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Vorsicht Kunde! - 1600 Euro für eine mißglückte Kündigung

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Ein kleines Versäumnis

Stefan S.‘s Problem mit Kabel Deutschland füllt mittlerweile einen ganzen Ordner: Die Situation wird immer bedrohlicher. Dabei hat er seinen Internet- und Telefonanschluss bereits vor zwei Jahren gekündigt. Aber seine Briefe, die kommen irgendwie nie an. Momentan hat er einen offenen Betrag von rund 1600 Euro. Stefan ist zermürbt, er weiss nicht mehr weiter.

Runde 1

Juni 2007: Umzug von Leipzig nach Halle aus beruflichen Gründen. Der Science-Fiction-Fan ahnt damals noch nicht, welchen Ärger er mit dem Anschluss haben wird. Denn dieser soll nicht mit umziehen, er kündigt bei Kabel-Deutschland – das glaubt er jedenfalls.

Doch er macht bei der Kündigung einen entscheidenden Fehler: Er schickt die Brief nicht per Einschreiben. Und so beginnt Runde 1: Kabel Deutschland bucht trotz Kündigung weiterhin 49 Euro 90 ab.

Ein Brief mit einer Kündigung? – nie angekommen, sagt Kabel Deutschland. Stefan S. lässt zurückbuchen. Denn er glaubt fest daran, dass die Rechnungen des Providers nur ein Irrtum sind. Ein Anruf bei der Kundenhotline beruhigt ihn zuerst einmal. Die nette Dame am Telefon erklärt ihm, die Kündigung sei noch nicht eingetragen aber das wird noch passieren.

Die nächste Runde

Runde zwei beginnt vier Monate später: Auf seine Kündigung folgt nun eine Gegenkündigung – von Kabel Deutschland. Wegen Nichtzahlung sehe man sich dazu gezwungen. Die Endabrechnung folge in Kürze. Sie kommt aber nicht. Die Gebühr in Höhe von 49,90 Euro berechnet Kabel Deutschland weiterhin, Monat für Monat.

Runde 3

So richtig ärgert sich Stefan, als er drei Monate später zum Briefkasten geht. Nun schreibt ihm eine Anwaltskanzlei. 407 Euro und 38 Cent seien fällig, sein Vertrag mit Kabel Deutschland weiter gültig. Stefan glaubt noch immer an einen Irrtum. Die Kopie seiner Ummeldebescheinigung und des Mietvertrages schickt er zum einen an Kabel Deutschland und auch an den Rechtsanwalt – diesmal per Einschreiben. Doch auf eine Reaktion darauf wartet er vergeblich – irgendwie müssen auch diese Briefe wohl verlorengegangen sein.

Zuverlässig aber läuft die Zustellung der Rechnungen von Kabel Deutschland an ihn. 49,90 Euro mal wieder. Die kommen immer an. Monat für Monat. So langsam kommt ein hübsches Sümmchen zusammen, Stefan S. hofft immer noch auf ein Schreiben von Kabel Deutschland, dass alles nur ein Irrtum sei.

Runde 4.

Große Aufregung: Endlich, ein Jahr nach Stefan‘s Kündigung kommt endlich Post von Kabel Deutschland. Doch darin keine Entschuldigung – sondern eine Kündigung – die Zweite. Sehr absurd, aber vielleicht ja auch eine Chance...

Doch die Kündigungsabteilung bei Kabel Deutschland vergisst diesen Brief schnell wieder. 49,90 Euro jeden Monat – auf diese Rechnung kann sich Stefan S. wirklich verlassen. Und all seine Versuche, per Einschreiben Kabel Deutschland und den Rechtsanwalt von einer Kündigung zu überzeugen, bleiben weiter unbeantwortet.

Runde 5

Anderthalb Jahre nach Stefan S.'s Kündigung folgt Runde 5: Plötzlich hat Kabel Deutschland seine Schulden verdoppelt: Neben dem Anwalt will nun auch ein Inkassobüro die gleichen Rechnungen abkassieren. Aus Eins wird zwei – auf einen Schlag über zweitausend Euro. Für Stefan S. eine wundersame Vermehrung. Für ihn ist nicht mehr nachvollziehbar.

Per Einschreiben versucht er nun, Anwalt, Inkassobüro und Kabel Deutschland von diesem Irrtum zu überzeugen, doch Antworten bekommt er darauf – Keine. Die Briefe müssen wohl wieder irgendwo abhanden gekommen sein. Aber Kabel Deutschland hält ihm weiterhin die Treue – 49,90 Euro monatlich – die Rechnung wird weiter fleißig gestellt.

Runde 6

Nun naht Runde 6, wohl die Letzte: Kabel Deutschland will ihm jetzt den Gerichtsvollzieher ins Haus schicken. Und das alles nur wegen einer Kündigung ohne Einschreiben.

Finale

Stefan S. wendet sich an das c’t magazin. Wir bitten Pressesprecherin Dorothee Janssens um eine Klärung. In einer schriftlichen Stellungnahme weist sie darauf hin, dass Kabel Deutschland weder eine Kündigung noch die Umzugsmeldung vorliegen würde. "Laut unseren AGB ist der Kunde verpflichtet, eine Kündigung in Textform (z. B. per Brief, Telefax, E-Mail) zu erteilen. Gleiches gilt für die Änderung der Adresse. Kabel Deutschland liegt weder ein schriftlicher Nachweis über eine Kündigung noch eine Umzugsmeldung von Herrn S. vor. ... Uns liegt lediglich ein Schreiben des Kunden vom 18.08.2009 vor, das unser Kundenservice am 26.08.2009 beantwortete."

Wo die von Stefan S. per Einschreiben geschickten Briefe gelandet sind, bleibt unklar. Aus einer "besonderen Kulanz" jedoch würde Kabel Deutschland die Kündigung nachträglich annehmen und Stefan S. die entsprechenden Entgelte zurück erstatten.

Was tun?

Wer die Sendung kennt, kennt den Satz "... immer per Einschreiben mit Rückschein!". Dieser Fall zeigt deutlich, was schief gehen kann, wenn man diesen von Georg Schnurer fast gebetsmühlenartig vorgetragenen Vers missachtet. Nur so kann man sicher gehen, dass auf dem Weg vom Postamt bis zum Kundenservice nichts verlorengeht. Bis der Kunde feststellt, dass sein Brief nicht angekommen ist, dauert es eine gewissen Zeit – vielleicht die entscheidenden Tage, in denen die Frist zur automatischen Vertragsverlängerung ausläuft.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, können Sie auch per FAX kommunizieren, sofern der Dienstleister das zulässt. Empfehlen können wir diesen Weg aber nur, wenn Sie die Möglichkeit haben, einen sogenannten "qualifizierten Sendungsbeleg" vorzuweisen. Auf diesem Beleg ist die erste Seite des FAXes verkleinert abgebildet, ergänzt durch das Sendeprotokoll. Email-Verkehr gilt übrigens nicht als rechtsverbindlich. (Uli Geiger) / (gs)

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