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Vorsicht Kunde! - Das ist dreist - Illegale Gebühren beim Prepaid-Handy

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Norman M. aus Berlin telefonierte bislang mobil mit einer Prepaid-Karte von Alphatel, einem Produkt der Drillisch Telecom GmbH. Im Februar 2010 wollte er den Anbieter wechseln und seine Rufnummer mitnehmen. Also fragte er bei Drillisch nach, wie er dazu vorgehen müsse. Die Antwort folgte am 17. Februar: Das Unternehmen forderte den Kunden auf, zunächst einmal 29,95 Euro Portierungsgebühr zu überweisen und dann noch ein mitgeliefertes Formblatt zu unterschreiben.

Mit dem „Verzichtserklärung Prepaid-Kunde/Antrag auf Rufnummerportierung Export“ genannten Schreiben sollte Norman M. nicht nur die Rufnummerportierung beantragen, sondern gleichzeitig auf die Aus zahlung eines eventuell noch vorhandenen Restguthabens auf der Prepaid-Karte verzichten. Ultimativ erklärte Drillisch dazu: „Eine Bearbeitung der Portierung kann erst nach Eingang der unterschriebenen Verzichtserklärung und Eingangszahlung Ihrerseits auf unser Konto erfolgen.“

Alle Versuche, eine Portierung der Rufnummer ohne Guthabenverzicht zu erreichen, schlugen fehl und derartig unter Druck gesetzt schickte Norman M. das Formular zurück und überwies zähneknirschend die Portierungsgebühr. Tatsächlich klappte die Rufnummermitnahme zum neuen Anbieter auch, doch dass sein Restguthaben einfach von Drillisch eingesackt werden sollte, wurmte den IT-Fachmann gewaltig.

So mahnte er die Auszahlung des Restguthabens nach erfolgter Portierung an. Doch Drillisch stellte sich stur: „Aufgrund der von Ihnen unterzeichneten Verzichtserklärung verzichten Sie nach Portierung der Rufnummer auf eine Auszahlung des Restguthabens.“ Man bedauerte in dem Schreiben zwar noch, dem Kunden keinen positiven Bescheid geben zu können, doch damit hatte sich der Fall für die Drillisch Telecom offensichtlich erledigt.

„Da muss doch noch was gehen“, dachte sich der Kunde und schrieb erneut an die Drillisch Telecom – diesmal aber nicht an den Kundensupport, sondern an die Presseabteilung. Die Verknüpfung eines Portierungsauftrags mit einem Guthabenverzicht, so seine Argumentation, sei für den Kunden zumindest überraschend. Doch die Antwort von Peter Eggers, Pressesprecher Produkte bei der Drillisch AG, entsprach im Wesentlichen der des Kundensupports. Norman M. habe den Verzicht auf eine Auszahlung des Restguthabens schließlich anerkannt. Im Übrigen hätte er das Restguthaben ja bis zum Portierungszeitpunkt abtelefonieren können…

Eigene Regeln?

Auf die Verknüpfung von Guthabenverzicht und Portierung angesprochen übermittelte uns René Henn von der Bundesnetzagentur ein eindeutiges Statement: „Das Nichtvorliegen einer Verzichtserklärung bezüglich eines Restguthabens ist kein hinreichender Grund, die Portierung einer Rufnummer zu verweigern. Sofern der Kunde seinen Vertrag beim abgebenden Anbieter gekündigt und fristgerecht einen Portierungsauftrag bei einem neuen Anbieter gestellt hat, hat er einen Anspruch darauf, die von ihm genutzte Rufnummer zu portieren.“

Natürlich muss der Kunde die Portierungsgebühr in Höhe von 29,95 Euro zahlen, doch ihn dazu zwingen zu wollen, auf sein eventuell noch vorhandenes Restguthaben zu verzichten, ist demnach unzulässig. Genau das versucht die Drillisch Telecom aber mit ihrer Aussage, dass eine Bearbeitung des Portierungsauftrags ohne Verzichtserklärung nicht möglich sei.

Wir baten deshalb Pressesprecher Peter Eggers von der Drillisch AG um eine Stellungnahme. Was, so wollten wir wissen, passiert, wenn ein Kunde den Passus mit dem Guthabenverzicht aus dem Portierungsauftrag streicht? Zahlt das Unternehmen das Restguthaben dann wie gesetzlich vorgeschrieben tatsächlich aus?

Kein Kommentar

In einer ersten Antwort ließ uns Drillisch-Pressesprecher Eggers wissen, dass man den Sachverhalt eingehend prüfen werde. Im Moment könne man aber keine detaillierte Stellungnahme zum Fall von Norman M. abgeben. Immerhin werde die Drillisch AG das Restguthaben des Kunden aber ohne Anerkennung einer Rechtspflicht auszahlen, versprach Eggers. Mehr könne er uns erst später mitteilen. Wir übten uns also in Geduld, doch bis zum Redaktionsschluss erhielten wir keine Antworten auf unsere über den Einzelfall hinausgehende Frage, was denn nun passiert, wenn ein Kunde den Guthabenverzicht aus dem Portierungsauftrag streicht. Telefonisch teilte uns Peter Eggers vielmehr mit, dass man keine weiteren Fragen zum generellen Vorgehen bei der Rufnummerportierung beantworten werde.

Warum die Drillisch AG hier lieber nicht im Detail antworten will, liegt auf der Hand. Schließlich widerspricht ihre aktuelle Portierungspraxis nach Aussage der Regulierungsbehörde eindeutig geltendem Recht. Dass Drillisch hier durchaus damit kalkuliert, unverbrauchtes Restguthaben einstreichen zu können, wird auch an einer anderen Gepflogenheit dieses Telekommunikationsunternehmens deutlich: Selbst wenn das Restguthaben auf einer Prepaid-Karte ausreichen würde, um die Portierungsgebühr zu decken, verweigert Drillisch die Verrechnung. Die Portierungsgebühr muss stets separat überwiesen werden – egal wie viel Guthaben der Kunde noch hat.

Kunden, die wie Norman M. ihre Prepaid-Nummer von Drillisch zu einem anderen Anbieter mitnehmen wollen, können wir deshalb nur raten, im Portierungsauftrag den Passus mit dem Guthabenverzicht zu streichen und nur die Portierungsgebühr zu entrichten. Weigert sich die Drillisch-AG daraufhin die Nummer herauszurücken, hilft möglicherweise eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur. Natürlich kann man Drillisch auch auf dem Klageweg zwingen, die Nummer ohne Guthabenverzicht frei zu geben. (Georg Schnurer) / (gs)

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