bekommt man inzwischen wieder deutlich mehr Neuveröffentlichungen auf Vinyl als noch vor ein paar Jahren. 2008 wurden laut Bundesverband der Musikindustrie in Deutschland immerhin 900 000 LPs verkauft – 50 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Nicht nur die Techno-Szene schwört auf den analogen Sound, auch kleinere Jazz- und Funk-Label wie Daptone Records eifern alten Motown-Zeiten nach und verzichten völlig auf digitale Technik – sie veröffentlichen ihre Werke primär als Singles und LPs, und längst nicht alle kommen als CD auf den Markt.

Obwohl der warme analoge Sound messtechnisch nicht mit einer CD mithalten kann, hat er viele junge und alte Liebhaber. Vinyl-Schallplatten überdauern im Schrank Jahrzehnte. Auch wenn der Werbespruch vieler Restaurierkits „Retten sie Ihre Schallplatten“ etwas anderes suggeriert: Sie sind deutlich länger haltbar als CD-Rohlinge, die mitunter nach einigen Jahren nicht mehr abgespielt werden können und über ihnen schwebt auch nicht das Damoklesschwert eines Festplattencrashs wie bei MP3-Sammlungen. Zu schaffen macht den LPs jedoch der tägliche Gebrauch, denn mit jedem Abspielvorgang leidet die Rille, egal wie vorsichtig man ist. Eine Digitalisierung schont die Platte hingegen und sorgt zudem dafür, dass man auf einem MP3-Player jederzeit und überall Zugriff auf seine Musiksammlung hat. Einmal digitalisiert altert der Klang nicht mehr, nur der Datenträger muss alle paar Jahre erneuert werden.

Entschleunigter Genuss

Doch bevor man sich an eine Digitalisierung wagt, sollte man sich über den dafür nötigen Zeitaufwand im Klaren sein. Denn während sich eine CD in wenigen Minuten kopiert, ist eine Langspielplatte ein Echtzeitmedium, bei dem die Überspielung genau so lange dauert wie die Musik. Rund eine Stunde muss man pro LP für die reine Digitalisierung rechnen (wer es mit High-Speed-Dubbing bei 45 oder gar 78 Umdrehungen pro Minute probiert, verbiegt unweigerlich den Frequenzgang und amputiert die hohen Frequenzen). Für das anschließende Entknistern und die Klangpolitur gehen schnell weitere Stunden ins Land. Müssen gar Kratzer oder andere Beschädigungen manuell beseitigt wer den, kann allein die Restaurierung eines Songs mehrere Stunden dauern. Wer eine Sammlung von mehreren hundert LPs digitalisieren will, sollte also sein Vorgehen genau planen.

Zunächst benötigt man natürlich einen Plattenspieler. Findet man einen solchen noch auf dem Dachboden, sollte man überprüfen, ob der Tonabnehmer noch in Ordnung ist. Im Laufe der Jahre nutzt sich die Nadel immer weiter ab, sodass sich Zischlaute messerscharf in die Gehörgänge bohren und der Klang verzerrt. Das gilt vor allem für billige Tonabnehmer, die mit einem Auflagegewicht von drei bis fünf Gramm durch die Rillen fräsen. Bessere Systeme kommen mit weniger als zwei Gramm aus und schonen Platte wie Nadel. Weil eine beschädigte Nadel natürlich auch die Platte ruiniert, sollte man nicht gleich als erstes seine Lieblingsscheibe auflegen.

Billige Plattenspieler haben nur einen geraden Plastiktonarm, an dem man hinten weder das Auflagegewicht noch die Antiskatingkraft (sie sollte immer so groß sein wie die Auflagekraft) einstellen kann. Derlei Geräte taugen allenfalls für alte Europa-Hörspiele aus der Kindheit. An besseren Plattenspielern (ab ca. 120 Euro) lassen sich nicht nur die Auflage- und Antiskatingkräfte regulieren, dank einer SME-Bajonettbefestigung (zum Beispiel beim Technics SL-1210 MKII) lässt sich auch das Tonabnehmersystem leicht wech seln. Gute neue Tonabnehmer findet man etwa ab 70 Euro, nach oben gibt es hier kaum Grenzen.

Ausgebrummt

Ist noch ein einigermaßen gut erhaltener Plattenspieler vorhanden, stellt sich die Frage, wie man ihn zur Aufnahme an den Rechner anschließt. Als Teil einer HiFi-Anlage verbindet man einfach den Tape-Ausgang des Verstärkers über ein Cinch-Kabel (mit 3,5mm-Klinken-Stereo-Adapter) mit dem Line-Eingang der Soundkarte. Doch bei einer solchen Verkabelung fängt man sich schnell eine Brummschleife ein. Ein solches 50-Hz-Netzbrummen lässt sich mit einem Hum Eliminator filtern, den verschiedene Hersteller ab 20 Euro anbieten. Eine zweite, allerdings nicht ganz billige Möglichkeit ist eine optische Verbindung per Lichtwellenleiter (Toslink). Dazu konvertiert man den Line-Out-Ausgang des Verstärkers mit einem Analog-Digital-Wandler (zum Beispiel Gefen-AAUD-2-Digaud für 80 Euro) und empfängt das digitale Signal am Toslink-Eingang der Soundkarte. Drittens kann man die Musik mit einem Note- oder Netbook im Akkubetrieb aufnehmen. Ohne Netzteilanschluss können hier keine Ausgleichsströme fließen – ein Netzbrummen wird von vornherein vermieden.

Ohne Toslink-Eingang am Rechner lohnt sich mitunter die Anschaffung eines kleinen mobilen Digitalrecorders. Eine günstige Variante ist beispielsweise der MP3-Player Cowon iAudio 7, der mit 16 GByte Speicher für 100 Euro zu haben ist. Außer über sein Mikrofon kann er auch über seinen Line-in-Eingang aufnehmen. Hochwertige Recorder wie der M-Audio MicroTrack II sind ab 190 Euro erhältlich (siehe Test in c't 8/08, S. 62 ). Er speichert seine Aufnahmen auf CF-Karten und hält im Akkubetrieb vier Stunden durch. Ein solches Gerät hat darüber hinaus den Vorteil, den Rechner während der Aufnahmezeit nicht in Beschlag zu nehmen, sodass man parallel andere Einspielungen bearbeiten kann. Gerade bei größeren Plattensammlungen spart eine solche Aufteilung von Digitalisierung und Restaurierung viel Zeit.

Aufgepäppelt

Hat man keinen Verstärker mit Phono-Eingang zur Hand, kann man den Plattenspieler über einen Entzerrer-Vorverstärker an den Rechner anschließen. Ohne geht es leider nicht, denn einerseits ist das Signal der Plattenspieler deutlich schwächer als bei Geräten mit Line-Out, andererseits wird der Frequenzgang auf Schallplatten nicht linear aufgezeichnet, sondern nach der RIAA-Schneidkennlinie (benannt nach der Recording Industry-Association of America) verzerrt, die Höhen anhebt und die Tiefen absenkt. Zwar bieten Audio-Editoren wie Audacity und Magix Audio Cleaning Lab an ihren Equalizern auch eine RIAA-Entzerrung an, weil das Phono-Eingangssignal jedoch zu schwach ist, geht es in einem Sumpf von Störsignalen unter. Ein Phono-Vorverstärker hebt den Pegel hingegen auch auf Line-Niveau an, sodass man es über eine Soundkarte vernünftig aufzeichnen kann.

Inzwischen bieten diverse Hersteller Phono-Vorverstärker an, die einen USB-Anschluss gleich mitbringen und so auch an Notebooks angeschlossen werden können. Während Vorverstärker für Moving-Magnet-Ton ab neh mer (MM) problemlos zu bekommen sind, wird es bei Moving Coil (MC) schon schwieriger. Diese oftmals in hochwertigen High-End-Platten spielern zu findenden Systeme generieren meist nur ein Zehntel der Ausgangsspannung eines MM-Systems und benötigen daher eine deutlich aufwendigere Verstärkung. Magix und Auvision bieten zwar für rund 40 Euro relativ günstige Vorverstärker mit MCEingang an, sie erhöhen die Verstärkung jedoch nur um 4 statt der nötigen 20 dB – dementsprechend schlapp klingt ihr Signal. Problematisch ist zudem die hohe Empfindlichkeit der MC-Systeme, die im Test während der Aufnahme über die Magix- und Auvision-Verstärker sogar Störungen durch Grafikkartensignale empfingen.

Demgegenüber lieferte der eigentlich nur für MM-Systeme vorgesehene Dynavox UPR-2.0 (z. B. bei Pearl für 69 Euro) an einem 20 Jahre alten Denon DP-47F mit MC-Tonabnehmer selbst bei nur halb aufgedrehtem Eingangspegel einen saftigen Klang. Das gut geschirmte Metallgehäuse ließ zudem keine hochfrequenten Störsignale durch.

Obwohl das Dynavox-Kästchen die analogen Signale nur mit 16 Bit wandelt, klang es besser als der Terratec iVinyl-Vorverstärker, der Aufzeichnungen mit 24 Bit ermöglicht. Die zusätzlichen Dynamikreserven des 24-Bit-A/D-Wandlers können nämlich bei einer Schallplattenaufnahme gar nicht genutzt werden. In der Theorie erreicht diese einen Signal-Rauschabstand von maximal 70 dB, selbst High-End-Plattenspieler kommen in der Praxis kaum über 50 dB hinaus – da reicht der Dynamikumfang einer 16-Bit-Digitalisierung von 96 dB locker aus. 24 Bit lohnen sich allenfalls bei einer sehr umfangreichen Nachbearbeitung und wenn das Musikmaterial sehr leise Sequenzen umfasst.

Viel wichtiger für die Klangqualität ist eine gute analoge Aufarbeitung des Signals. Terratecs iVinyl kann hier mit einem Wahlschalter für die Kapazität von MM-Systemen punkten und liefert einen linearen Frequenzgang mit weniger als 1 dB Abweichung. Am Dynavox-Verstärker, der um bis zu 2 dB abwich und im Test den höchsten Signal-Rauschabstand von 70 dB erreichte, lässt sich dafür der Eingangspegel manuell an einem Drehregler regulieren – in der Praxis ein nicht zu unterschätzender Vorteil, weil jede LP und jede Maxi-Single eine andere Aussteuerung benötigt. Ein solch sattes Ausgangssignal muss später digital kaum nachbearbeitet werden.

Bei Vorverstärkern ohne Regler muss man den Pegel hingegen vor jeder Aufnahme in der Windows-Systemsteuerung des Aufnahmegerätes anpassen, was nicht nur umständlich, sondern auch ungenau ist. Probleme bereitet hier vor allem Windows 7. Die USB-Vorverstärker von Au visio und Terratec werden dort nicht als Line-in-, sondern lediglich als Mikrofoneingang erkannt, sodass die Aufnahme bereits bei einem Pegel von „25“, beziehungsweise „10“ übersteuert. Durch die zu starke Verstärkung und Absenkung leidet unweigerlich die Signalqualität und es bleibt wenig Spielraum für eine Justage. Besser geht es mit Geräten, die als Line-Eingang erkannt werden, wie der Magix-Vorverstärker und der manuell regelbare Dynavox UPR-2.0: Hier kann man die komplette Aussteuerungsskala von 0 bis 100 nutzen.

Alles in einem

Mittlerweile findet man in jedem Supermarkt billige USB-Plattenspieler zwischen 50 und 100 Euro, die sich direkt an den PC anschließen lassen oder – noch praktischer – die LPs gleich als MP3s auf einen Flash-Speicher digitalisieren. Allerdings gelten auch für sie die genannten Beschränkungen. Modelle unter 100 Euro haben weder eine vernünftige Mechanik oder Justage-Möglichkeit, noch lassen sich die mitgelieferten Tonabnehmer gegen besser klingende auswechseln. Beim besonders günstigen Auvisio PX-3031 für 70 Euro, der Songs direkt als MP3s auf eine SD-Karte aufzeichnet, verzerrte die nicht regulierbare Aussteuerungsautomatik alle Aufnahmen ins Unkenntliche. An Ion Audios Profile Flash (ca. 140 Euro) pegelte die Automatik die Aufnahme immerhin richtig ein, doch die Klangqualität ließ zu wünschen übrig. Sie reicht für Hörspiele und zum Auffrischen alter Erinnerungen, für mehr aber nicht.

Deutlich besser verarbeitet ist Omnitronics DD-2550 für rund 180 Euro, ein günstiger Nachbau des legendären Technics SL-1210 MKII. Der mittelmäßige Tonabnehmer lässt sich über den Bajonett-Anschluss leicht wechseln. Wie jedoch auch die Modelle von Auvisio und Ion Audio erkannte Windows 7 den USB-Anschluss des Plattenspielers lediglich als Mikrofon-Eingang mit falscher Empfindlichkeit, sodass er sich verzerrungsfrei nur bis zur „3“ aussteuern ließ. Das gleiche Problem zeigten auch der Omnitronic DD-4750 sowie der Profile LP und LP2CD von Ion Audio. Unter Vista ließ sich der Mikrofoneingang immerhin bis zu „25“ aussteuern, was mehr Spielraum bei der Einstellung lässt. Besser kombiniert man Omnitronics günstigere Variante BD-1520 (ohne USB) für 125 Euro mit einem separaten USB-Vorverstärker.

Ion Audios Premium-Modell LP2CD (circa 350 Euro) kann Schallplatten mit seinem eingebauten Brenner direkt auf eine CD-R schreiben. Zunächst speichert der Plattenspieler die Songs in seinem internen Flash-Speicher, bevor er den Brennvorgang startet. Dort lassen sich die Stücke auswählen und umsortieren. Zwar kann man Track-Marken manuell setzen, wenn die Automatik jedoch zu viele Marken setzt, lassen sich diese nachträglich nicht wieder löschen. Für Jazz- und Klassik-LPs schaltet man die Trennautomatik besser ab. Der Aufnahmepegel lässt sich praktischerweise manuell über einen Drehregler einstellen. Die lautesten Passagen sollten dabei nicht weiter als –4 bis –2 dB ausschlagen.

Im Test brannte der LP2CD eine JVC CD-R (Taiyo Yuden) in rund sieben Minuten laut Audiodev-Messung in sehr guter Qualität. Auch die allgemeine Mechanik des Plattenspielers machte einen guten Eindruck. Einzig der mitgelieferte Tonabnehmer konnte mit seinem dumpfen Klang nicht überzeugen und sollte gegen ein höherwertiges System ausgewechselt werden. Wer derlei Kosten nicht scheut, bekommt ein äußerst praktisches Digitalisiergerät, das unabhängig vom Rechner arbeitet und Aufnahmen automatisch beendet. Zudem erhält man gleich eine Sicherungskopie auf CD, die man am PC mittels ExactAudioCopy in wenigen Minuten einlesen und weiter verarbeiten kann.

Tipps zum Nachbearbeiten von digitalisierten Schallplatten finden Sie im Artikel "Scheibenfischer, Schallplatten digitalisieren und restaurieren" von Hartmut Gieselmann in der Printausgabe 1/2010 des c't magazins ab Seite 116. Den Beitrag erhalten Sie im c't-Kiosk auch als pdf-Datei .

Wie man alte Musikkassetten ins digitale Zeitalter überführt, beschreibt der Beitrag "Bandrettung, Musikkassetten digitalisieren" von Sven Hansen in der Printausgabe 1/2010 des c't magazins. Auch diesen Beitrag erhalten Sie im c't-Kiosk als pdf-Datei . (Dr. Volker Zota, Ulrich Hilgefort, Hartmut Gieselmann) / (gs)

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