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Verschärfte Motive - Camcorder mit HDTV-Auflösung im Alltagstest

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Schneller als von manchem Video-Amateur erwartet, hat sich der SD-Chip als Video-Aufzeichnungsmedium durchgesetzt. Vergleichsweise voluminöse Laufwerke für Magnetbandkassetten mit dem Risiko, bei zu starker Luftfeuchtigkeit deftigen Bandsalat zu bescheren, oder die Schreiber für 8-cm-DVDs baut fast niemand mehr ein. Selbst die Phase der Festplatte als Videomedium scheint sich schon ihrem Ende entgegen zu neigen. Denn der Flash-Festspeicher erspart anfällige Bauteile, ist erschütterungsunempfindlich und lässt sich – anders als die Festplatte – auch von starken Luftdruckschwankungen nicht beeindrucken, wie sie ein Aufenthalt in großer Höhe bedingt.

Lediglich ein Mindestmaß an Greifbarkeit, an sichtbarer Display-Fläche und Knopfgröße steht dem Trend entgegen, selbst leistungsstarke Videotechnik in einer Streichholzschachtel unterzubringen. Gottlob haben das auch die Ingenieure der Camcorder-Hersteller bemerkt. So haben die meisten Modelle der oberen Mittelklasse nicht nur ein der sicheren Kameraführung dienendes Gewicht, sondern auch manches praktische Ausstattungsdetail – wie etwa der GPS-Empfänger im Sony XR 520 – und eine interessante Mischung von Bedienelementen: Altbekanntes wie Knöpfe und Taster neben neueren Entwicklungen wie Touchscreen und „elektronischem“ Objektivring oder wie beispielsweise beim JVC X 900 einem drucksensitiven, beleuchteten „Slider“ neben dem Display.

Da darf natürlich die eingebaute Software nicht zurückstehen: So zeichnet mancher Camcorder auch vor dem entscheidenden Knopfdruck auf, weil er die letzten Sekunden vorab zwischenpuffert. Letzter Schrei ist eine „Lächelautomatik“, die nicht nur automatisch auf Gesichter scharfstellen, sondern für freundlichere Aufnahmen sorgen soll …

Innereien

Die anfänglichen Unsicherheiten zum Stichwort AVCHD haben sich gelegt; inzwischen verarbeitet selbst Software für kleines Geld dieses hocheffizient kodierte Material, eine entsprechend leistungsstarke PC-Hardware vorausgesetzt (siehe Test in c’t 25/09, S. 162 ). Die optischen Qualitäten der HD-Camcorder – beispielsweise die lichtstarken Objektive der meisten Kandidaten – rechtfertigen solchen Aufwand. Doch trotz mancher Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die hier vorgestellten Geräte deutlich. Das fängt bei der Ausstattung an, reicht über die Video- und Audioqualität und endet beim Bedienkonzept noch lange nicht.

Im c’t-Labor trafen sich HD-Camcorder der 1000-Euro-Klasse, die durchweg auf SD-Chips aufzeichnen, ergänzt um internen Flash-Speicher oder um eine Festplatte. Ausnahmslos speichern sie Videos in „Full HD“, also im Seitenverhältnis 16:9 mit 1920 x 1080 Pixeln ohne anamorphe Verzerrung. Eine HDMI-Schnittstelle zum Ankoppeln an ein HD-fähiges Display zählt ebenso zu den Selbstverständlichkeiten wie ein Bildstabilisator und ein ausreichend großes Display. Ein Sucher fehlt den meisten, ein externes Mikrofon und Kopfhörer kann man längst nicht bei jedem Gerät anschließen.

Im Test kam es neben den technischen Eckwerten vor allem auf die Handhabbarkeit der mit einer Vielzahl von Funktionen ausgestatteten Geräte an. Die Frage, ob dieser Funktionsreichtum der Kreativität förderlich oder eher verwirrend ist, beantwortet etwa ein Blick auf Menüs, Taster und Schalter: Was (zu) tief im Menü vergraben wurde, findet man im Aufnahmemoment nicht – also nützt es nichts.

Die ausführlichen Ergebnisse aller sieben getesteten HD-Camcorder finden Sie in der Printausgabe 26/09 des c't magazins im Artikel "Oberklässler, Full-HD-Camcorder ab 700 Euro" ab Seite 110. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 21.12.2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk . Hier die Ergebnisse der in der Sendung näher vorgestellten Geräte.

Sanyo HD 2000

In schon gewohnter Optik zeigt der schwarze Hochkant-Camcorder von Sanyo eine schmale Silhouette. Hinter der auffallend großen Frontlinse arbeitet ein lichtstarkes (1:1,8) 16-fach-Zoom-Objektiv, dem ein 9,1 Megapixel auflösender Wandler nachgeschaltet ist. Der HD 2000 liegt bequem in der Hand und lässt sich dank der logisch durchdachten Menüs gut bedienen. Auf Wunsch schaltet man den Sanyo in den „Simple“-Modus um, was Fehlbedienungen zu verhindern hilft. Die mitgelieferte Dockingstation stellt die HDMI-, USB- und AV-Anschlüsse bereit.

Überbordend das Bedien-Interface: Anstelle knappster Tastenauslegung bringt der Sanyo eine großzügige Anzahl Taster und Knöpfe mit – samt Mikro- und Kopfhöreranschluss. Die Empfindlichkeit des externen Mikrofoneingangs lässt sich in fünf Stufen wählen. Per Nachvertonungsmodus kann man eine Tonspur ohne Videodaten aufnehmen.

Der elektronische Bildstabilisator beruhigt die Aufnahmen deutlich, aber nicht perfekt, vor allem im Telebereich. Erst wenn man sich mit einer Einstellung bescheidet, die etwa 100 mm (KB-äquivalent) entspricht, wirken die Aufnahmen relativ ruhig.

Die Farbabweichung ist generell bei Kunstlicht und Schwachlicht recht groß, bei Tageslicht laufen die Blauwerte etwas aus dem Ruder. Im Vergleich zu den anderen Kandidaten belegt der HD 2000 in puncto Auflösung einen der hinteren Plätze. Vor allem horizontal ist die Detailschärfe weit von den Systemmöglichkeiten entfernt. Beim Kunstlicht-Weißabgleich arbeitet die Automatik etwas zu rotlastig. Allerdings löst der Camcorder auch bei schwachem Licht (30 Lux) noch hell und kontrastreich auf, wenn auch die Farbauflösung vergleichsweise schwach ausfällt. Das Bildrauschen hält sich erfreulich weit zurück.

Im Foto-Modus liefert der Sanyo recht knackige Fotos mit natürlich wirkender Farbgebung. Die maximale Bildauflösung rangiert mit 4000 x 3000 Pixeln im Spitzenfeld.

Im Audiokanal zeichnet der Camcorder unterhalb von 700 Hz recht bass-schwach auf. Darüber steigt der Pegel weiter an, was insgesamt zu einem etwas grellen, in den Tiefen eher unterrepräsentierten Frequenzgang führt.

Panasonic HDC-HS 300

Echte Drei-Chip-Camcorder, die für jede der drei Grundfarben einen eigenen Sensor mitbringen, sind mittlerweile rar. Panasonic stellt mit dem HS 300 ein solches Gerät her, das eine Wandlerauflösung von jeweils etwa 3 Megapixel bietet. Der HS 300 speichert ansehnliche Fotos mit über 20 Megapixeln und greift dabei auf einige Rechentricks zurück; Serien-Fotos schießt der Panasonic mit 1920 x 1080 Pixeln – wie HD-Video.

Größe und Gewicht des Panasonic entsprechen weitgehend dem vom Sony XR-520, mit dem der HS 300 in einer Liga spielt. Ein Sucher ziert beide Modelle, beim Panasonic in ausziehbarer Form. Der kompakte Camcorder lässt sich gut handhaben und liegt satt in der Hand. Zoom-Hebel und Taster reagieren exakt, der Autofokus arbeitet souverän.

Am lichtstarken Leica-Objektiv des HS 300 befindet sich ein Blendenring, mit dem sich – elektronisch, nicht direkt – Schärfe oder Brennweite einstellen lässt. Auf der 120-GByte-Festplatte bringt der Camcorder bis zu 15 Stunden mit der maximalen Datenrate von rund 17 MBit/s unter. Alternativ lassen sich Videos und Fotos auf einer von einer robusten Klappe geschützten SD(HC)-Speicherkarte aufzeichnen. Mit der „Pre-Rec“-Funktion „rettet“ man auch Aufnahmen, die etwa drei Sekunden in die Vergangenheit reichen.

Das Display ist deutlich kleiner als beim Sony-Klassenkameraden. Ein Schärfe-Assistent hilft beim Fokussieren; er stellt automatisch auf einen im Bild sichtbaren, vom Anwender ausgewählten Gegenstand scharf. Der Touchscreen wird von normalen Tastern ergänzt, die unter anderem den Aufnahme-Start auslösen, das Menü aufrufen oder als Zoom-Wippe die Brennweite variieren.

Mit Automatik-Programmen will der HS 300 dem Anwender zur Seite stehen; so weist er beispielsweise darauf hin, wenn man zu schnell schwenkt, oder schaltet auf das für die aktuelle Situation optimale Belichtungsprogramm. Die Zebra-Funktion weist sehr hell belichtete Bildbereiche aus, was Überbelichtungen vermeiden hilft. Der optische Bildstabilisator beseitigt auch schnelle, grobe Ruckler souverän.

Bis auf die Buchsen für externes Mikro und Kopfhörer befinden sich alle Anschlüsse unter einer schützenden Klappe hinter der Display-Klappe. Die Tonabteilung des Panasonic funktioniert unspektakulär, wenn auch hier und da mit einer leichten Geräuschunterlegung – offenbar von der Festplatte.

Auch beim schwachen Licht schneidet der HS 300 in puncto Auflösung und Schärfe am besten im Testfeld ab. Allerdings arbeitet der Panasonic mit einem bemerkenswert kleinen Farbraum und vor allem in grünen und cyanfarbenen Bereichen wenig farbtreu, was die gemessenen Farbabweichungen von Delta-E mehr als 20 belegen. Bei Licht um die 30 lx entgleisen die Farben drastisch. Mit abnehmendem Licht nimmt das Rauschen deutlich zu. Und bei Kunstlicht leistet der Panasonic eine höhere Kontrastwiedergabe als bei Tageslicht – erstaunlich …

Sony HDR-XR 520

Er macht einen gediegenen Eindruck: Robust, voluminös und relativ schwer liegt der Festplatten-Camcorder XR-250 gut in der Hand. Der eingebaute Harddisk-Speicher von 240 GByte reicht für etwa 30 Stunden Video in bester Qualität. Auf Wunsch zeichnet der XR 250 neben AVCHD alternativ in Standard-Definition auf, dann in DVD-kompatiblem MPEG-2.

Das relativ weitwinkelig ausgelegte Zoom-Objektiv fällt ziemlich lichtstark aus, was der Gesamt-Empfindlichkeit des Camcorders zugute kommt. Wie beim Canon HF 11 dient ein neben dem Objektiv angeordnetes kleines Stellrad dazu, um manuell scharfzustellen oder etwa Weißabgleich beziehungsweise Blende zu steuern.

Das erfreulich große, auch bei Sonnenschein gut ablesbare Display mit 80 mm Diagonale (3,2 Zoll) fungiert – in Touchscreen-Ausführung – zur Bedienung des Camcorders; obendrein spendierten die Sony-Ingenieure einen Aufnahme-Knopf, eine Zoom-Steuerung und einen Menü-Taster am Rande der Display-Klappe. Zusammen mit dem HS 300 von Panasonic bringt der XR-520 einen Sucher mit, der sich beim Sony nach oben schwenken und ausziehen lässt.

Dank des GPS-Empfängers versieht der Camcorder jede Aufnahme mit den Positionsdaten, sodass man später mit einem beiliegenden Programm den jeweiligen Aufnahmestandort auf Google Maps anschauen kann. Auf dem Camcorder-Display erscheint ebenfalls eine Kartenansicht.

Als Motiv-Hilfe bietet der Sony eine Gesichtserkennung an, die auch beim Scharfstellen helfen soll. Die Superzeitlupe speichert drei Sekunden Echtzeit-Video aufs Mehrfache gedehnt, allerdings in gegenüber HD reduzierter Bildauflösung. Bei schwachem Licht oder gar völliger Dunkelheit nutzt der XR-520 eine Infrarot-Option, die durchaus „Nachtsichtgerät“-Qualitäten beweist. Der optische Bildstabilisator arbeitet ordentlich, er schafft auch deutliche Sprünge aus dem Video und verzögert Schwenks kaum.

Im Labor wusste die Wiedergabe des XR-520 zu überzeugen. Die Schärfe verdient gute Noten; in puncto Auflösung ermittelten wir gute, in der Vertikalauflösung sehr gute Werte. Farblich wirken die Aufnahmen stimmig – kein Wunder beim größten Farbraum im Testfeld. Allerdings liegen grüne und blaue Farbtöne etwas abseits vom Sollwert. Der Weißabgleich arbeitet korrekt. Die Rausch werte rangieren im oberen Mittelfeld, bei schwachem Licht klar an der Spitze.

Die Tonaufnahme erfolgt entweder in Surround-Technik oder in Stereo. Bei der Stereowiedergabe beweist der Sony einen starken Anstieg um 25 dB bei 12 500 Hz, was eine etwas überzeichnete Höhenwiedergabe bewirkt. Zwar bringt der XR-520 einen Eingang für ein externes Mikrofon mit, erlaubt aber keine manuelle Ton-Aussteuerung.

Fotos speichert der Sony auf Platte oder dem steckbaren Memory Stick Pro Duo. Die Fotoauflösung von 12 Megapixeln verdankt der XR-520 aber eher der Interpolation als dem gut 6,5 Megapixel auflösenden Wandler.

Die ausführlichen Ergebnisse aller sieben getesteten HD-Camcorder finden Sie in der Printausgabe 26/09 des c't magazins im Artikel "Oberklässler, Full-HD-Camcorder ab 700 Euro" ab Seite 110. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 21.12.2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk . (gs)

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