Datenlöschdienste im Vergleich: Persönliche Daten im Internet löschen
| 💡 Das Wichtigste in Kürze |
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Persönliche Daten sind die Währung des 21. Jahrhunderts. Wann immer etwas im Netz vermeintlich kostenlos ist, können Sie sicher sein, dass zumindest ein Datum – etwa eine E-Mail-Adresse – Voraussetzung ist, um das kostenlose Produkt zu erhalten. Das müssen nicht nur Gratis-Zeitschriften oder Gewinnspiele sein: Ganze Netzwerke – ja, wir schauen auf Euch, Google und Facebook – können ihre Dienste nur deshalb kostenlos anbieten, weil Nutzer tagtäglich mit Daten bezahlen. Neben persönlichen Informationen auch in Form von Cloud-Uploads oder einem Tracking des Surfverhaltens. Kurzum: Auch im Internet gilt die Regel, dass nichts im Leben umsonst ist.
Leaks, Identitätsdiebstahl & Co.: Persönliche Daten schützen
Die Datensammelwut seriöser Anbieter weckt natürlich auch Begehrlichkeiten bei Datenhändlern, seriösen wie kriminellen. Diese versuchen laufend, Daten abzugreifen. Schon kleine Sicherheitslücken können dabei große Mengen Benutzerdaten freisetzen – von Namen und E-Mail-Adressen über Telefonnummern hin zu Kreditdaten-Daten und Passwörtern. Über das Darknet oder einschlägige Adresshändler verteilen sich diese persönlichen Informationen dann weiter. Eine gängige Folge sind Spam und Scam-Versuche, es kann aber auch schlimmer kommen: Dann werden etwa Login-Daten missbraucht oder ganze Online-Identitäten gestohlen.
Deshalb sollte man Daten im Netz nur sparsam preisgeben und wenn möglich wertlos machen – etwa durch Wegwerf-E-Mail-Adressen oder falsche Daten. Allerdings reicht oft die Teilnahme in einem dubiosen Gewinnspiel, das zwingend echte Daten benötigt, um die Daten bei Adresshändlern und möglicherweise noch viel weiter zu streuen. Dementsprechend hoch ist die Zahl der Nutzer, die von Datenhandel betroffen sind und in der Folge mit Spam, Betrugsversuchen, ja sogar Werbepost genervt werden oder mit ernsthaften Problemen wie Identitätsdiebstahl rechnen müssen.
Datenlöschdienste: Persönliche Daten aus dem Netz entfernen
Sogenannte Data-Deletion- oder Datenlöschdienste versprechen, dem Problem entgegenzuwirken. Dazu haben sie einen direkten Draht zu einer Vielzahl von Websites und Datenhändlern. Sie können Daten wie Name, Alter, Wohnsitz, Ehestatus, Beruf, E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Bankdaten von den Händlern entfernen lassen. Gleichzeitig setzen sie gegebenenfalls juristischen Druck ein, um strenge Datenschutzgesetze wie die DSGVO oder die kalifornische CCPA umzusetzen. Das erfolgt weitestgehend automatisiert. Dadurch sind Datenlöschdienste theoretisch in der Lage, persönliche Daten schnell und in großem Umfang bei den bekannten Adresshändlern und Websites löschen zu lassen.
Nachteile von Datenlöschdiensten
Leider sind auch die Datenlöschdienste nicht allmächtig. Tauchen persönliche Daten im Darknet auf, sind die Möglichkeiten zur Löschung stark eingeschränkt. Statt die Daten also an der Quelle zu entfernen, kann die Dienste meist nur an anderer Stelle eine Löschung erwirken – nämlich bei Websites und Datenbrokern, die ebendiese Daten für eigene Zwecke verwenden.
Zudem erfordern Datenlöschdienste ein gewisses Grundvertrauen. Denn diese müssen die sensiblen Daten auch selbst einsammeln, um deren zielgenaue Löschung zu veranlassen und sie mit den Listen der Adresshändler abzugleichen. Daraus ergibt sich naturgemäß ein neues Risiko für Datenstreuung im Netz, zumal die meisten Dienste in den USA sesshaft sind. Hier lauert auch ein weiterer Stolperstein: Viele Anbieter bieten gar keine Datenlöschung für Deutschland oder Europa an.
Dennoch: Es kann ratsam sein, einen Datenlöschdienst zu konsultieren, ehe die Daten in den dunklen Kanälen landen – etwa durch ein Datenleck bei einem Adresshändler. Schon aus Gründen des Schutzes vor Spam und Betrugsversuchen, telefonisch oder per Mail, oder zum Reduzieren von Werbepost kann sich der Einsatz lohnen.
Data-Removal-Dienste im Überblick
Im Folgenden stellen wir verschiedene Anbieter zur Löschung von persönlichen Daten vor. Wir konzentrieren uns dabei auf jene Dienste, die (auch) in der EU verfügbar sind.
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Incogni: Viel beworben, bekannt und solide
Das vom VPN-Anbieter Surfshark gegründete Incogni* verspricht, automatisiert Daten von über 420 Datenbrokern zu löschen. Zudem hilft der Dienst bei persönlichen Datenlösch-Anfragen und unterstützt bis zu 1.000 zusätzliche Websites. Incogni scannt die Datenbanken der Anbieter auf die vom Nutzer angegebenen Daten und sendet automatisiert Löschanfragen. Dadurch soll die „Aussetzung zu Spam und Betrug“ reduziert werden. Laut eigener Aussage hat Incogni als einziger Dienst im Vergleich eine unabhängige Prüfung durch Deloitte im Jahr 2025 durchlaufen. Diese bestätigte unter anderem, dass Incogni von jedem Broker eine Bestätigung fordert, alle 60 bis 90 Tage wiederkehrende Löschanfragen sendet und in keiner Verbindung zu Datenbrokern steht.
(Bild: Screenshot)
Der Data-Removal-Dienst bietet verschiedene Abomodelle an, mit denen laufend Daten aus dem Netz entfernt werden können. Gleichzeitig überwacht er auch laufend, ob die Daten an einem anderen Ort neu auftauchen. Stößt der User selbst auf Daten, kann er Incogni nutzen, um diese löschen zu lassen, was allerdings das jährliche Unlimited-Abo für 14,27 € pro Monat erfordert. Günstiger geht es im Bundle Surfshark One+* inklusive VPN-Zugang, welches allerdings nur den Standard-Plan von Incogni beinhaltet.
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Vorteile
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Nachteile
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Ab 7,13 € pro Monat*
Privacy Bee: Dienst mit Panikmache
Privacy Bee verspricht genau wie Incogni, Daten auch für deutsche Nutzer aus dem Netz zu löschen. Der Webauftritt wirkt modern, ist aber auf Panikmache angelegt: Demnach schütze der Dienst sogar vor physischen Bedrohungen wie Diebstahl. Tatsächlich mag ein Datenlöschdienst hier zwar Risiken reduzieren können, er ist aber kein solcher Sicherheits-Allrounder, wie es das Marketing darstellt.
(Bild: Screenshot)
Wer den kostenlosen Scanner direkt auf der Startseite nutzen möchte, muss zunächst eine ganze Reihe persönlicher Daten angeben und erhält anschließend ein Dashboard mit undurchsichtiger „Privacy Risk Score“. Zu einer seit 20 Jahren aktiven E-Mail-Adresse werden 314 Probleme gefunden, die aber bei Klick keinerlei Gehalt haben. Gleichzeitig warnt ein Störer Nicht-Abonnenten mit „NOT PROTECTED“. Wer mehr wissen oder gar löschen will, muss eines der Abos kaufen.
Nach eigenen Angaben ermittelt und löscht die Privatsphären-Biene (übrigens nicht zu verwechseln mit dem Cookie-Banner gleichen Namens) persönliche Daten bei mehr als 928 Datenhändlern und über 182.000 Websites. Um auf das volle Programm zugreifen zu können, ist jedoch ein Pro-Abo von 18 US-Dollar im Monat notwendig, wobei der Dienst dann aber zahlreiche Datenschutz-Maßnahmen ergreifen kann, darunter sogar das Verbergen von Häusern auf Google Maps oder Street View. Der Dienst verspricht, Suchmaschinen zu überwachen und Datenlecks im Darknet aufspüren (aber nicht löschen) zu können.
Datenlösch-Anfragen dauern zwischen einem und drei Tagen, wenn Dienste automatische Löschfunktionen bieten. Bei manueller Intervention kann eine Löschung bis zu 45 Tagen dauern. Wenn juristische Schritte notwendig sind, können es sogar Monate sein.
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Vorteile
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Nachteile
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Ab 8,00 US-$ pro Monat
DeleteMe: Datenlöschung ohne Abo
DeleteMe konzentriert sich ausschließlich auf Datenhändler und die Entfernung von Daten aus dem Netz, ganz ohne reißerische Versprechungen, Datensammelei oder Panikmache. Dazu bietet der Dienst zwei KI-gestützte Scan-Methoden: Einen Digital Footprint-Scan und eine Darknet-Suche, um das Ausmaß geleakter Informationen zu erfassen. Statt einer automatisierten Datenlöschung gibt der Dienst in diesen Fällen Hinweise, was händisch zu tun ist. Etwa bei im Darknet geleakten Zugangsdaten die Empfehlung, alle Accounts mit der betroffenen E-Mail-Adresse mit neuen, stärkeren Passwörtern zu versehen.
(Bild: Screenshot)
Für Anwender, die konkret Informationen aus dem Netz entfernt haben möchten, bietet DeleteMe ebenfalls entsprechende Dienstleistungen an: So bietet der Dienst eine Suchmaschinen-Entfernung für die Sicherstellung der digitalen Reputation an. Hier müssen Anwender persönliche Daten angeben, um diese von Google und Co. entfernen zu lassen. Außerdem prüft DeleteMe, ob ein Anbieter in der Vergangenheit ein Datenleck hatte. Kunden können dann punktuell eine Datenlöschung bei diesen Unternehmen und Plattformen veranlassen.
Der Dienst bietet zudem eine kontinuierliche Überwachung, ob neue Daten bei Datenbrokern auftauchen, und gibt Nutzern Bescheid, wenn etwas gelöscht werden sollte. Da es sich bei DeleteMe um eine manuelle Dienstleistung handelt, die auch für Unternehmen angeboten wird, sind die einzelnen Lösch-Dienste relativ teuer. So kostet die Entfernung eines Links aus einer Suchmaschine einmalig 99 €. Dafür ist DeleteMe sehr treffsicher und effizient.
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Vorteile
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Nachteile
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Preise auf Anfrage
Aura, LifeLock oder Optery: Leider nicht in Europa
Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Data-Deletion-Dienste, darunter Aura, Norton LifeLock oder Optery. Die haben, genau wie die drei vorgenannten Dienste, ihr Hauptquartier in den Vereinigten Staaten, bieten ihre Dienste jedoch nicht für Kunden außerhalb der USA an. Damit ist keiner der anderen Dienste derzeit für europäische oder deutsche Nutzer interessant.
Tipp: Vorbeugen statt nachsorgen
Datenlöschdienste helfen erst, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und Daten in Adresslisten, auf Websites oder im Darknet auftauchen. Umso wichtiger ist für jeden Nutzer das Bewusstsein, dass jede persönliche Angabe bei jedem Service ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellt.
Dementsprechend ist Datensparsamkeit angesagt: Man sollte sich nur bei Diensten registrieren, die man auch nutzen möchte – und dort auch nur so viele Daten angeben, wie unbedingt nötig. Ist ein Formularfeld als Pflichtangabe markiert, obwohl die Information zur Nutzung des Dienstes nicht relevant ist, kann man auch schlicht falsche oder abgewandelte Angaben machen. Um hier nicht den Überblick zu verlieren, ist die Nutzung eines Passwort-Manager (Vergleich) ratsam. Diese erleichtern es außerdem, alle Dienste mit individuellen, sicheren Passwörtern zu benutzen. Einen vorbeugenden Schutz vor persönlichen Datenlecks bieten auch Dienste für Wegwerf-E-Mail-Adressen oder alternative Identitäten, etwa die Funktion "Alternative ID"* in Surfshark.
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Besonders beliebte Angriffspunkte für Datendiebe sind Zahlungs- und Shopping-Plattformen. Hier reicht oft ein kleines Sicherheitsleck für einen großen Daten-Durchbruch. Enorme Datenschleudern sind auch Gewinnspiele im Netz, die nicht selten ausschließlich der Datensammlung dienen. Nicht mehr benötigte Benutzerkonten – etwa bei Online-Händlern oder Internet-Plattformen – sollten zeitnah gelöscht werden. Wer Werbung vermeiden will, kann sich zudem in der Robinsonliste eintragen, an die sich seriöse Anbieter halten.
Fazit: Feuer vermeiden statt löschen
Am Ende des Tages bewegen sich die Datenlösch-Dienste zwischen nützlichem Helfer und Schlangenöl: Es ist sinnvoll, Daten aus Adresshändler-Listen, Websites oder Suchmaschinen mittels Löschanfrage oder Datenschutzgesetzen zu tilgen, schon weil hier immer das Risiko besteht, dass diese in ein Datenleck geraten und noch stärker missbraucht werden. Gleichzeitig können die Dienste aber dem größten Teil des Datenhandels – nämlich dem illegalen, der im Darknet stattfindet – in der Regel nicht Herr werden.
Panikmache wie bei Privacy Bee verbietet sich in diesem Zusammenhang: Es ist normalerweise kein Weltuntergang, wenn etwa die E-Mail-Adresse im Darknet auftaucht. Das zeigen so manche Passwort-Tools sogar automatisch an. Wichtig ist in diesen Fällen eine gute Passwort-Hygiene: Niemals das gleiche Passwort für mehrere Dienste verwenden, komplexe Passwörter nutzen, Passwörter aus Datenlecks ändern! In Kombination mit guten Spamfiltern und der Funktion, unbekannte Anrufer stummzuschalten, ist zumindest dem Spam-Aufkommen damit auch ohne zusätzlichen Anbieter Herr zu werden.
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Redaktion & Aktualisierung: heise Download-Team
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