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Vorsicht Kunde! - Kalter Rauswurf beim Handyvertrag - wegen „technischer Probleme“

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Praktisch, so ein Handy…

Eine Autopanne? Gut - wenn das Handy dabei ist! Für Gerhard eher schlecht, denn er ist Kunde bei Klarmobil. Und die haben ihm gerade die Handykarte abgeschaltet. Aber davon ahnt Gerhard noch nichts. Gerhard hat sich für Notfälle ein Handy mit Prepaid-Karte ins Auto gelegt. Er telefoniert äußerst selten damit. Aber eines Tages braucht Gerhard sein Handy wirklich: Das Autohat eine Panne und Gerhard will Hilfe rufen. Aber die SIM-Karte verweigert den Dienst. Ausgerechnet jetzt!
Gerhard kann sich keinen Reim darauf machen, Er hat die Rechnung doch immer bezahlt.
Wieder zuhause berichtet er seinem Handy-Provider von seinem Problem.
Der Anbieter heißt Klarmobil und wirbt auf seiner Internetseite markig mit günstigen Tarifen.

Ein Bayer namens Trenki brüllt uns da an: “Diese Schweine! Mit denen ihrer Grundgebühr und der ganzen Scheiße. Ich zahl doch nix, nur weil des Handy bei mir irgenwo herum liegt.”

Passt doch!

Ja genau! Das ist ja auch Gerhard’s Problem! Per Email schreibt der Kunde ans Kundencenter: Die SIM-Kartenregistrierung sei fehlgeschlagen und er könne deswegen nicht telefonieren. Und was er tun solle, damit er wieder telefonieren kann.Einen Tag später kommt die Antwort. Da heißt es:

"…Bedauerlicherweise kam es aufgrund eines technischen Problems dazu, dass... SIM-Karten von Kunden ohne Vertragskündigung versehentlich deaktiviert wurden. Zu diesem Einzelfall gehört auch Ihre Klarcard...“

sowie

"…Selbstverständlich haben wir die Möglichkeit einer Freischaltung ihrer Nummer … einer intensiven Prüfung unterzogen, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass eine Reaktivierung nicht möglich ist...“

und

"…Um auch zukünftig in den Genuss unserer günstigen Tarife zu kommen, ist lediglich eine Neuanmeldung Ihrerseits notwendig.“

und weiter:

"…Um tatsächlich entstehende Kosten zu decken, setzen wir einen Rechnungsbetrag von EUR 3,00 pro Monat... voraus…“

"Aus Versehen“ hat Klarmobil Gerhards Karte deaktiviert. Ein Blick ins Netz zeigt, wie oft sich Klarmobil "aus Versehen“ vertut.

Vertragsbruch?

Für Gerhard ein klarer Vertragsbruch. Er schreibt zurück: Das werde er nicht hinnehmen. Und er hat auch einen Namen für das Geschäftsgebaren von Klarmobil: „Wildwestmethoden!“ Welche Rechte hat Gerhard nun? Muss er wirklich in den teureren Vertrag wechseln?

Michael Ridder von der Verbraucherzentrale Hessen sagt dazu: „Der Kunde hat grundsätzlich das Recht, dass der ursprüngliche Vertrag wie er ihn abgeschlossen hat mit dem Anbieter, auch erfüllt wird. Also zu gleichen Bedingungen, zu gleichen Entgelten. Von daher ist es unredlich, wenn jetzt ein Neuvertrag angeboten wird, der für den Kunden ein schlechteres Angebot ist, weil er Grundgebühr mehr bezahlen muss oder aus einer Flatrate herausfällt.“

Der Wegfall der Leistung OHNE KÜNDIGUNG von Klarmobil ist also ein Vertragsbruch. Und auch wenn es nur ein Euro im Monat ist: Die geforderten Mehrkosten muss Gerhard nicht hinnehmen.
Weiter rät der Verbraucherschützer: "Der Kunde sollte auf jeden Fall schriftlich mit dem Anbieter kommunizieren und ihn auf Vertragserfüllung in Anspruch nehmen. Wenn das außergerichtlich nicht klappen sollte, dann bleibt leider nur noch der Weg zum Gericht!“

Allerdings: Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Kunde wegen der geringen Summen diesen Weg beschreitet und die Vertragsänderung durch die kalte Küche dann eben doch hinnimmt. Wie passt das zu den so verheißungsvollen Aussagen des Herrn Trenki: “Diese Schweine! Mit denen ihrer Grundgebühr und der ganzen Scheiße.”

Und die Telefonnummer?

Und wie ist das mit der Telefonnummer? Auch die ist laut Klarmobil nun „leider futsch“. Der Kunde bekommt zwangsläufig eine neue. Auch das geht nicht, hier sorgt die Bundesnetzagentur für klare Regelungen. Rudolf Boll, Pressesprecher der Bundesnetzagentur stellt klar: "Generell ist es so, dass ein Kunde ein Recht an seiner Nummer hat. Diese Rufnummer kann ihm, solange der Vertrag läuft, nicht ohne seine Einwilligung vom Unternehmen weggenommen werden. Sollte ein solcher Fall auftreten, dass ein Kunde von seinem Telekommunikationsunternehmen die Nummer weggenommen werden soll bei einem laufenden Vertrag, kann sich der Verbraucher an uns wenden und wir kümmern uns dann darum.“

Das hat inzwischen auch Klarmobil realisiert, in einer Stellungnahme heißt es:

"…Der Kunde hat eine neue SIM-Karte zugeschickt bekommen und kann nun wie gewohnt mit seiner bisherigen... Mobilfunknummer telefonieren. … Wir haben uns bereits bei unserem Kunden für die Unannehmlichkeiten, die ihm aufgrund eines technischen Fehlers und einer fehlerhaften Aussage unseres Mitarbeiters entstanden sind entschuldigt…“

Aus angeblich technischen Gründen in einen schlechteren Vertrag und den Kunden ihr Recht vorenthalten? Dafür gibt es nur eine Bezeichnung: Voll Panne.!

Was tun?

Generell gilt: Beide Vertragspartner sind verpflichtet, einen geschlossenen Vertrag auch zu erfüllen. Kündigt der eine Vertragspartner oder bietet er deutlich veränderte Konditionen an, dann hat der andere Vertragspartner das Recht außerordentlich und fristlos zu kündigen. Er kann aber auch auf Erfüllung bestehen. In diesem Fall sind die entsprechenden Änderungen hinfällig. Auch wenn es nur um ein paar Euros geht, es lohnt sich immer, entsprechende Änderungsmitteilungen genau zu studieren und schnell zu reagieren. Denn auch im Fall einer Vertragsänderung laufen unter Umständen Fristen, die Sie bei einer Kündigung einhalten müssen. (Ulrich Geiger) / (gs)

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