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Fotobücher und Poster gestalten

Individuelle Fotobücher und Kunstposter mit Scribus gestalten

Man muss kein professioneller Layouter sein, um die Einheitsware der Druckdienstleister in den Schatten zu stellen. Mit der Open-Source-DTP-Software Scribus gestalten Sie ansprechende Fotobücher und Poster kurzerhand selbst.

Artikel aus c't 19/06

Mit der raschen Verbreitung hochwertiger Digitalkameras werden auch digital produzierte Fotobücher immer beliebter. Der letzte Urlaub, der neugeborene Nachwuchs oder ein anderes besonderes Ereignis: Ein gedrucktes und professionell gebundenes Fotobuch verspricht ein gelungenes Geschenk zu werden, auf jeden Fall aber ist es eine schöne Sammlung wertvoller Erinnerungen.

Die meisten Dienstleister für Fotobücher stellen für diese Zwecke ihre eigene Layoutsoftware zum Download, die dem Nutzer die Gestaltungsarbeit erleichtert und insbesondere die Daten so übermittelt, dass sie problemlos und damit sehr kostensparend verarbeitet werden können. Soll es jedoch einmal individueller werden, stößt man schnell an die Grenzen dieser Helfer. Kreative Freiheiten lässt nur geeignete Layout-Software.

Das Satzprogramm Scribus für Windows, Linux und Mac OS X ist gratis und hat sich sogar zu einem Flaggschiff der Open-Source-Szene entwickelt. Im Unterschied zu Textverarbeitungsprogrammen wie Word oder OpenOffice ist Scribus auf das perfekte Zusammenspiel von Text und Grafik spezialisiert: Schon das einfache Positionieren eines oder mehrerer Objekte auf der Seite geht mit praktischen Stützen wie (magnetischen) Hilfslinien oder diversen "Ausrichten-Verteilen"-Varianten deutlich schneller von der Hand. Hinzu kommt, dass man mit Hilfe von Textstilen und Musterseiten Vorlagen gestalten kann, die sich äußerst komfortabel ändern lassen: ideal für ein Fotobuchprojekt. Will man beispielsweise sämtliche Bildbeschreibungen – bei umfangreicheren Büchern können sich die auf mehrere hundert summieren – in einer anderen Schriftart gestalten, muss man lediglich eine einzige Stilvorlage ändern. Auch für Logos, Hintergründe oder Randlinien, die jede Seite zieren sollen, muss man nur eine einzige Musterseite anlegen. Scribus orientiert sich also klar an professionellen Satzprogrammen wie Quark XPress oder Adobe InDesign, die allerdings in einigen Bereichen noch überlegen sind: Beispielsweise bringen sie bessere Unterstützung für Tabellen mit oder haben Details wie die Musterseiten besser implementiert.

Um diesen Workshop optimal nachvollziehen zu können, benötigen Sie neben Scribus die Tutorial-Dateien für Fotobuch- und Posterprojekte. Die mit "Vorlage" gekennzeichneten Scribus-Dateien mit der Endung .sla enthalten keine Bilder, sondern nur Grafikrahmen und Formatierungen, "Beispiel" zeigt eine mögliche Umsetzung der Poster- und Fotobuch- Vorlagen. Außerdem sollten Sie die gesammelten Fonts aus der Auto-FX-Kollektion Free Fonts für Windows beziehungsweise Mac OS in den Schriftenordner des Betriebssystems kopieren. Einige Scribus-Funktionen wie der PDF-Export setzen außerdem den freien PostScript-Interpreter GhostScript voraus, den Sie zusätzlich installieren sollten. Ist er auf dem System nicht vorhanden, gibt Scribus bei jedem Start eine Warnung aus. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Bildbearbeitung Gimp zu installieren, damit sich Bilder direkt aus dem DTP-Programm heraus bearbeiten lassen.

Nach dem ersten Start von Scribus lohnt sich ein Besuch in den allgemeinen Einstellungen. Dort setzt man programmweite Vorgaben, die alle neu angelegten Dokumente betreffen. Unter dem Menüpunkt "Dokument einrichten" finden sich identische Parameter, die sich im Gegensatz zu den allgemeinen Einstellungen nur auf das aktuelle Dokument auswirken. Die meisten Vorgaben sind fürs erste Kennenlernen von Scribus völlig ausreichend, aber im Abschnitt "Allgemein" sollten Sie die Einheit auf Millimeter stellen. Beachten Sie dabei, dass dies keinen Einfluss auf die Einheit von Schriftgrößen hat, diese verbleibt weiterhin bei "Punkt". Das hat traditionelle Gründe und ist sinnvoll, denn sonst müsste man bei den am häufigsten verwendeten Fontgrößen und Zeilenabständen mit krummen Werten hantieren. Um Scribus ohne Kopfschmerzen kennenzulernen, aktivieren Sie die Funktion zum automatischen Speichern.

Um eine brauchbare Farbwiedergabe zu erzielen, aktivieren Sie das Farbmanagement im gleichnamigen Abschnitt des Dialogs und wählen am besten für RGB, Füllfarben und Monitor das Profil "Adobe RGB" und für CMYK-Bilder respektive Drucker das Profil "Europe ISO Coated FOGRA27". Sollten diese auf dem System noch nicht installiert sein, lassen sie sich durch Installation der Adobe ICC Color Profiles nachrüsten.

Falls ein Fotobuch-Dienstleister eigene Druckerprofile anbietet, umso besser. Da sich der Farbraum des von den meisten Dienstleistern genutzten Digitaldrucks mit dem des hochwertigen Offsetdrucks aber weitgehend überschneidet, genügen in der Regel auch die Standardprofile von Adobe.

Für ein eigenes Fotobuch, das sich von den 08/15-Vorlagen der meisten Online-Anbieter abhebt, gilt es zunächst, eine benutzerdefinierte Vorlage zu erstellen. Dazu legen Sie über das Datei-Menü ein neues Dokument an und entscheiden sich für ein Seitenformat. Möchten Sie das Dokument bei einem professionellen Dienstleister drucken lassen, erfahren Sie auf dessen Website die richtige Größe. Dieser Artikel arbeitet mit einem Beispiel von 188 x 188 Millimetern. Das Endformat der Seite soll zwar nur 185 x 185 Millimeter betragen, aber man benötigt für die spätere Verarbeitung etwas Spielraum, damit auch farbige Fonts oder Bilder bis zum Seitenrand ohne weiße Blitzer möglich sind. Im Unterschied zu den großen DTP-Lösungen wie QuarkXpress und Indesign verfügt Scribus noch nicht über eine Anschnitt-Funktion, die diese Verarbeitungstoleranz automatisch berücksichtigt, ohne das Endformat zu ändern.

Wählen Sie als Seitenlayout Doppelseiten, damit Sie die Gestaltung der nebeneinanderliegenden Seiten besser beurteilen und ein besonders schönes Bild auch mal über zwei Seiten platzieren können. Die Breite der Seitenränder liegt bei 15 Millimetern. Sie definieren den Bereich, indem der Inhalt positioniert wird; man nennt ihn auch den Satzspiegel. Das heißt nicht, dass man diese Regel nicht auch mal brechen darf: Einzelne, aus dem Satzspiegel herausragende Elemente können das Layout lebendiger gestalten und optische Highlights setzen.

Ein häufig benötigtes Werkzeug beim exakten Positionieren von Objekten sind vertikale und horizontale Hilfslinien, die man entweder über das Menü "Seite" einfügt oder per Drag & Drop aus den Linealen herauszieht. "Magnetische Hilfslinien", einzuschalten im Menü "Ansicht", ziehen Elemente wie Objekte, Text- und Bilderrahmen an, sobald man sie mit der Maus in die Nähe der Hilfslinien verschiebt. Alternativ gibt man die exakte Position eines Elements über die Palette "Eigenschaften" auf dem Registerreiter mit dem Namen "X, Y, Z" numerisch ein. Es ist dabei interessant festzustellen, dass Scribus in allen numerischen Eingabefeldern einfache Algebra beherrscht. Wenn man also zum Beispiel ein Element um 15 mm verschieben will, lässt man den alten Wert stehen und ergänzt die Eingabe um "+15". Analog funktioniert dies mit Subtraktion, Multiplikation und Division. Es gibt noch eine andere praktische Methode, die Position eines Elements zu beeinflussen: Ein Druck auf die Pfeiltasten verschiebt die Auswahl in die jeweilige Richtung. Die Schrittweite beträgt dabei 1 mm, bei gedrückter Strg-Taste 10 mm und mit der Umschalt-Taste 0,1 mm. Ist kein Element ausgewählt, verschiebt ein Druck auf die Cursor-Tasten den Seitenausschnitt. Auch hier sorgt der gleichzeitige Druck der Shift-Taste für kleinere Schritte.

Über die Palette "Eigenschaften" eines Objekts, die die Abschnitte "X,Y,Z", Form, Text, Bild, Linie und Farben enthält, lässt sich das markierte Objekt im Detail anpassen. Als Objekte kennt Scribus neben Text-, Bildrahmen und Tabellen auch geometrische Formen, Linien und Freihandzeichnungen. Neue Objekte werden entweder über das Menü Einfügen oder die Werkzeugleiste erstellt. Während das Text- und Bildwerkzeug zunächst nur rechteckige Rahmen erstellt, die vom Anwender mit Inhalt gefüllt werden wollen, lassen sich die geometrischen Formen direkt aufziehen. Hinter dem Drop-down-Feld in der Werkzeugleiste verbergen sich fast 20 Grundformen von Ellipsen über Dreiecke bis hin zu Pfeilen. Sie lassen sich nicht nur einzeln, sondern auch als Rahmen für Grafikelemente benutzen. Wollen Sie beispielsweise einen elliptischen Bilderrahmen erstellen, fügen Sie zunächst die gewünschte Form ein und wandeln sie dann über "Objekt/Umwandeln in" in einen Bildrahmen um. Auf den ersten Blick erscheint dieses Konzept kompliziert, es hält aber die Werkzeugpalette übersichtlich und Anwender, die bereits mit Indesign gearbeitet haben, werden es kennen.

Um eine Titelseite für das Fotobuch zu gestalten, beginnen Sie mit dem Hinzufügen eines Rechtecks, das als farbiger Hintergrund dienen soll. Ziehen Sie es über die gesamte Seitenbreite, aber nur über etwas mehr als ein Drittel der Höhe. In der Farbauflistung der Eigenschaftenpalette weisen Sie ihm die gewünschte Farbe, beispielsweise "Wheat1", zu. Darüber platzieren Sie einen Bildrahmen. Leere Bildrahmen kennzeichnet Scribus anders als geometrische Formen mit einem Kreuz, sodass man sie auf einen Blick erkennen kann. Um den Bildrahmen automatisch mittig über die Seitenbreite zu positionieren, nutzen Sie den Dialog "Ausrichten und Verteilen" aus dem Menü Fenster. Damit das automatische Positionieren klappt, entscheiden Sie sich im Drop-down-Feld "Relativ zu" für den Eintrag "Seite". Die vielen Schaltflächen des Dialogs irritieren anfangs ein wenig, jedoch erscheint über jedem ein kurzer Tooltip, wenn man mit der Maus über ihm verweilt. Über die mittleren Buttons der ersten und zweiten Reihe setzen Sie den Bildrahmen mittig auf die Seite.

Fügen Sie nun eine waagerechte Linie in der Mitte der Seite hinzu, indem Sie beim Aufziehen die Strg-Taste gedrückt halten; dadurch beschränkt Scribus die Winkel auf 15-Grad-Schritte und Sie erhalten auch mit nicht ganz ruhiger Hand eine gerade Linie. Im unteren noch freien Bereich der Seite positionieren Sie einen Textrahmen. Die gewünschte Formatierung nimmt Scribus auf dem Reiter Text der Eigenschaftspalette entgegen. Ist der Rahmen ausgewählt, gelten die Einstellungen für den gesamten Text. Um nur einen Teil davon zu formatieren, wechseln Sie mit einem Doppelklick auf den Rahmen in den Bearbeitungsmodus und markieren die gewünschten Bereiche wie in einer Textverarbeitung. Da die Eingabe großer Textblöcke im Textrahmen recht unkomfortabel ist, bringt Scribus für solche Zwecke einen integrierten Texteditor mit, den die Tastenkombination Strg-Y auf den Plan ruft.

Effekte wie Transparenz und Schatten peppen Drucksachen auf, allerdings muss man bei Scribus mit einigen Einschränkungen leben: Das Programm verfügt zwar über einige Transparenz-Features und die Deckkraft von Umriss und Füllung kann abhängig von der Farbe getrennt eingestellt werden, aber bei Text funktioniert das nur für den gesamten Textrahmen, nicht jedoch für einzelne Wörter oder Zeichen. Was Scribus im Vergleich zu QuarkXpress und Indesign auch noch fehlt, ist ein für jedes Objekt automatisch berechneter, teildeckender und weicher Schatten. Um trotzdem in Scribus-Dokumenten Akzente mit einem Schatten zu setzen, muss man den Umweg über eine Bildbearbeitung wie Gimp gehen und einen dort erzeugten Schatten als TIFF-Datei speichern, die man dann als Grafik in Scribus einfügen kann.

Zusätzliche Seiten fügen Sie über das Menü Seite ein. Im Hinzufügen-Dialog legen Sie die Anzahl fest und entscheiden, ob sie vor oder nach der aktuellen Seite eingefügt werden sollen. Ein interessantes Feature von Scribus ist die Möglichkeit, innerhalb eines Dokuments unterschiedliche Seitenformate zu verwenden. Will man die Reihenfolge der Seiten später ändern, erledigt das der Dialog "Seiten anordnen" im Fenster-Menü.

Die neu angelegte Seite des Fotobuchs soll drei untereinander stehende Bilder mit je einer kurzen Beschreibung auf der rechten Seite enthalten. Um nicht alles doppelt machen zu müssen, legen Sie zunächst nur einen Bild- und Textrahmen an, markieren beide und fassen sie mit der Tastenkombination Strg-G zu einer Gruppe zusammen. Über "Objekt/Mehrfach duplizieren" aus dem Menü erzeugen Sie zwei Kopien. Da die drei Gruppen untereinander stehen sollen, muss der Wert für den horizontalen Versatz 0 betragen, bei der vertikalen Verschiebung gilt es auszuprobieren, was am besten wirkt. Bei unserem Beispiel haben wir uns für 55 Millimeter entschieden. Um mehrere bereits vorhandene Objekte im Nachhinein anzuordnen, verwenden Sie dagegen die Funktion "Ausrichten und Verteilen".

Ein sehr praktischer Helfer ist die Palette "Dokumentstruktur", vor allem dann, wenn Seiten zunehmend komplexer werden. Hier listet Scribus alle Seiten mit ihren Gruppen und Elementen in einer hierarchischen Struktur auf. Per Klick auf ein Element wird dieses auf der Seite markiert. Das ist besonders nützlich, wenn man ein im Hintergrund liegendes – und daher dem Mauszeiger nicht zugängliches – Objekt bearbeiten will. Mit dieser Funktion lassen sich auch tief in Gruppen verschachtelte Textrahmen komfortabel auswählen. Für die Beschreibung der Bilder legen Sie am besten eine Absatzstilvorlage an. Die Arbeit mit Stilvorlagen hat den Vorteil, dass man Änderungen an der Formatierung nur einmal in der Vorlage vornehmen und nicht jede betreffende Stelle im Dokument von Hand markieren und anpassen muss. Bislang beherrscht Scribus nur Absatzstilvorlagen. Zeichenstilvorlagen, also solche, die nur einzelne Wörter oder Zeichen eines Absatzes beeinflussen, kennt das Programm nicht, was man aber nur bei sehr textlastigen Dokumenten vermisst. Neue Absatzvorlagen legen Sie über "Bearbeiten/Stilvorlagen bearbeiten" im Menü des integrierten Texteditors an. Darin können Sie beispielsweise Schriftart, -farbe und -größe sowie Einzüge und Abstände festlegen.

Für die folgenden Seiten gehen Sie analog vor. Variieren Sie das Layout zum Beispiel mit einem kreisrunden oder andersförmigen Bildrahmen oder experimentieren Sie mit Linienfarben und -stilen der Bildrahmen sowie mit Transparenz. Für den Export wählen Sie am besten das PDF-Format. Wenn Transparenz im Dokument verwendet wird, sollte es mindestens die PDF-Version 1.4 sein. Möchten Sie das Dokument bei einem Dienstleister drucken lassen, müssen Sie sich jedoch vorher erkundigen, ob er PDF-1.4-Dokumente verarbeiten kann.

Etwas komplexer wird das Erstellen längerer Dokumente mit viel Text, der über mehrere Seiten läuft. Doch auch für Vorhaben wie eine Vereinszeitschrift oder eine Info-Broschüre ist Scribus gut gerüstet. Für eine Info-Broschüre definieren Sie ein neues Dokument im Format DIN A5 mit jeweils 15 mm Seitenrand, nur für "oben" oder "unten" wählen Sie 30 mm, um dort eine Kopf- beziehungsweise Fußzeile und die Seitenzahl unterzubringen. Wählen Sie als Seitenlayout "Doppelseite", damit Sie je eine Musterseite für links und rechts anlegen können.

Musterseiten sind quasi Stilvorlagen für Seiten mit unterschiedlich angeordneten Bild- und Textkombinationen. Sie ersparen einem bei längeren Dokumenten viel Arbeit, da sie alle Elemente aufnehmen, die auf jeder Seite des Dokuments erscheinen sollen. Meistens enthalten Musterseiten für Broschüren eine Kopf- oder Fußzeile mit der Seitenzahl, dem Titel der Publikation und eventuell noch ein grafisches Element wie einen Trennstreifen zum Text. Ein Manko der Musterseiten von Scribus liegt darin, dass sich im Gegensatz zu anderen DTP-Programmen die vordefinierten Elemente auf den Seiten, denen man die Musterseite zuweist, nicht mehr modifizieren lassen.

Aktivieren Sie beim Anlegen des Dokuments auch "Automatische Textrahmen" und wählen Sie eine Spaltenzahl von zwei. Scribus legt dann automatisch verkettete Textrahmen innerhalb der vorgegebenen Seitenränder an. Oben rechts im Dialog können Sie zusätzlich die Anzahl der Seiten vorgeben.

Erstellen Sie nun das Dokument und beginnen Sie damit, die Musterseiten einzurichten. Diese sollten nur die Elemente enthalten, die auf allen Seiten der Broschüre vorhanden sein sollen, in unserem Beispiel also eine Kopfzeile und die Seitenzahl. Öffnen Sie dazu die Palette "Seiten anordnen" aus dem Fenstermenü, um einen Überblick über alle Seiten des Dokuments zu haben. Das sich öffnende Fenster zeigt alle Seiten des Dokuments in einer grafischen Übersicht an und stellt darüber die Seitenvorlagen dar. Scribus legt auch bei doppelseitigen Dokumenten nur eine Musterseite an und zwar die für die rechte Seite. Um die Kopfzeile einmal links- und einmal rechtsbündig zu positionieren, fügen Sie eine linke Musterseite hinzu. Zunächst formatieren Sie die Kopfzeile auf den beiden Musterseiten in einem Textrahmen entsprechend links- und rechtsbündig. Um auf der gegenüberliegenden Seite des Textrahmens die Seitenzahl zusetzen, verwenden Sie Tabulatoren, die inzwischen sehr komfortabel in Scribus funktionieren.

Achten Sie beim Editieren von Text in einem Textrahmen darauf, wie sich die Anzeige des oberen Lineals verändert. Hier können Sie direkt mit der Maus Tabulatordefinitionen vornehmen. Eine im Textrahmen sichtbare Hilfslinie zeigt dabei, wo Sie sich gerade befinden, während Sie den Tabulator mit der Maus verschieben. Durch Linksklick auf einen bestehenden Tabulator ändern Sie diesen von linksbündig nach rechtsbündig oder in einen Dezimaltabulator. Zum Einfügen von Spezial- und Sonderzeichen hält Scribus im Menü Einfügen verschiedene Hilfen bereit: Unter Zeichen öffnet sich ein Dialogfenster mit allen Zeichen eines Schriftschnittes. Um für die Kopfzeile automatische Seitenzahlen auf den Musterseiten zu platzieren, wählen Sie "Einfügen/Zeichen/Seitenzahl".

Die fertigen Vorlagen müssen Sie danach nur noch im Menü "Seite" in eine Musterseite umwandeln. Einer Seite diese Stilvorlage zuzuweisen gelingt ebenso schnell: Klicken Sie dazu im Dokument mit der rechten Maustaste auf die Seite, wählen Sie "Musterseite zuweisen" aus dem Kontextmenü und markieren Sie im folgenden Dialog die gewünschte Vorlage.

Sobald es darum geht, längere Texte einzugeben, ist die Arbeit im Textrahmen alles andere als komfortabel. Hier bietet sich die Arbeit mit dem integrierten Text- beziehungsweise Story-Editor von Scribus an, der an eine schlanke Textverarbeitung erinnert. In der linken Spalte zeigt er die den einzelnen Absätzen zugewiesenen Stilvorlagen an, die sich dort per Mausklick ändern lassen. Über die Werkzeugleiste können Sie Textformatierungen wie Schriftart und Größe anpassen und Ausrichtung und Einzüge der Absätze festlegen.

Da eine Info-Broschüre im Bleiwüstenstil, also viel Text ohne Bilder, wohl niemand gerne liest, dürfen einem solchen Dokument auch grafische Elemente nicht fehlen. Beim Einfügen verdrängen diese den vorhandenen Text nicht, sondern überlagern ihn. Damit der Text grafische Elemente umfließt, aktivieren Sie im Eigenschaften-Dialog des grafischen Elements unter Form die Option "Text umfließt Rahmen". Als Umflussbereich lässt sich entweder der rechteckige Rahmen um jedes Bildelement (Bounding Box) oder der genaue Objektumriss definieren. Einstellmöglichkeiten, die den Abstand des Textes vom Objekt beeinflussen, gibt es bei Scribus leider noch nicht. Um dennoch die gewünschten Abstände zu erhalten, kann man jedoch mit einem unsichtbaren Hilfsrahmen arbeiten.

Will man erst alle Grafiken platzieren, kann man mit der Beispieltextfunktion vorab testen, wie das Ergebnis wirkt. Wenn Sie aus dem Kontextmenü eines Textrahmens die Option Beispieltext wählen, öffnet Scribus einen Dialog, in dem das Programm unzählige Sprachvarianten von Blindtext anbietet. Der Wert im unteren Feld bestimmt, wieviele Absätze Blindtext eingefügt werden.

Mit ein wenig Übung gehen Layouts für Fotobücher, Kalender und mit etwas mehr Erfahrung sogar Vereinszeitschriften und Info-Broschüren in Scribus leicht von der Hand. Dabei muss sich Scribus in vielen Einsatzbereichen nicht vor den etablierten DTP-Größen verstecken, auch wenn dem Programm noch einige Features fehlen.

Wer im Web nach Fotobuchdienstleistern sucht, findet mittlerweile ein respektables Angebot vor, zu den Bekanntesten gehört wohl fotobuch.de. Fast alle setzen auf eine eigene Gestaltungssoftware, um einerseits dem – in der Regel unerfahrenen – Kunden das Layouten zu erleichtern, aber vor allem um Bestellung sowie Datenqualität und -übermittlung zu optimieren. Denn die günstigen Preise können die Service-Anbieter nur halten, indem sie den Druckauftrag schnell und problemlos abwickeln. Genau das ist aber recht unwahrscheinlich, wenn beispielsweise ein Gelegenheitsnutzer seine in Word gestalteten Vorlagen mit den Standardeinstellungen eines minderwertigen PDF-Konverters "drucktauglich" macht: Fehlende Schriften verzögern – und verteuern – dann die Produktion, falsche Farbeinstellungen führen zu für den Kunden enttäuschenden Ergebnissen und schlechter PDF-Code vereitelt das Drucken gänzlich. Doch die Beschränkung auf die Software von der Stange schließt nicht nur ungewöhnliche Ideen aus, sondern oft auch Nutzer von Betriebssystemen außerhalb der Windows-Welt.

Zu den spärlichen Ausnahmen, die auch eigene im PDF-Format angelieferte Designs drucken, gehört Fotobuch-XXL. Der Dienstleister Pixopolis akzeptiert immerhin noch JPEG-Dateien, wozu man sämtliche Seiten als einzelne JPEGs exportieren, nach einem bestimmten Standard benennen und als CD zusenden muss. Alternativ findet man vor allem in größeren Städten Druckereien oder Copyshops, die das Selbstgestaltete günstig im Digitaldruck produzieren und binden. Abstriche muss man dann mitunter beim Umschlag machen, der bei diesen weniger spezialisierten Dienstleistern im Standarddesign daherkommt.

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