Videokonferenz-Tools: Europäische Alternativen zu Skype, Teams & Co. im Vergleich
Sieben Dienste für Online-Meetings im Vergleich
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„Wir teamsen am Montag.“ Wenn dieser Satz am Telefon fällt, steht am Montag eine Videokonferenz über Microsoft Teams an. Die Software hat sich in den meisten Unternehmen fest als unkompliziertes Konferenz-Tool etabliert. Hinter dem nützlichen Werkzeug steht allerdings mit Microsoft ein Unternehmen aus den USA. Insbesondere, wer Teams oder andere außereuropäische Dienste in der Cloud nutzen möchte, nimmt gewisse Unsicherheiten beim Datenschutz in Kauf. In der zweiten Amtszeit von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten entwickeln sich weitere Gründe, europäische Alternativen zu US-Software auszuwählen.
Datenschutz von Teams, Zoom & Co.
Datenschutzprobleme können entstehen, wenn persönliche oder vertrauliche Daten von Unternehmen verarbeitet werden, die nicht an die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) gebunden sind. Gerade bei Chat- und Konferenzdiensten ist es an der Tagesordnung, dass man mit Kunden kommuniziert, personenbezogene Daten austauscht oder Mitarbeiter vertrauliche Firmeninterna besprechen. Hier muss man darauf vertrauen, dass außereuropäische Dienste wie Microsoft Teams, Google Meet, Zoom, Slack oder ehemals Skype die geteilten Dokumente und Informationen vertraulich behandeln.
Anders bei Diensten aus der EU: Diese sind gesetzlich an die strengen EU-Datenschutzstandards gebunden. Nachlässigkeiten haben für hier ansässige Unternehmen juristische Folgen und werden schnell teuer.
DSGVO-konforme Teams-Alternativen
Im deutschsprachigen Raum haben sich mehrere Teams-Konkurrenten etabliert, die neben hohen Datenschutz-Standards auch clevere Funktionen bieten. Dazu zählen etwa alfaview, luckymeet, Meetergo, Nextcloud Talk und OpenTalk. Bei diesen Diensten laufen die Konferenzen ausschließlich über Server in Deutschland. Alternativ kommen Hostpoint Meet und Infomaniak kMeet aus der Schweiz infrage. Für dieses Land existiert ein sogenannter Angemessenheitsbeschluss der EU, der den dortigen Unternehmen ein mit der DSGVO vergleichbares Datenschutzniveau unterstellt.
Alle genannten Videokonferenzssysteme verschlüsseln obendrein die komplette Kommunikation. Über die dabei verwendeten Verfahren erfährt man allerdings nur wenig. Nicht selbstverständlich ist zudem eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Bei ihr chiffrieren bereits die Geräte der Nutzer die Kommunikation, wodurch selbst der Anbieter die Konferenz nicht belauschen kann.
Funktionen und Features
Der Funktionsumfang der Videokonferenzlösungen orientiert sich sichtlich an Teams. So können alle Systeme mehrere Konferenzen gleichzeitig abhalten. Jede von ihnen bekommt ihren eigenen, virtuellen Konferenzraum. Den wiederum erreichen die Teilnehmer über einen einzigartigen Link. Er bleibt so lange bestehen, wie der Konferenzraum existiert. Die Mitglieder eines Teams können sich so jederzeit spontan zu einem Meeting treffen – sie müssen lediglich den Link aufrufen.
Neue Teilnehmer landen auf Wunsch erst einmal in einem Wartezimmer (teilweise Lobby genannt). Einlass gewähren ausgewählte Moderatoren, die später auch die Diskussion steuern und etwa Störenfriede stumm schalten. Verschiedene Ansichten beziehungsweise Layouts rücken den jeweiligen Sprecher in den Vordergrund oder verteilen alle Teilnehmer als Kacheln über den Schirm. Wer im Homeoffice sein unordentliches Arbeitszimmer nicht zeigen möchte, lässt den Hintergrund weichzeichnen oder ihn gegen ein Foto austauschen.
Sämtliche Videokonferenzlösungen erlauben es, den Bildschirm mit den anderen Gesprächspartnern zu teilen. Über einen parallel laufenden Text-Chat kommentieren die Teilnehmer die Diskussion oder teilen besprochene Links. Auf einem Whiteboard lassen sich Ideen skizzieren oder Informationen in Diagrammen festhalten. Einzig Hostpoint Meet verzichtet auf solch eine virtuelle Tafel.
7 Videokonferenz-Tools aus Deutschland & der Schweiz im Vergleich
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alfaview: Empfehlung für mehrsprachige Teams
Die in Karlsruhe ansässige alfaview GmbH betreibt keine eigenen Rechenzentren, sondern mietet sich bei der Telekom, Ionos, Hetzner, SysEleven und Noris Networks ein. In deren ISO 27001 zertifizierten Rechenzentren stehen über 500 Server, die exklusiv für alfaview Videokonferenzen vermitteln. Der gleichnamige Dienst erlaubt Konferenzen mit mehr als 500 Teilnehmern, ein genaueres Limit nennt der Anbieter allerdings nicht.
Besonders hervor sticht der „digitale Dolmetscher“: Auf Wunsch übersetzt alfaview live das gesprochene Wort in eine andere Sprache, was die Kommunikation in internationalen Teams vereinfacht. Ergänzend schreibt das Videokonferenzsystem die Gespräche mit und kann dieses Protokoll gleichzeitig übersetzen. Für die letztgenannte Funktion spannt alfaview allerdings die künstliche Intelligenz von DeepL und somit einen externen Dienst ein, der gleichwohl ebenfalls aus Deutschland stammt. Die Videokonferenzlösung unterstützt explizit Screenreader, erlaubt eine Tastatursteuerung und verwendet auf Wunsch eine kontrastreiche Optik. Eine automatisch erzeugte Anwesenheitsliste protokolliert bei Bedarf, wer wann an welchen Veranstaltungen teilgenommen hat.
Alfaview unterstützt über entsprechende Werkzeuge explizit die Barrierefreiheit.
(Bild: Screenshot)
Über eine Zweitkamera kann man etwa den Vortragenden an einer Tafel aus zwei Perspektiven präsentieren, mehrere Teilnehmer dürfen zudem gleichzeitig ihren Bildschirm teilen. Des Weiteren lassen sich der Referent und andere wichtige Teilnehmer als „VIP“ kennzeichnen. Das Live-Bild dieser Personen dürfen die Teilnehmer auf einen zweiten Bildschirm oder in ein externes Fenster schieben. Die virtuellen Konferenzräume lassen sich noch einmal in Abteilungen gruppieren. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Organisationsstruktur innerhalb von alfaview abbilden. Pro Konferenzraum stehen bis zu 50 Breakout Rooms zur Verfügung. Bei Prüfungen kann alfaview das Bild der Teilnehmer ausschließlich mit dem Prüfer teilen.
alfaview gibt es nur als Cloud-Dienst im Abonnement, wobei die Kosten vom buchenden Unternehmen abhängen. Während Privatpersonen einen kostenlosen Zugang mit eingeschränktem Funktionsumfang erhalten, zahlen Non-Profit-Organisationen mindestens 2 Euro pro Monat und Raum, während kommerziell agierende Unternehmen bei 2,51 Euro pro Monat starten. Die tatsächlich anfallenden Kosten verrät eine Tabelle auf der alfaview-Website. Über drei öffentliche Testräume kann man die Videokonferenzlösung unverbindlich ausprobieren. alfaview stellt Clients für alle großen Betriebssysteme bereit. Über entsprechende Schnittstellen integriert sich der Dienst in andere Webanwendungen, ergänzend stellt der Anbieter sogar ein SDK für PHP bereit.
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Vorteile
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Nachteile
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Fazit: Aufgrund der intelligenten Dolmetscherfunktionen eignet sich alfaview insbesondere für international aufgestellte Teams. In größeren Unternehmen erleichtert zudem die Gruppierung der Räume in Abteilungen die Organisation der Konferenzen. Durch die Unterstützung von Screenreadern und das Mitschreiben der Diskussion ist das Videokonferenzsystem besonders barrierefrei.
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Hostpoint Meet: Kostenlose Ad-hoc-Konferenzen
Die schweizer Hostpoint AG arbeitet eigentlich als Hoster, offeriert aber auch einige eigene Cloud-Dienste. Dazu gehört die Videokonferenzlösung Hostpoint Meet, die sich ohne Registrierung kostenlos mit einem Klick nutzen lässt. Auf der zugehörigen Website erstellt ein Klick auf „Meet starten“ direkt einen neuen Konferenzraum. Da der Name des Konferenzraums im Klartext in der URL steht, wird hier eine kryptische Zeichenfolge vorausgewählt – man kann dem Raum aber auch einen eigenen, sprechenden Titel geben. Hostpoint Meet kürt dabei automatisch den ersten Teilnehmer zum Moderator. Dieses Verhalten ist allerdings auch etwas gefährlich: Ist ein Kollege oder Angreifer schneller, kann dieser ungewollt die Konferenz übernehmen. Schützen lässt sich der Zugriff immerhin mit einem Passwort und einer vorgeschalteten Lobby.
Hinter Hostpoint Meet versteckt sich die Open-Source-Software Jitsi Meet, die allerdings hier nicht ihre vollen Fähigkeiten ausspielen darf. Unter anderem fehlt Hotspoint Meet ein Whiteboard. Immerhin lassen sich Kleingruppen in Breakout Rooms sperren. Die Videokonferenzlösung bietet zudem einen Chat und kann Videos im Vollbild abspielen – sofern diese über das Internet erreichbar sind. Eine kleine Statistik verrät, welche Teilnehmer die anderen besonders lange mit ihren Vorträgen unterhalten haben.
Hostpoint Meet bietet nur einige Funktionen des aktuellen Jitsi Meet, darunter Breakout Rooms und eine Sprechstatistik mit den Redezeiten.
(Bild: Screenshot)
Wer sich nicht über den Browser einklinken möchte, kann sich auf iOS-Geräten mit der App Hostpoint Meet verbinden, Android-Nutzer greifen zur App Jisti Meet. Über einen HTML-Schnipsel bindet man die Konferenz in die eigene Website ein. Die Kommunikation läuft zwar verschlüsselt über die entsprechenden Server in der Schweiz, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es jedoch nicht. Laut Hostpoint ist die Teilnehmerzahl prinzipiell unbegrenzt – das Maximum hängt hier von den Internetverbindungen der Teilnehmer ab. Hostpoint bietet die Videokonferenzlösung „bis auf Weiteres kostenlos“ an.
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Vorteile
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Nachteile
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Fazit: Hostpoint Meet ist zwar kostenlos, der Funktionsumfang hinkt jedoch etwas der Konkurrenz hinterher. Die Videokonferenzlösung eignet sich daher primär für alle, die keinen Dienst buchen wollen und nur hin und wieder schnell eine Konferenz abhalten wollen.
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Infomaniak kMeet: Komplette Groupware in der Cloud
Die in Genf ansässige Infomaniak Network AG offeriert ein umfangreiches Paket aus verschiedenen Kollaborationswerkzeugen. Diese kSuite enthält unter anderem einen Kalender, einen Chat und das Google Drive-Pendant kDrive. Mit diesen Komponenten arbeitet die ebenfalls enthaltene Videokonferenzlösung kMeet eng zusammen. So lassen sich etwa über den Kalender Konferenzen planen und Teilnehmer einladen. Auf Wunsch zeichnet kMeet Konferenzen auf und speichert sie in kDrive. Dort lässt sich dann für die Videodatei ein Freigabelink erstellen und die Aufzeichnung so mit anderen Konferenzteilnehmern teilen.
kMeet ist Bestandteil der kSuite, die mit uns standardmäßig Französisch sprach.
(Bild: Screenshot)
Die Kommunikation fließt nach Angaben des Unternehmens chiffriert über Server in der Schweiz. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es lediglich für die Nutzer des bereitgestellten Clients und einem auf Chromium basierenden Browser – zu letzteren zählen unter anderem Google Chrome und Microsoft Edge.
Abonnieren kann man kMeet nur im Rahmen der kSuite. Vorwiegend an Unternehmen richtet sich dabei das kSuite Pro getaufte Bündel, das bei 6,58 Euro pro Nutzer und Monat startet. Bei jährlicher Zahlung gibt Infomaniak einen Rabatt. Auf Wunsch stülpt der Anbieter dem System die Corporate Identity des buchenden Unternehmens über. Zum Kennenlernen existiert ein leicht abgespeckter, aber dauerhaft kostenloser Tarif für einen Nutzer. Primär für Privatanwender eignet sich das Bündel mykSuite. Zu ihm gehört zwar kMeet, nicht aber einige weitere Komponenten wie kChat.
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Vorteile
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Fazit: Wer bereits die kSuite nutzt, kann direkt auf kMeet zurückgreifen und profitiert dabei von der Verzahnung mit den anderen Diensten. Benötigt man nur das Videokonferenzmodul, fährt man mit anderen Lösungen mitunter günstiger.
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luckymeet: Erleichtert Webinare und Vorträge
Die luckycloud GmbH aus Berlin offeriert einen Cloud-Speicher, E-Mail- und Kalenderdienste, einen Chat und eine Videokonferenzlösung. Letztgenannte läuft unter dem Produktnamen luckymeet. Anders als bei Infomaniak kMeet und Nextcloud sind diese Dienste nicht miteinander verzahnt. Das Videokonferenzssystem basiert auf der Open-Source-Software BigBlueButton. Die Teilnahme an Konferenzen erfolgt derzeit ausschließlich über den Browser.
Vortragende können PDF-Dokumente, PowerPoint-Präsentationen und LibreOffice Impress-Dateien hochladen, die luckymeet dann auf dem Whiteboard einblendet. Das wiederum bietet von Haus aus mehrere Seiten, die sich mit den Zeichenwerkzeugen des Whiteboards bemalen und dann wieder als PDF-Datei exportieren lassen. Teilnehmer könne so die Anmerkungen des Vortragenden direkt mit nach Hause nehmen. Ergänzend steht ein virtueller Zettelkasten bereit, in dem die Teilnehmer Notizen und Ideen festhalten. Videos spielt luckymeet bildschirmfüllend ab und zeichnet umgekehrt auf Wunsch eine Konferenz auf.
luckymeet spendiert dem Whiteboard zwar mehrere Seiten, aber nur einfache Zeichenwerkzeuge.
(Bild: Screenshot)
Das Videokonferenzsystem unterscheidet zwischen Organisatoren und Moderatoren. Während erstgenannte neue Konferenzen anlegen und verwalten, sorgen Moderatoren für Ordnung in den Meetings. Die Aufenthaltsdauer in Breakout Rooms lässt sich zeitlich begrenzen, was sich vordergründig in Prüfungen als nützlich erweist. luckymeet lässt sich begrenzt an das eigene Corporate Design anpassen. Im Wesentlichen darf man dabei ein Logo hochladen und ein angepasstes Farbschema wählen.
Auch luckymeet ist nur im Abonnement zu haben. Die Kosten hängen von der Anzahl der Nutzer, der Zahl der gleichzeitig möglichen Verbindungen, dem verfügbaren Speicherplatz und der Laufzeit ab. Ein Tarifrechner auf der luckymeet-Website ermittelt schnell die konkret anfallenden Gebühren. Der Cloud-Dienst lässt sich zudem 14 Tage lang kostenlos ausprobieren.
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Nachteile
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Fazit: luckymeet empfiehlt sich aufgrund des mehrseitigen Whiteboards, der Importmöglichkeit von Präsentationen und der flexiblen Breakout Rooms hauptsächlich für Webinare und Online-Vorträge. Große Unternehmen dürften allerdings die fehlende Anbindung an externe Identity-Management-Lösungen vermissen.
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meetergo: Geld verdienen mit Seminaren und Vorträgen
Die meetergo GmbH offeriert eigentlich eine Terminplanung. Dieser hat das Unternehmen aus Monheim am Rhein nun allerdings auch eine Videokonferenzlösung namens meetergo Connect beiseitegestellt. Dank der Verzahnung lassen sich über den Kalender Meetings planen und dann direkt innerhalb von meetergo Connect abhalten. Die Teilnahme an Videokonferenzen erfolgt ausschließlich über Browser, die sich Ende-zu-Ende-verschlüsselt verbinden.
Für den Zugang zu einer Videokonferenz kann man von den Teilnehmern eine Gebühr einfordern. Die Zahlungen wickeln dann die Dienstleister Stripe und PayPal beziehungsweise PCI-konforme Plattformen ab. Die Zahlungsbedingungen kann man flexibel festlegen und etwa die Überweisung vorschreiben. Rechnungen lassen sich auf die Teilnehmer maßschneidern, was unter anderem B2B-Angebote ermöglicht. Die meetergo GmbH wirbt explizit damit, dass seine Dienste barrierefrei gestaltet sind. Das Whiteboard bietet einen Laserpointer, dessen Spur automatisch verblasst.
Meetergo kannte in unseren Versuchen keine Handzeichen und zeigt nicht die bereits verstrichene Zeit an – links unten tickt nur die Systemuhr.
(Bild: Screenshot)
Die Videokonferenzlösung steht nur als Cloud-Dienst zur Verfügung, der sich jedoch bei Bedarf in die eigene Website integriert. Ein eventuell notwendiger Auftragsverarbeitungsvertrag lässt sich mit wenigen Mausklicks abschließen oder einrichten. Die Server stehen in Frankfurt am Main, wobei meetergo regelmäßige Penetrationstests durchführen lässt. Das Unternehmen bietet zudem an, bei Bedarf spezielle Sicherheitsanforderungen umzusetzen.
meetergo gibt es nur im Abonnement, wobei die Videokonferenzlösung in den Tarifen Growth, Teams und Enterprise steckt. Der günstigste Growth-Tarif startet bei 13 Euro pro Monat und Nutzer. Preise für den Enterprise-Tarif gibt es nur auf Nachfrage. Aufgrund der dort enthaltenen Programmierschnittstelle, einer Salesforce-Intergration sowie SSO- und SCIM-Endpunkten kommt er vor allem für größere Unternehmen infrage.
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Vorteile
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Nachteile
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Fazit: Bei meetergo sticht die Möglichkeit heraus, Konferenzen und Seminare gegen eine Gebühr anzubieten. Damit empfiehlt sich der Dienst nicht nur für Unternehmen, sondern insbesondere auch für selbstständige Trainer und Dozenten.
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Nextcloud Talk: Tipp für kostenlose Videokonferenzen
Die Open-Source-Lösung Nextcloud Hub errichtet auf einem eigenen Server eine private Cloud. Sogenannte Apps erweitern den Funktionsumfang maßgeschneidert zu einer vollumfänglichen Groupware. Unter diesen Apps findet sich mit Nextcloud Talk auch eine Videokonferenzlösung. Sie arbeitet zudem eng mit den anderen Nextcloud-Diensten zusammen. So landen über den Chat geteilte Dateien in Nextcloud File, Chat-Nachrichten lassen sich direkt in Aufgaben umwandeln und geteilte Termine in den Kalender schieben. Auf Wunsch „zerstört“ Nextcloud Talk Chat-Nachrichten nach einer vorgegebenen Zeit. Teilnehmen kann man direkt über den Browser oder mit Clients für alle großen Betriebssysteme.
Eine außergewöhnliche Funktion ist die Videoverifizierung: Bevor eine fremde Person auf eine Freigabe zugreifen darf, erzwingt Talk einen Videoanruf und ermöglicht so eine Identitätsprüfung. Auf Wunsch warnt Nextcloud Talk, wenn die Gesprächszeit 60 Minuten überschreitet und zeigt die Ortszeit der Teilnehmer an – letzteres ist in internationalen Teams nützlich. Die Teilnehmerlisten lassen sich als CSV-Tabellen herunterladen. Nextcloud Talk kennt einen Modus mit hohem Kontrast, unterstützt explizit Screenreader und bietet eine dyslektische Schrift. Letztgenannte soll Menschen mit der Lese- und Rechtschreibschwäche Dyslexie unterstützten.
Nextcloud Talk bildet nur ein Baustein in der leistungsstarken Groupware Nextcloud.
(Bild: Screenshot)
Videoanrufe und Chats gelingen zwischen verschiedenen Nextcloud-Installationen („Föderierte Zusammenarbeit“). Auf diese Weise kann man etwa mit der Filiale in Hamburg konferieren, die ihren eigenen Nextcloud-Server betreibt. Nextcloud Bridging schlägt zudem die Brücke zu anderen Chat- und Konferenzsystemen wie Teams, Slack und XMPP. Die SIP-Bridge verbindet Nextcloud Talk schließlich noch mit einem SIP-Provider, über den sich dann Teilnehmer per Telefonanruf in die Konferenz einwählen können.
Die Kommunikation erfolgt durchgehend Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Ein Brute-Force-Schutz verhindert, dass Angreifer Anmeldepasswörter durchprobieren können. Des Weiteren erkennt eine künstliche Intelligenz unübliche Logins. Die Nextcloud GmbH bewirbt die Videokonferenz-Lösung sogar für den Einsatz in sogenannten Airgap-Umgebungen. Besonders viele Teilnehmer ermöglicht das High Performance Backend. Das setzen zudem einige Funktionen, wie die SIP-Bridge und öffentliche Videokonferenzen mit Lobby voraus.
Der Nextcloud Hub steht in einer Open-Source-Fassung und in einer kommerziellen Enterprise-Variante zur Wahl. Letztgenannte ist nur im Abonnement zu haben und bietet vorrangig Unternehmen einige zusätzliche Funktionen. Das kommerzielle Nextcloud Talk muss man in jedem Fall für 40 Euro pro Benutzer und Jahr hinzubuchen. Im Gegenzug gibt es unter anderem die SAML-Authentifizierung, Passwortrichtlinien und die erwähnte SIP-Bridge. Auf Wunsch passt die Nextcloud GmbH die Clients für Mobilgeräte und den Desktop an die Corporate Identity des Unternehmens an. Gegen weiteren Aufpreis gibt es noch die virtuelle Tafel Nextcloud Whiteboard und einen KI-Assistenten, der unter anderem Chat-Nachrichten übersetzt, komplette Meetings zusammenfasst und innerhalb von Talk als Chat-Bot bereitsteht. Wer nicht die Katze im Sack kaufen möchte, kann eine Stunde lang das System erkunden. Dazu muss man sich mit einer geschäftlichen E-Mail-Adresse direkt bei der Nextcloud GmbH anmelden.
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Fazit: Nextcloud Talk setzt zwingend den Nextcloud Hub voraus, entfaltet aber im Zusammenspiel mit dessen anderen Apps einen großen Funktionsumfang. Wer Teamarbeit großschreibt und Herr über die eigenen Daten bleiben möchte, sollte daher unbedingt einen Blick auf die Open-Source-Lösung werfen.
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OpenTalk: Geordnete Diskussionen in großen Runden
OpenTalk konzentriert sich vollständig auf Videokonferenzen. An solchen gelingt die Teilnahme derzeit ausschließlich über den Browser, wobei Nutzer des Apple-Browsers Safari mit Einschränkungen rechnen müssen. Wie bei Nextcloud können sich Teilnehmer über einen SIP-Provider per Telefon in eine Konferenz einklinken. Damit in größeren Runden nicht alle durcheinander quasseln, lässt sich ein Redestab an den jeweils nächsten Referenten weiterreichen. Ergänzend oder alternativ weist man den Teilnehmern eine Redezeit zu, die sie nicht überschreiten dürfen. Eine Rednerliste merkt sich, wer sich wann zu Wort gemeldet hat. Moderatoren können dann den Teilnehmern in der Reihenfolge ihrer Meldung das Wort erteilen. Des Weiteren darf ein Moderator einen Teilnehmer als Protokollführer festlegen und dann dessen Notizen als PDF-Dokument ausgeben.
In längeren Meetings sorgen vorgegebene Pausen für Erholung und ein rechtzeitiges Wiedereinfinden vor dem Bildschirm. Ergänzend zu Umfragen erlaubt OpenTalk Abstimmungen, die das System revisionssicher archiviert. Abschließend lässt sich eine Anwesenheitsliste herunterladen.
In OpenTalk können sich die Moderatoren nach der Konferenz noch zu einem Nachgespräch treffen.
(Bild: Screenshot)
Hinter OpenTalk steht die Heinlein Gruppe, die unter anderem den E-Mail-Dienst mailbox.org betreibt. Im Angebot sind zwei Editionen: Die Community Edition steht unter der European Public License und somit einer Open-Source-Lizenz. Wer einen erweiterten Funktionsumfang benötigt, greift zur kostenpflichtigen Enterprise Edition. Die lässt sich wahlweise im eigenen Rechenzentrum zünden oder auf den Servern beim OpenTalk-Hersteller. Die Enterprise Edition ist mandantenfähig und garantiert eine sehr gute Skalierbarkeit, so dass auch Konferenzen mit hohen Teilnehmerzahlen möglich sind. Bei Bedarf erhalten Enterprise-Kunden zudem Unterstützung bei Deployment, Monitoring oder Integration in die Unternehmens-Infrastruktur. Preise nennt OpenTalk nur auf Anfrage.
Als dritte Option steht OpenTalk als Cloud-Dienst bereit. Der ist sogar dauerhaft kostenlos, sofern man mit 10 Konferenzräumen und maximal fünf Teilnehmern auskommt. Die nützlichen Breakout Rooms, Abstimmungen und eine Telefoneinwahl gibt es erst in kostenpflichtigen Tarifen. Die starten bei 7,50 Euro pro Nutzer und Monat. Bei jährlicher Zahlweise gewährt OpenTalk einen Rabatt. Die Einbindung in eigene Softwaresysteme gelingt über eine entsprechende Schnittstelle. OpenTalk wirbt mit dem „IT-Sicherheitskennzeichen“ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und verspricht somit, die Sicherheitsvorgaben des BSI einzuhalten. Die Server stehen nach eigenen Angaben in zwei Rechenzentren in Berlin, die OpenTalk und Heinlein Hosting betreiben.
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Fazit: OpenTalk bietet nützliche Werkzeuge, mit denen sich Diskussionen auch in größeren Gruppen in Bahnen lenken lassen – angefangen beim Redestab bis hin zum Protokollanten. Da das System auf hohe Lasten und Teilnehmerzahlen ausgelegt ist, empfiehlt es sich vor allem für Organisationen und Unternehmen, die eine reine Videokonferenzlösung ohne Zusatzdienste suchen.
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Auswahl des passenden Videokonferenz-Tools: Worauf achten?
Wer aus dem insgesamt großen Angebot an Videokonferenz-Diensten nicht das für sich passende Tool ermitteln kann, dem hilft unter Umständen eine Übersicht gängiger Auswahlkriterien. Insbesondere in Unternehmen sollte man bei der Entscheidung für oder gegen ein Tool auf Folgendes achten:
- Teilnehmerzahl: Je mehr Personen an einem Meeting teilnehmen, desto mehr Videodaten muss die Videokonferenzsoftware flüssig weiterleiten und wiedergeben können.
- Kommunikationswerkzeuge: Handzeichen, Redestäbe, Emojis und weitere Tools sorgen dafür, dass eine Konferenz geordnet abläuft. Welche der Werkzeuge tatsächlich sinnvoll und effektiv sind, hängt maßgeblich vom diskutierenden Team und dessen Aufgaben ab.
- Breakout-Rooms: In Seminaren und Lehrveranstaltungen sollen mitunter Kleingruppen jeweils in Ruhe eine Aufgabe lösen. Nicht alle Videokonferenzsysteme unterstützen die dazu notwendigen Breakout Rooms.
- Moderatorenrechte: In öffentlichen Diskussionen müssen Moderatoren deutlich weiterreichende Rechte besitzen und gegen Störenfriede durchsetzen können, als in kleinen unternehmensinternen Konferenzen.
- Rechtemanagement: Vor allem größere Unternehmen benötigen eine Anbindung an einen LDAP-Server oder ein Active Directory. Diese Möglichkeit bieten nicht alle Dienste oder erst in kostspieligeren Tarifen.
- Whiteboard-Funktionen: Besprechen Mitarbeiter eines Maschinenbauunternehmens komplexe Konstruktionszeichnungen, benötigt sie ausgefeiltere Zeichenstifte im Whiteboard als ein Übersetzungsbüro, das an Texten feilt.
- Schnittstellen: Wer mit Kunden kommuniziert oder öffentliche Webinare abhält, möchte die Videokonferenzen in die eigene Website oder sogar eigene Abrechnungssysteme integrieren. Passende Schnittstellen stellen allerdings nur wenige Lösungen bereit.
- Client-Software: Die Teilnahme an den Konferenzen erfolgt bei allen Systemen über den Browser. Einige Anbieter stellen zusätzlich eigene Clients bereit, die den Zugriff insbesondere auf Smartphones erleichtern. Unternehmen müssen darauf achten, dass ihr Gerätemanagementsystem die Clients unterstützt.
Fazit
Jede Videokonferenzlösung hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und empfiehlt sich damit für jeweils eigene Anwendungsfälle. alfaview bietet pfiffige Protokoll- und Übersetzungsfunktionen, die vor allem mehrsprachigen Teams helfen. Hostpoint Meet kostet zwar derzeit keine Gebühr, besteht aber nur aus einem beschnittenen Jitsi Meet und eignet sich somit eher für spontane Konferenzen. Infomaniak kMeet lohnt sich vor allem dann, wenn man gleich die komplette Groupware nutzt. luckymeet* ist einen Blick für jene Wert, die Vorträge halten und dabei PowerPoint-Folien nutzen – dank der flexiblen Breakout Rooms eignet sich der Dienst zudem für Schulungen und Prüfungen. Mit Meetergo kann man die eigenen Vorträge recht einfach monetarisieren, muss dabei aber Abstriche im übrigen Funktionsumfang machen – unter anderem sind noch keine Umfragen möglich.
OpenTalk und Nextcloud Talk sind Open Source und zudem die einzigen beiden Systeme, die offen eine Anbindung eines LDAP-Servers und eines Active Directorys versprechen. Nextcloud Talk entfaltet seinen vollen Funktionsumfang nur im Zusammenspiel mit anderen Apps im Nextcloud Hub, bietet dann aber sogar einige nützliche KI-Hilfen. OpenTalk jongliert zumindest in der kostenpflichtigen Fassung große Teilnehmerzahlen, wobei entsprechende Werkzeuge die Diskussionen in geordnete Bahnen lenken.
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Redaktion & Aktualisierung: heise Download-Team
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