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Vorsicht Kunde! - Die unscharfe Kamera von Medion

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Unscharf? Gibt‘s nicht

Was unterscheidet Günstig von Billig? Ganz einfach: Das Günstige funktioniert einwandfrei über eine längere Zeit – das Billige meist nicht. Billig war danach die Medion-Kamera von Wolfgang D. aus Wolfsburg. 79,95 Euro und 8 Megapixel – das klang gut, macht bei ihm aber nur Ärger. Die Bilder sind unscharf. Aber: der Hersteller Medion ist da ganz anderer Meinung. Für Wolfgang D. steht mittlerweile fest: "Wenn ich gewusst hätte, wie schlecht die Kamera in der Auflösung ist, ich hätte mir so eine Kamera von Medion nie und nimmer gekauft."

Unscharfer Bildrand

Endlich eine neue Kamera, freut sich Wolfgang D. im Herbst vergangenen Jahres. 8 Megapixel, genau das Richtige für den Hobbyfotografen, um Hund Lilly so richtig in Szene zu setzen. Doch die Freude währt leider nicht lange. Nach ein paar Bildern merkt er: hier stimmt etwas nicht – und schaut sich die Fotos genau an. Besonders Landschaftsaufnahmen sind am linken Bildrand unscharf, für jeden Laien klar zu erkennen. Der Rentner macht die neue Kamera reisefertig – Medion soll sie reparieren oder eine neue schicken. Schließlich hat er ja noch die volle Garantie – denkt er!

Ratschläge statt Reparatur

Doch bei Medion angekommen, kann man in vier Wochen Reparaturzeit offenbar wenig mit seiner Fehlerbeschreibung anfangen. Der unscharfe Rand des Bildes scheint für Medion ganz normal zu sein. Wolfgang D.: "Also ich fühlte mich ehrlich gesagt verklappst. Da stand auf dem Begleitschreiben drauf: Keine Fehler gefunden. Kamera auf Werkseinstellung zurückgesetzt. Und klar, das Zählwerk fing wieder bei Eins an. Aber es war alles genauso – genauso! wie vorher – linke Seite unscharf."

Der 62jährige lässt nicht locker – beschwert sich weiter per E-Mail. Doch technische Hilfe bekommt er keine – dafür einige grundlegende Tipps zum Fotografieren: "Bei unscharfen Bildern könnten Sie folgendes probieren: den Modus auf Portrait einstellen. Hiermit wird das Zentrum des Bildes schärfer eingestellt." Oder: "Die Verschlusszeit verringern. so dass die Aufnahmen schärfer sind."

Dass die Unschärfen bei Herrn D. nur links auftreten, macht den Service nicht stutzig – die genauen Schilderungen des Hobbyfotografen werden nicht beachtet. Wolfgang D.:"Ich war früher in der Schule in der Foto-AG. Da brauche ich mir nicht von so einem Huckeduster sagen lassen, wie man ‘ne Kamera hält, wie man scharf stellt, wie man Bewegungsunschärfe vermeidet. Das kenne ich schon. Das kenne ich wirklich schon!"

Umtausch? Fehlanzeige.

Wieder schickt er die Kamera zu Medion – nach langem Hin und Her hat der Reparaturservice ihn aufgefordert, das Gerät nochmals einzuschicken. Doch diesmal ist die Überraschung noch größer als beim ersten Mal. Das Paket ist nach drei Tagen wieder da. Denn die neue Reparaturadresse, die ihm Medion genannt hat – die gibt es nicht. Jetzt hat der Hobbyfotograf endgültig die Nase voll. Er macht nochmal extra neue Fotos, um den Fehler genau zu zeigen. Das Spiel beginnt wieder. Der Medion-Service packt die Kamera aus – zum dritten Mal. Fotos machen die Mitarbeiter auch, das kann Wolfgang D. später am Kamerazähler ablesen. Aber Fehler findet Medion wieder keine.

Wolfgang D.: "Und zum dritten mal schicke ich das ein, und immer noch ist nix gemacht, und der Mann beim Medion-Service sagt, es ist kein Fehler fest aufgetreten. Ich kriege so einen Hals". Und dann verweigert Medion den Umtausch endgültig: Begründung per E-Mail: "Da Sie Ihr Gerät bereits im September des vergangenen Jahres erworben haben und somit laut Fachabteilung eine Meldung der für sie unzureichenden Qualität innerhalb des ersten Monats hätte erfolgen können." Wolfgang D. ist erzürnt: "Ich hab noch Garantie! Ich hab drei Jahre Garantie auf die Kamera! Und hinterher kommt man an: Ja, wenn Sie damit nicht zufrieden sind, hätten Sie das innerhalb eines Monats reklamieren können. Sind die noch ganz bombig?"

Schiefer Autofokus

Die Bilder von Wolfgang D. bleiben unscharf. Die Restgarantie von mehr als zwei Jahren scheint Medion nicht weiter zu interessieren. Fest scheint zu stehen: offenbar wurde der Autofokus der Kamera vom Hersteller schief eingebaut. Auf ct-Nachfrage antwortet Medion hingegen: "Im Zuge der technischen Reparatur wird auch die Optik der Kamera geprüft und vermessen. Hierbei sind keine Werte außerhalb unserer Toleranzen und Spezifikationen festgestellt worden. Darüber hinaus sind Herrn D. in vielfältiger Form Hilfestellungen und Tipps zu den Möglichkeiten der Einstellung und Konfiguration der Kamera genannt worden."

Wolfgang D. bleibt jetzt noch die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten. Ob sich das angesichts der Streitsumme von 80 Euro lohnt, bleibt allerdings dahingestellt. (Stefan Venator) / (gs)

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