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Scharf geschossen - Wie viel Digitalkamera muss es sein? (3SAT)

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Preisverfall

Die Zeiten extrem teuer Spiegelreflexkameras sind vorbei. Heute liegt der Einstiegspreis für die großen digitalen zwischen 500 und 1000 Euro. Doch Kompaktkameras sind noch günstiger. Selbst eine gute Kompakte kostet nicht mehr als 300 Euro. Also lohnt es sich überhaupt, für die Spiegelreflex deutlich mehr auszugeben? Wir haben es ausprobiert. c't-Kameraexperte Carsten Meyer sagt: "Spiegelreflexkameras machen klar bessere Fotos!"

Drei Prüfungen

Rebecca Stolze ist Carsten Mayers Kollegin. Sie will testen, ob ihr Büronachbar wirklich den Unterschied sehen kann. Macht die Spiegelreflex wirklich sichtbar bessere Fotos als die Kompakte? Rebecca lässt die beiden Kameras in drei unterschiedlichen Kategorien gegeneinander antreten.

Erste Prüfung: Portraitaufnahmen.

Rebecca fotografiert die Skulptur eines steinernen Schweinchens mit der Spiegelreflex. Die kann so was deutlich besser, ist sich zumindest Carsten Mayer sicher. Die Begründung des Experten: "Man kriegt bei einem Portrait mit der Spiegelreflexkamera eine sehr schöne Freistellung, die Abgrenzung vom Hintergrund. Dadurch wirkt das Bild sehr plastisch."

Merkt er den Unterschied? Wir fotografieren dasselbe Portrait jetzt mit der Kompakten. Carsten Meyer überprüft beide Bilder nach den aufgestellten Kriterien und erkennt in der Tat den Unterschied.

Zweite Prüfung: Fotografieren bei schlechtem Licht.

Die Spiegelreflex ist immer dann besonders vorteilhaft, wenn das Licht nicht ganz optimal ist, beispielsweise beim Fotografieren in Innenräumen. Hier kann eine Spiegelreflexkamera wegen der höheren Lichtempfindlichkeit und der Rauscharmut ihre technischen Vorteile voll ausspielen. Kann Carsten Meyer das auch in der Praxis erkennen? Rebecca fotografiert jetzt zuerst mit der Kompakten. Das Licht ist schummrig. Doch das Foto sieht trotzdem richtig gut aus, findet sie. Derselbe Test mit der Spiegelreflexkamera. Sie sollte mit den schlechten Lichtverhältnissen besser klarkommen. Das Foto sieht auch gut aus.

Doch was sagt Carsten Meyer? Der ist überrascht vom guten Foto der Kompakten. Nur die Schärfe ist schlecht verteilt, findet er. Aber ein kleines Detail verrät die Kompaktkamera – die Schärfenverteilung bis in die letzte Zimmerecke.

Dritte Prüfung: Bewegte Objekte

Während Spiegelreflexkameras damit keine Probleme haben, litten die Kompakten seit jeher darunter, viel zu lange für das Scharfstellen und Auslösen zu brauchen. Obwohl sich das sehr stark gebessert hat, können die kleinen einer Spiegelreflexkamera kaum das Wasser reichen. Hier erkennt unser Kamerraexperte schnell den Unterschied: Die Kompakte kommt mit dem Auslösen nicht nach, der anvisierte Fahrradfahrer ist meist schon vorbeigefahren, bis die Kompaktkamera scharf gestellt ist und ausgelöst hat.

Eindeutiges Resultat

3 : 0 für den Experten, trotzdem ist Carsten Meyer angenehm überrascht von den Leistungen der Kompaktkameras: "Stimmige Farben, von der Schärfe sind die Kompakten einwandfrei. Aber bei den Feinheiten hat die Spiegelreflex dann doch die Nase vorn, wenn es darum geht, gewollte Effekte zu erzielen."

Die Fotos wurden mit den folgenden Kameras fotografiert:

Panasonic FZ18

Nikon D60

Die Testergebnisse

Nikon D60

Mit der D60 bringt Nikon eine nur leicht modellgepflegte Nachfolgerin der erfolgreichen D40x auf den Markt. Die erweiterte kamerainterne Bildbearbeitung erlaubt nun unter anderem die "Entwicklung" von Raw-Aufnahmen in JPEGs und die Trickfilmanimation von Einzelbildern. Die Gradationskorrektur "D-Lighting" ist ebenfalls implementiert und per Funktionstaste direkt erreichbar. In Sachen Staubschutz zieht die D60 endlich mit der Konkurrenz gleich, indem sie eine Ultraschallreinigung anbietet und mittels einer besonderen Luftführung im Gehäuseinneren den Staub vom Bildsensor fernhalten soll.

Die Statusanzeige auf dem TFT wird nun je nach Kameraausrichtung vom Quer- aufs Hochformat gedreht, und ein IR-Sensor schaltet das Display beim Suchereinblick energiesparend ab. Wie Canon spendiert Nikon der D60 ein Kit-Objektiv mit optomechanisch stabilisiertem Linsenglied. Die übrigen Eckdaten sind im Wesentlichen gleich geblieben. So kommt die D60 in einem griffgünstigen, kompakten Gehäuse mit einem angerauten, aber nicht gummierten Akkufachgriff. Der Body besitzt wie die Vorgängerin keinen eigenen Fokusmotor mehr, sodass AF-Objektive ohne eigenen Antrieb nur noch manuell fokussiert werden können. Dabei hilft leidlich eine neue Fokusanzeige im Sucherdisplay, die per LCD-Balken die Abweichungen vom theoretischen AF-Optimum anzeigt.

Die Bedienung der D60 bleibt weiterhin recht menülastig. Immerhin existiert – ähnlich wie bei der Olympus – die Möglichkeit zum Direktzugriff auf das Statusdisplay, wo die gewünschten Parameter dann ohne Einsprung ins Hauptmenü änderbar sind. Dabei ist das Hauptmenü übersichtlich gestaltet und im Detailgrad den Benutzerwünschen anpassbar, und es wird auf dem 2,5- Zoll-Display mit 230.000 Pixeln sehr scharf dargestellt. Über ein Reitersystem erreicht man im Menü die bis zu 20 Zeilen umfassenden Funktionslisten. Eine Hilfetaste blendet in den meisten Betriebszuständen bei Bedarf erklärende Texte in diversen Sprachen ein, während sie Daten bei der Bildwiedergabe ausschließlich auf Englisch anzeigt. Da die Kamera als einzige des Testfeldes keine Live-View-Funktion bereitstellt, ist man zur Bildkomposition auf den SLR-Sucher angewiesen, dessen Bild für das Einsteigersegment und angesichts der Pentaspiegel-Konstruktion hinreichend hell und groß ist. Das LC-Display des Suchers zeigt die aktuelle ISO-Stufe nicht an.

Testnote: 1,6
Preis: 699 €

Canon EOS 450D

Bei der 450D vollzieht Canon den Wechsel vom Compact- Flash- zum SD/SDHC-Speicherkartenformat. Im Test reagierte die Kamera manchmal allergisch auf einen Kartenwechsel in eingeschaltetem Zustand, wonach das Kameradisplay ausfiel und erst nach Entfernen des Kameraakkus wieder zu reanimieren war. Auch zeigte sie eine Aversion gegen manche fremdformatierte oder in anderen Kameras teilbefüllte SD-Cards, die sie für "nicht formatiert" erklärte (Firmwarestand V 1.0.4).

Änderungen gab es auch beim 9-Feld-AF, der nun etwas schneller arbeitet, im Standardtest mit 0,21 s Fokusdauer statt bisher 0,28 s. Auch ein neuer LiIon-Akku kommt zum Einsatz, mit rechnerischen 50 Prozent mehr Kapazität als beim schwachbrüstigen Vorgänger. Eine komplett neue Kontaktleiste erschwert hier den chinesischen Akku-Kopisten vorübergehend das Leben. Hinzu kommt ein neuer, zur Vorgängerversion inkompatibler optionaler Akkugriff für zwei LiIon-Akkus oder sechs Mignonzellen. Im Praxistest gefiel das Handling der EOS 450D mit dem griffgünstigen teilgummierten Gehäuse, dessen glatter Kunststoff allerdings etwas billig anmutet. Das größere Display hat die früher links platzierten fünf Funktionstasten nach oben und unter die 4-Wege-Tasten verdrängt. Der bisherige "Jump"-Button ist überflüssig geworden, denn die 450D nutzt nun das von den neuen höherklassigen EOS-Modellen bekannte System mit nur einem Funktionslisten-Schirm pro Reiter.

In einer "My Menu"-Liste kann man Shortcuts zu persönlich bevorzugten Menüfunktionen setzen. Auch die praktischen Shortcuts der 4-Wege-Tasten sind weiterhin an Bord, während die ISO-Verstellung eine eigene Taste an der Kameraoberseite spendiert bekommen hat. Über die Anzeige im Sucher werden somit ISO-Einstellungen ohne Absetzen der Kamera möglich. In der Automatik lässt sich die ISO-Obergrenze übrigens nicht limitieren, was bei allen anderen Kameras des Testfeldes der Fall ist. Das größere Display zeigt weiterhin ein recht helles Bild, hat einen großen Einblickwinkel und bietet jetzt auch Live View über den Bildsensor, wahlweise mit Live-Histogramm und Schärfentiefenanzeige sowie mit lupenunterstützter MF- oder mit Autofokusfunktion. Die Kontrast-AF-Funktion arbeitet dabei gelegentlich so langsam und pumpend, dass man sich an die ersten 1-Megapixel-Chinacams erinnert fühlt.

Leider hat Canon beim Display die Auflösung nicht mit der Diagonale erhöht. Da es nun linksseitig platziert ist, stempelt die Nase beim Sucherdurchblick fettige Spuren auf das Schutzglas. Der Infrarotsensor zur automatischen Display-Abschaltung beim Sucherblick ist weiterhin vorhanden. Die Labormessungen ergaben einen passablen Kontrastumfang bis zur ISO-400-Stufe; im Tonwertprioritätsmodus liegt er konstant bei 9 Blendenstufen, bei deutlich verstärktem Bildrauschen. Das ISO-100-Rauschen ist hingegen ebenso vorbildlich gering wie die hohe Auflösung mit dem Messobjektiv EF 50 mm 2.5 Macro überzeugt.

Testnote: 1,0
Preis: 849 €

Olympus E-420

Die von uns vor einem Jahr getestete E-400 besaß noch einen 10- MP-CCD und eine vergleichsweise schlechte Rauschkompensation, was zu sichtbar ungünstigen Bildeindrücken schon ab mittlerer ISO-Stufe führte. Im Herbst 2007 legte Olympus die E- 410 nach, nun mit einem "Live- MOS" getauften MOS-Sensor und offenbar deutlich verbesserten Bildverarbeitungsroutinen. Auch eine Live-View-Funktion wurde integriert, jedoch mit Auto-Fokussierung nur nach Spiegelschlag über die AF-Sensoren der Kamera. Die Sensorreinigung per Ultraschall war ohnehin eine Pionierleistung von Olympus. Nun hat der Hersteller die E-420 ausgeliefert, mit Live-View- AF-Funktion auch über den Bildaufnehmer, die sogar eine Gesichtserkennung mitbringt.

Olympus beließ es zwar bei der mageren Ausstattung mit nur drei AF-Messfeldern, aber die konventionelle Fokussierung wurde stark beschleunigt, ebenso wie der Gerätestart und die Serienbildfunktion. Das 2,7-Zoll-Display arbeitet teilreflexiv, was die Datenkontrolle und die Menübedienung auch bei starker Sonneneinstrahlung ermöglicht – angesichts der Menülastigkeit ist das sehr angenehm. Die sehr präzisen und prominenten 4-Wege-Tasten oder das Daumenrad tragen zur recht guten Bedienbarkeit bei. Das Hauptmenü zeigt sich als Reitersystem mit zum Teil sehr langen Menülisten und nicht immer spontan eingängiger Sortierung. Für dauerhafte individuelle Voreinstellungen sind zwei Benutzerspeicher vorhanden.

Äußerlich gefällt die 400er-Serie mit ihrem kompakten, aber dennoch klassischen und gut handhabbaren Gehäuse. Die weit vorstehenden metallenen Gurtösen sind allerdings auch bei der E-420 noch immer störend im Weg. Das glasfaserverstärkte Kunststoffgehäuse ist gut verarbeitet, die strukturierte Oberfläche hinterlässt einen wertigen Eindruck.

Die bei identischer Auflösung erheblich kleineren und weniger lichtempfindlichen Pixel begründen die verstärkten Probleme mit dem Bildrauschen und dem erzielbaren Maximalkontrast der kleinen Sensoren. Auch das Sucherbild fällt deutlich kleiner aus als bei den Mitbewerberinnen; der Suchereinblick vermittelt einen gewissen "Tunneleffekt". Ihr Autofokus platziert sich auf Rang 2 hinter der 450D, wobei die E-420 gegenüber der Canon für die schnelle Fokussierung auf bessere Lichtbedingungen angewiesen ist.

Bei der Live-View-Scharfstellung via Bildaufnehmer hat die Olympus bei guter Beleuchtung die Nase dagegen deutlich vorn. Die Olympus beherrscht zudem Variantenautomatiken für Belichtung, Fokus und Weißabgleich – Letzterer lässt sich auch direkt manuell einmessen, umfangreich feineinstellen oder über Kelvin-Werte vorgeben. Zur Datenspeicherung stellt die Olympus einen CF/xD-Doppelslot zur Verfügung, was angesichts des so kompakten Gehäuseformats bemerkenswert ist. Die Datenspeicherung erfolgt zügig, und ein Kopieren zwischen den beiden Speicherkarten ist auf Tastendruck möglich.

Wird das Kartenfach während einer Datenspeicherung geöffnet, erscheint eine optische Warnmeldung und der Speichervorgang wird nach dem Schließen des Kartenfachs fortgesetzt. Im Messlabor zeigte die Olympus ein geringes ISO-100-Rauschen und eine für 10 MP hohe Auflösung mit besonders geringem Randabfall. Negativ machten sich ein mäßiger Maximalkontrast bereits ab ISO 100 und ein schon ab ISO 400 störendes Rauschen bemerkbar.

Testnote: 1,6
Preis: 599 €

Den kompletten Artikel finden Sie in der Printausgabe 12/08 des c't Magazins ab Seite 142. Den Beitrag erhalten Sie im c't Kiosk auch als PDF-Datei. (gs)

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