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Vorsicht Kunde! - Deutschland – ein Land von Leichtsinnigen?

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Eigentlich hören und lesen wir ja täglich von Warnungen, vorsichtig mit persönlichen Daten umzugehen. Denn ein lockerer Umgang mit sensiblen Daten öffnet Ganoven Tür und Tor. Etwa wenn sie an unsere Kontodaten kommen. Doch beherzigen wir die Warnungen? Wir haben das einmal getestet – und versucht, an die sensiblen Daten Dritter zu kommen.

Unsere bange Frage: Ist Deutschland ein Land von Leichtsinnigen? Rücken wir wirklich freiwillig riskante persönliche Daten raus? Oder haben wir aus den Datenskandalen der Vergangenheit gelernt? Das Ergebnis macht uns fassungslos. Doch alles der Reihe nach…

Daten, Adressen, Fingerabdrücke

Die Schauspielerin Cita Jorde hat eher wenig mit Datensicherheit zu tun. Doch für unseren Test spielt sie den Lockvogel: die Datensicherheitsexpertin „Yvonne Schotter“. Natürlich ein Fantasiename. Und auch ihr Vorwand ist eine Lüge: Im Auftrag des „Zentralinstituts zum Schutz des Deutschen Kreditwesens“ will sie Kreditkarten noch sicherer machen und braucht deshalb die persönlichen Daten aller Bürger. Zusammen mit ihrem Assistenten „Paul Jäger“ macht Frau Schotter Jagd auf Namen, Adressen und Kontonummern, aber auch auf Speichelproben, Haarproben und Fingerabdrücke.

Her mit dem Ausweis!

Erster Versuch: Wir fragen Passanten, ob sie uns zwecks Datenabgleich ihre Personalausweise geben. Reihenweise kommen Passanten dieser Bitte nach. Dass sie damit viel preisgeben, scheint den meisten ziemlich egal zu sein. Jetzt versuchen wir`s mal mit noch intimeren Daten, fragen nach Monatseinkommen, abgehobenen Beträgen, laufenden Krediten. Auch hier zeigen sich viele Passanten auskunftsfreudig. Datenskandale? Nie gehört? Wir sind sprachlos, wie bereitwillig man uns nahezu alle Daten herausrückt, die wir haben wollen. Kein Nachfragen, keine Zweifel.

Auch mit der Herausgabe sensibler Bankdaten scheint kaum jemand ein Problem zu haben. Alles Daten, die es Ganoven leicht machen, ihre Opfer abzuzocken. Und wenn wir ein Kartenlesegerät mit gehabt hätten? Dann hätten wir uns problemlos Duplikate von EC-Karten anfertigen können. Auch Fingerabdrücke konnten wir massenhaft machen. Wir sind fassungslos. Wenn in naher Zukunft Fingerabdrücke zur Identifizierung benötigt werden, hätten wir schon mal jede Menge davon. Inklusive Name, Anschrift und Bankdaten.

Wir rücken den Passanten auf die Pelle

Nicht anders ergeht es uns, als wir unsere Opfer um Speichel- und Haarproben bitten. Auch hier werden wir reich beschenkt. Und könnten uns jetzt eigentlich auf ins Labor machen. Unsere Fragebögen werden natürlich persönlich von den Opfern unterschrieben – jetzt hätten wir auch noch eine schöne Fälschungsvorlage. Wer uns zuvor schon alles gegeben hat, der hat mit so etwas jetzt auch keine Probleme mehr. Und zum Schluss ein Foto? Gerne, lässt man uns von vielen wissen. Nun haben wir so ziemlich alles beieinander.

Reiche Beute

Nach fünf Stunden beenden wir unser Experiment. Und sind selbst erschrocken, was wir hier alles bekommen haben. Unsere Fazit: noch nie war es so leicht, an sensible Daten unserer Mitbürger zu kommen. Natürlich haben wir alle Passanten aufgeklärt und Fragebögen, Proben und Fingerabdrücke vernichtet. Doch wären wir Ganoven gewesen, hätten viele Menschen in nächster Zeit eine ganze Menge Probleme bekommen. Achten Sie also genau darauf, wem Sie Ihre persönlichen Daten zugänglich machen und beachten Sie die Regel: Gesammelte Daten werden immer genutzt und gerne an Dritte weiter gegeben.

Warum?

Persönliche Daten sind bares Geld wert. Mit den von uns gesammelten Daten wäre es möglich, groben Missbrauch zu betreiben. Wir hätten auf Kosten der Befragten einkaufen können, wir hätten Kreditkarten fälschen können und sogar Ausweispapiere. Aufgrund der Datenfülle wäre es für die Betroffenen äußerst schwer geworden, im Missbrauchsfall ihre Unschuld zu beweisen. Also: Ihre Daten gehören Ihnen und nur Ihnen! Niemand hat das Recht, diese vertraulichen Daten von Ihnen einzusammeln.

(Stefan Venator) / (gs)

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