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Beitrag von
Dieter Brors
heise Download Content Team

Foto-Panoramen

Themen-Special: Foto-Panoramen mit wenigen Klicks

Wer Landschaften, Plätze oder Gebäude wirkungsvoll in Szene setzen will, sollte sie in Teilen fotografieren und am Rechner zu einem Panorama zusammensetzen – die Ergebnisse sind verblüffend. Geeignete Software gibt es sogar gratis.

Um solche Panoramen zu fotografieren, braucht man noch nicht einmal ein sperriges Stativ mitzuschleppen. Es genügt vollkommen, die Minimalausrüstung einzupacken, denn moderne Panorama-Programme kommen im Unterschied zu ihren Ahnen auch mit Freihandaufnahmen wunderbar zurecht.

Das notwendige Bildmaterial erzeugt man, indem man die Szene in mehreren Einzelbildern oder, wenn das Motiv es hergibt, einmal rundherum, also die vollen 360 Grad erfassend, fotografiert. Dabei sollten sich die Bilder um etwa ein Drittel überlappen. Die meisten Programme kommen auch mit geringerer Überlappung zurecht, sodass man es nicht so genau nehmen muss. Es empfiehlt sich allerdings, die Kamera möglichst gerade zu halten, da größere Schwankungen im fertigen Panoramabild zu starkem Verschnitt am oberen oder unteren Rand führen.

Die auch "Stitcher" genannten Programme "nähen" diese Einzelbilder auf dem PC zu einem großen Ganzen zusammen und speichern es als Bild oder als QuickTime-VR-Movie, das man am Bildschirm fast so betrachten kann, als stünde man mitten in der Szene. Diese 360-Grad-Panoramen zeigt der kostenlose QuickTime-Player nahtlos an.

Die Palette der erhältlichen Stitch-Programme reicht vom kostenlosen Tool, das alles automatisch erledigt, bis zum mehrere hundert Euro teuren Profi-Werkzeug, das auch schwierige Einzelbilder zusammensetzen kann, bei denen die meisten anderen Stitcher versagen.

AutoStitch entstand in einem Forschungslabor der Universität in British Columbia (Kanada) und soll die Leistungsfähigkeit des dort entwickelten und patentierten Algorithmus demonstrieren. Die frei verfügbare Technologie-Demo verzichtet auf jeglichen Schnickschnack und nimmt dem Benutzer fast alle Arbeit ab. Es empfiehlt sich, Einstellungen wie die Ausgabegröße vor dem Importieren der Bilder einzustellen, da AutoStitch danach sofort startet und sich nicht mehr unterbrechen lässt.

Die Reihenfolge der Einzelbilder, die auch in mehreren Reihen übereinander liegen dürfen, erkennt das Programm automatisch. Damit kann der Benutzer auch den Inhalt eines kompletten Verzeichnisses einfach auswählen; AutoStitch findet selbst heraus, welche Bilder zusammenpassen, und sortiert die restlichen aus. Sind in den Fotomotiven genügend Details vorhanden, funktioniert dies zuverlässig, mit Landschaftsaufnahmen gelingt es aber nicht immer.

Insbesondere beim Umgang mit Freihandaufnahmen kann das Gratis-Programm überzeugen, produziert es doch oft Ergebnisse, die sich mit anderen Stitchern erst durch viel Handarbeit erzielen lassen. Einen Versuch ist es also immer wert. Kann das Resultat der Automatik nicht überzeugen, zieht man halt einen der anderen, im Folgenden vorgestellten Stitcher heran, denn Eingriffsmöglichkeiten zur Korrektur von Fehlern bietet AutoStitch nicht.

Die Oberfläche der Freeware Hugin gibt alle Arbeitsschritte vom Laden der Bilder bis zur Ausgabe des fertigen Panoramas auf fünf Registerseiten grob vor. Doch wer die Seiten einfach von links nach rechts abarbeitet, wird kaum das erwartete Ergebnis erzielen. Damit Hugin ein hochwertiges Resultat erzeugt, muss der Anwender immer wieder Zwischenschritte einlegen und zwischen den Registerseiten hin und her wechseln. Zudem gibt es eine Vielzahl an Parametern, die Fachwissen erfordern. Wer hier unbedacht einen Wert ändert, macht das Panorama sehr schnell unbrauchbar. Doch mit Fachliteratur muss man sich nicht unbedingt befassen, denn die meisten Einstellungen berechnet das Programm auf Wunsch automatisch.

Die meiste Zeit vergeht damit, in den Überlappungsbereichen aller Bilderpaare mehrere markante Stellen zu setzen. Deren Anzahl und Verteilung bestimmen später die Qualität des Panoramas. Oft genügen schon drei oder vier dieser Kontrollpunkte, mitunter sind aber bis zu zehn nötig. Diese durchaus abendfüllende Arbeit kann man erfreulicherweise mit Hilfe des Zusatztools autopano-sift auf wenige Minuten reduzieren: Es integriert sich in die Hugin-Oberfläche und findet automatisch passende Stellen in den Überlappungen.

Die übers Menü "Ansicht" einblendbare Vorschau erlaubt die Kontrolle des zu erwartenden Panoramas vor dem Stitchen. Über zwei Schieberegler lässt sich das Bild horizontal und vertikal zuschneiden, was das Nachbearbeiten in einem separaten Bildbearbeitungsprogramm in vielen Fällen erübrigt. Zum schnellen Zusammenfügen genügt es, den gewünschten Typ wie "hochwertiges JPG-Bild" oder "hochwertiges TIFF-Bild" aus einer Auswahlliste zu wählen. Hugin stellt dann automatisch alle weiteren Parameter ein. Der Stitcher-Lauf generiert anschließend das fertige Panorama, was je nach Anzahl der Bilder und Größe allerdings eine halbe Stunde bis zu mehreren Stunden dauern kann.

In ImageAssembler verhilft ein Assistent zu schnellen Resultaten, indem er vom Laden der Bilder bis zum Erzeugen der Panoramen alle Schritte vorgibt. Alles weitere erledigt die ImageAssembler-Automatik in wenigen Minuten, die bei unkritischem Fotomaterial fast perfekte Panoramen berechnet. Dabei gleicht sie auch starke Helligkeitsunterschiede perfekt aus, selbst wenn ein Teil der Bilder durch Gegenlicht stark unterbelichtet wurde.

Führt die Automatik nicht zu akzeptablen Resultaten, kann der Anwender selbst Hand anlegen und im manuellen Modus ähnlich wie in Hugin Kontrollpunkte setzen. Meist benötigt ImageAssembler drei bis fünf pro Bildpaar. Dank einer aussagekräftigen Vorschau erfährt man in annehmbarer Zeit, wie sich ein neuer oder versetzter Punkt auswirkt. Manchmal muss man aber mit der Position einzelner Ankerpunkte experimentieren, damit das Vorschauergebnis ansehnlich aussieht.

Im PanoramaStudio genügt es, die sich überlappenden Einzelbilder zu laden und eventuell ihre Reihenfolge anzupassen. Aus den EXIF-Daten der Bilddateien übernimmt das Programm alle vorhandenen Informationen zur benutzten Digitalkamera und zur Brennweite, um daraus anhand einer eingebauten Datenbank mit mehr als 600 Digitalkameras das 35-Millimeter-Äquivalent zu errechnen. Mit diesem einheitlichen Wert arbeitet das Programm intern, um die durch die Kameradrehung entstandenen Perspektivverzerrungen auszugleichen.
Auch Helligkeitsunterschiede der Einzelbilder passt PanoramaStudio automatisch so gut an, dass man nur selten eingreifen muss. Diverse Nachbearbeitungsfunktionen erlauben es unter anderem, Detailkorrekturen im fertigen Panorama vorzunehmen. Das ist zum Beispiel nützlich, um über Bildgrenzen hinweg laufende Linien, die im fertigen Panorama nicht exakt zusammenpassen, anhand einzelner so genannter Kacheln zurechtzurücken.

PanoramaStudio glänzt aber auch bei Aufnahmen, in deren Überlappungsbereich sich etwa Menschen oder Autos durch die Szene bewegt haben. Während andere Stitcher dann meist "Geisterobjekte" erzeugen, die unter Umständen sogar mehrfach durchsichtig im Panorama erscheinen, kann das von Tobias Hüllmandel entwickelte Programm diese in vielen Fällen von vornherein vermeiden. Klappt das nicht, lassen sich die störenden Bereiche mit Hilfe der Korrekturfunktionen schnell beseitigen, zum Beispiel durch Verringern des Überlappungsbereichs im betroffenen Bilderpaar.

Schon durch seinen Preis richtet sich der Stitcher von Realviz eher an Profis denn an Amateurfotografen. Mit Automatik, Halbautomatik und manuellem Modus kennt er gleich drei Modi, von denen die Automatik allerdings weniger überzeugen kann. Recht schnell gelangt man dagegen mit der Halbautomatik ans Ziel. Hier muss der Anwender jedes Teilfoto zunächst grob zum Nachbarbild platzieren und per Stitch-Befehl zusammenschweißen. Ist dies mit allen Einzelfotos erledigt, erzeugt ein separater Render-Lauf das fertige Panorama. Das dauert zwar wesentlich länger als etwa in PanoramaStudio, dafür können die erzeugten Panoramen überzeugen: Sowohl Perspektive als auch Helligkeiten und Übergänge werden selbst in schwierigen Fällen sehr gut angeglichen.

Fast alle Arbeiten kann man im Realviz-Stitcher mit Hilfe der Halbautomatik erledigen, was mit etwas Übung ziemlich schnell geht. Zum manuellen Modus, in dem man wie in anderen Stitchern Kontrollpunkte setzt, dürfte man in der Praxis nur in Extremfällen greifen, wenn etwa ein Überlappungsbereich so klein ist, dass der Stitcher das Bildpaar nicht korrekt zusammensetzen kann. In solchen Fällen erscheint in der Halbautomatik eine Meldung auf dem Bildschirm, man solle für dieses Bildpaar in den manuellen Modus umschalten. Alle anderen Bilder sind dann nicht davon betroffen und können weiterhin zeitsparender gestitcht werden.

Diverse Werkzeuge helfen bereits im Vorfeld, Fehler zu vermeiden oder nachträglich auszumerzen. So entfernt etwa der "Zeichenstift" im Überlappungsbereich von Bildern störende Objekte, die sich an unterschiedlichen Stellen befinden und sonst zu Geisterbildern führen, etwa durch die Szene spazierende Passanten.

Auch bei The Panorama Factory führt ein Assistent den Panoramafotografen schnell zum Ziel. Obwohl der Hersteller vor dem automatischen Stitchen von Freihandaufnahmen warnt und den manuellen Modus empfiehlt, lohnt sich der Versuch, zumal dies nur wenige Minuten dauert. Wird beim Stitchen die optimale Überlappung von 20 Prozent unterschritten, gibt The Panorama Factory eine Warnung aus. Das muss aber keineswegs heißen, dass sich die Bilder nicht zusammensetzen lassen: Den Lauf sollte man ruhig erst einmal fortsetzen: im Test ließen sich zahlreiche Panoramen trotzdem nahtlos zusammenschweißen.

Zwar produziert die Automatik oft jede Menge Geisterbilder, ein paar Klicks genügen aber, sie durch Verkleinern einzelner Überlappungsbereiche aus dem Gesamtbild zu verbannen. Auch viele andere Fehler der Automatik lassen sich nachträglich durch Feintuning recht schnell ausbügeln. Kritische Stellen kann man zum Beispiel einfach per Zeichenstift entfernen.

Im manuellen Modus hilft die automatische Analyse beim Setzen der Kontrollpunkte. Durch farbliche Markierungen zeigt sie an, ob Position und Verteilung günstig liegen, sodass man die Punkte nicht auf gut Glück wählen muss. So kommt man auch bei kritischem Bildmaterial sehr schnell zu Resultaten, die sich sehen lassen können.

Fazit

Wer möglichst schnell Panoramen erzeugen will, sollte dies zunächst mit AutoStitchPanoramaStudio oder The Panorama Factory, deren Automatiken selbst mit schwierigem Fotomaterial gut zurechtkommen und die vor allem zahlreiche Funktionen bieten, um Fehler zu kontrollieren. Auch das Open-Source-Programm Hugin produziert hochwertige Panoramen, setzt aber viel Zeit und Geduld voraus, um Kontrollpunkte zu setzen und die Parameter zu optimieren – für ein gutes Bild sollte man ruhig einen Abend einkalkulieren. Schon durch seinen verhältnismäßig hohen Preis von rund 500 US-Dollar richtet sich der Realviz-Stitcher an Profifotografen, die mit Panoramen Geld verdienen, erzeugt dafür mit etwas Handarbeit aber kaum schlagbare Resultate.

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