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Digitale Schönheitsfarm

Themen-Special: Porträtaufnahmen behutsam mit Gimp nachbearbeiten

Fotos von Menschen zeigen häufig rotgeblitzte Augen, fleckige Haut oder eine im Dunkeln verschwindende Gesichtshälfte. Meistens genügen wenige Handgriffe, um so einen missglückten Schnappschuss deutlich zu verbessern. Die freie Bildbearbeitung Gimp ist besser als ihr Ruf. Mit ihr lassen sich Porträts bequem, flexibel und mit dem gewünschten Effekt korrigieren.

Artikel aus c't 17/09

Gerade der schnelle Schnappschuss von einer Person offenbart häufig witzige Aspekte der Persönlichkeit. Damit die nicht von den Fehlern des Fotos überdeckt werden, sind einige Eingriffe nötig. Rote Augen zu korrigieren ist Pflicht, denn dabei handelt es sich um einen Technikfehler. Glänzende Hautpartien, Pickel, Rötungen und andere Unreinheiten zu retuschieren ist nicht ehrenrührig, sondern biegt ebenfalls gerade, was ein harter Blitz angerichtet hat.

Was über solche Korrekturen hinausgeht, ist Geschmackssache. Werber verschlanken ihre Models mit Hilfe der Bildbearbeitung. Zuerst wird das Bild gestreckt und anschließend die Kontur des Körpers nachgezogen. Manchmal offenbart ein Überbleibsel wie ein üppiger Schatten, was ursprünglich auf dem Foto zu sehen war. Solche Korrekturen verändern teilweise drastisch die Gestalt des Models. In der Werbe- und Modefotografie spielt das keine Rolle. Wer allerdings dem Lebenspartner digital Hals und Beine streckt, Lippen und Augen vergrößert, die Brust üppiger oder den Bierbauch schmaler erscheinen lässt, verringert nicht nur den Wiedererkennungswert, sondern verliert eventuell auch Sympathiepunkte.

Man sollte behutsam vorgehen. Nase und Figur, Sommersprossen und Leberflecken sollten erhalten bleiben. Für verfärbte Zähne, im Schatten liegende Augen und unreine Haut gilt das nicht. Das freie Bildbearbeitungsprogramm GIMP ist den genannten Korrekturen mehr als gewachsen. Es bietet kreativen Spielraum und damit Kontrolle über feine Nuancen.

Fenster und Paletten gliedert Gimp nach einem ähnlichen Muster wie Photoshop. Die Menüs haben die Entwickler mit Version 2.6 deutlich entrümpelt. Das Hauptfenster enthält neben dem geöffneten Bild die nun einzige Menüleiste, welche mit Einträgen wie Datei, Auswahl, Ebene, Farben und Filter klar gegliedert ist. Der Werkzeugkasten gibt nicht nur Zugriff auf alle Werkzeuge, sondern zeigt darunter auch die jeweils zur Verfügung stehenden Einstellungen an.

Das dritte Fenster vereint alle Paletten. Standardmäßig zeigen zwei Palettenbereiche Ebenen und Pinselspitzen. Per Reiter lassen sich Kanäle und Pfade beziehungsweise Muster und Farbverläufe anzeigen. Über ein ausklappbares Menü holt man Navigatorfenster, Histogramm, installierte Fonts, Dokumentenvorlagen und andere Paletten hinzu.

Gimp kann zwar nicht mit 16 Bit pro Kanal umgehen und keine Photoshop-kompatiblen Plug-ins laden, beides lässt sich aber einfach nachrüsten. Das auf dcraw aufbauende Plug-in UFRaw stellt einen Import-Dialog bereit, der Raw-Dateien einliest, mit Werkzeugen wie Gradationskurven oder Temperaturregler bearbeitet und anschließend als 8-Bit-Bild an Gimp überreicht oder als 16-Bit-TIFF oder -PNG speichert. Alternativ kann man Fotos in RawTherapee bearbeiten und von dort an Gimp weitergeben.

Das Plug-in PSPI gewährt Zugriff auf Photoshop-kompatible Filter. Legen Sie dazu die PSPI.EXE selbst zunächst im Plug-in-Ordner von Gimp ab ([Programmverzeichnis]\lib\gimp\2.0\plug-ins). Nach einem Neustart des Programms erscheint im Filter-Menü ein entsprechender Eintrag, über den Sie wiederum ein Verzeichnis mit Photoshop-Plug-ins aufrufen können. Nach einem erneuten Programmstart listet Gimp die dort vorhandenen Plug-ins im Filtermenü unterhalb der mitinstallierten Filter auf.

Nach dem Öffnen einer JPEG- oder Raw-Datei sollten Sie das Bild zuerst als Gimp-Datei mit der Endung XCF abspeichern. Am besten legen Sie die Datei in einem Unterordner des Verzeichnisses mit den Originalfotos ab. Nach jedem wichtigen Arbeitsschritt hält dann ein Druck auf die Tastenkombination Strg-S den Status quo fest.

Das Originalbild sollte bis zum Ende in der Bilddatei als Hintergrundebene erhalten bleiben. Nach dem Öffnen sind in der Ebenenpalette unter Umständen keine Miniaturen zu sehen. Dazu wählen Sie zunächst eine der geöffneten Dateien im Dropdown-Menü der Palette aus oder schalten den Knopf "Auto" daneben aktiv. Über den nach links weisenden Pfeil rechts neben dem Text "Ebenen" in der gleichnamigen Palette ändern Sie die Ansichtsgröße der Miniaturen. Sie ist standardmäßig arg klein.

Apropos Größe: Damit man immer genau die vorhandenen Pixel bearbeitet, empfehlen sich ganzzahlige Zoom-Stufen, idealerweise 100-prozentige Darstellung. Statt immer zum Zoom-Werkzeug zu wechseln (die Taste Z ruft es auf), kann man die Vergrößerung auch unten im Dokumentenfenster in Prozent angeben. Bei minutiösen Korrekturen bietet sich 200- oder 400-prozentige Darstellung an. Strg-Umschalt-E passt das Bild auf Fenstergröße ein.

Übrigens müssen Sie nicht ständig die Darstellungsgröße wechseln, um das Gesamtbild zu begutachten. Der Befehl Ansicht/Neue Ansicht holt die geöffnete Datei in einem zweiten Fenster auf den Bildschirm. Über die Taskleiste wechseln Sie bequem zwischen Voll- und Detailansicht.

Rote Augen sind ein besonders deutlicher Makel. Deren Korrektur ist erste Pflicht. Zwar hat Gimp im Menü Filter/Verbessern ein Werkzeug zur Korrektur roter Augen in petto. Es schwärzt Rotwerte aber per Schwellenwert und zieht so meistens Lippen und ähnliche Rotpartien in Mitleidenschaft. Entweder, man wendet das Werkzeug an und paust nur die Augen per Ebenentechnik durch, oder man korrigiert die roten Augen mit ein paar Handgriffen manuell.

Per elliptischer Auswahl (E) markieren Sie dazu beide Pupillen – am besten großzügig, damit keine rote Korona bleibt. Im Modus "Hinzufügen" oder bei gedrückter Umschalt-Taste lassen sich mehrere Auswahlkreise bilden. Unmittelbar nach dem Aufziehen kann man die Ellipse über quadratische Anfasser korrigieren. Anschließend nehmen Sie der Auswahl über den Befehl Entsättigen im Menü Farben das Rot. Gimp zeigt im Hauptfenster das Resultat an. Die Methode Leuchtkraft bietet üblicherweise den besten Kontrast. Da die Pupille immer noch etwas blass wirkt, kann man den Kontrast über Farben/Kurven mit einer Links-Rechts-Kurve ein wenig anheben (siehe zweites Bild rechts).

Sind die Augen weißgeblitzt, wie bei dem Hund rechts, hilft keine Kontrastkorrektur. Hier muss der Farbeimer ran. Da die Augenregion nicht rund ist, wählen Sie sie mit dem Zauberstab (U) aus. Um jede Farbnuance aufzunehmen, klicken Sie sich im Hinzufügen-Modus durchs Auge und erweitern Sie die Auswahl anschließend über den Menübefehl Auswahl/Vergrößern um ein oder zwei Pixel, damit kein weiß blitzender Rand bleibt. Auf einer neuen Ebene füllen Sie die Auswahl mithilfe des Füllen-Werkzeugs (Umschalt-B) mit Schwarz oder einem dunklen Grau. Das Resultat gerät am Rand sehr pixelig. Eine Behandlung mit dem Filter Weichzeichnen/Gaußscher Weichzeichner mildert das. Der Radius (1 bis 5 Pixel) hängt von der Auflösung des Fotos ab.

Bei einem bildfüllenden Porträt können die schwarzen Augen etwas leer wirken. Setzen Sie im Zweifel mit weißem Pinsel (P) ein paar Lichtreflexe – vorzugsweise passend zur Beleuchtung im Foto.

Hautrötungen und Flecken kommt man mit dem Klonstempel (C) oder dem Heilen-Werkzeug (H) bei. Bei diesen Werkzeugen nimmt man eine saubere, benachbarte Bildregion per Strg-Taste auf und übermalt damit die zu reparierende Bildregion. Der Unterschied der Werkzeuge besteht darin, dass beim Klonen der Quellbereich feststeht, während er beim Heilen mit dem Pinsel wandert.

Um das Original nicht zu verändern, dient eine leere Ebene als Zielregion. Man markiert eine Bildregion in der Original-Ebene und wählt anschließend die leere Ebene aus, auf der man die reine Haut über alle unschönen Bereiche malt. So lassen sich Manipulationen ohne Verluste am Original zurücknehmen. Außerdem kann man das Resultat anschließend nach Belieben mit dem Deckkraft-Regler verblassen. Gehen Sie beim Stempeln behutsam vor! Es soll hier nur um punktuelle Schönheitsfehler gehen, nicht um flächendeckendes Überpinseln.

Die Pinselspitze sollte weich und nicht größer als der zu entfernende Makel sein. Per Kontextmenü können Sie in der Pinsel-Palette den Pinsel-Editor aufrufen. Fürs Klonen reicht die Vorgabe; für die weitere Retusche fehlen aber ein paar große weiche Pinselspitzen im Angebot. Im Prinzip reichen ein Pinsel der Größe 50 Pixel und einer mit einem Durchmesser von 500 Pixeln. Der Regler "Skalieren" in den Werkzeug-Optionen von Klonstempel und Pinsel bietet ausreichend Spielraum, um diese auf verschiedene Anwendungsgebiete anzupassen.

Nicht selten zeigt die Haut durch den Blitz glänzende Stellen. Eine sanfte Behandlung mit dem Gaußschen Weichzeichner würde die Haut glätten, aber auch die Augen und Konturen in Mitleidenschaft ziehen. Geschickte Maskierung hilft hier weiter. Zunächst erstellen Sie eine Kopie des bisherigen Bildes in der Ebenenpalette mit dem Befehl "Neu aus Sichtbarem". Er kopiert sowohl den Hintergrund als auch die Stempelebene. Anschließend bearbeiten Sie die neue Ebene mit dem Weichzeichner bei einem Radius von etwa 5, in schlimmeren Fällen auch 20 Pixeln oder mehr.

Der Befehl aus dem Kontextmenü der Ebenenpalette "Ebenenmaske hinzufügen" mit dem Zusatz "Schwarz (volle Transparenz)" bewirkt, dass das weich gezeichnete Bild unsichtbar wird. Die Ebenenmaske wirkt wie schwarzes Tonpapier, das alle Bereiche der betreffenden Ebene abdeckt. Anschließend soll die Maske bearbeitet werden. Ein Klick auf die Maskenminiatur in der Ebenenpalette aktiviert die Maske zur Bearbeitung. Alt-Klick auf die Miniatur zeigt sie zur Kontrolle an und verdeckt sie auf die gleiche Weise auch wieder.

Mit einem großen weichen Pinsel von etwa 100 Pixeln Durchmesser malen Sie nun in den Regionen, die außer Haut keine Zeichnung tragen, mit weißer Farbe die weiche Haut auf das darunterliegende Bild. Wichtig ist der Klick auf die Miniatur, sonst malen Sie weiße Farbe ins Bild. Beim Durchpausen der scharfen und weichen Bereiche muss man nicht päpstlicher sein als der Papst. Wenige beherzte Pinselstriche gehen nicht nur schneller von der Hand als peinlich genaues Nachzeichnen. Das Resultat wirkt natürlicher und die Korrekturen fallen durch sanfte Übergänge weniger auf. Grobe Fehler korrigieren Sie einfach mit schwarzem Pinsel. Durch die Deckkraft der Ebene können Sie die Wirkung abschließend abmildern, falls die Korrekturen zu drastisch wirken. Merken soll der Betrachter von der Manipulation nämlich nichts.

Augen und Zähne wirken auf Fotos häufig nicht so, wie sie sollen und schon gar nicht so, wie Werbeplakate und Fernsehzeitschriften es vormachen. Ein behutsamer Eingriff biegt leichte Verfärbungen in helles Weiß. Die Arbeit beginnt wieder mit einer Kopie des Originalbilds. Der erste Schritt soll zunächst den Zähnen und dem Weiß in den Augen den nahezu immer vorhandenen leichten Gelbstich entziehen. Der Dialog dazu heißt "Farbton / Sättigung" und steckt im Menü Farben. Nach Auswahl des Farbbereichs Y (Gelb) kann man behutsam die Sättigung reduzieren. Nicht übertreiben! Ein Wert von -20 recht bereits. Anschließend kann man die Helligkeit noch leicht anheben. Mehr als 5 zerstört aber häufig schon die Zeichnung im Bild.

Was mit der Haut und anderen Bildbereichen passiert, spielt wie zuvor keine Rolle. Eine Ebenenmaske lässt anschließend nur Augen und Zähne durchscheinen. Die Maske erstellen Sie wieder aus dem Kontextmenü über der Ebenenminiatur (Ebenenmaske hinzufügen). Nach einem Klick auf die Maskenminiatur malen Sie wieder mit weißem Pinsel die korrigierten Bereiche auf das Bild. Dabei sollten Sie darauf achten, Haut, Zahnfleisch und Lippen auszusparen. Diese sollen ihre natürliche Farbgebung behalten. Der Pinsel muss diesmal also kleiner und eventuell etwas weniger weich sein.

Die Augen können nun noch etwas mehr Schärfe vertragen. Der Befehl "Neu aus Sichtbarem" kopiert wieder das bisher bearbeitete Bild auf eine neue Ebene. Der Filter "Unscharf Maskieren", etwas versteckt im Menü Filter/Verbessern, gibt den Augen knackige Schärfe. Das Vorschaufenster zeigt das Resultat der gegenwärtigen Einstellungen, die je nach Bildauflösung variieren. Bei sechs bis acht Megapixeln sind ein Radius von 5, eine Menge von 0,5 und ein Schwellenwert von 20 gute Ausgangswerte. Wiederum malen Sie aus einer schwarzen Ebenenmaske mit weißer Farbe die gewünschten Bereiche auf den Hintergrund, in diesem Fall die Augen, Brauen und Haare.

Die Augenpartie ist durch ihre Lage ein wenig gehandicapt, denn in Sachen Beleuchtung sind Augenhöhlen häufig eine Katastrophe. Bei hartem Licht von oben liegen sie im Schatten, sodass auch ausgeschlafene Personen Augenringe bekommen. Stempelt man diese allzu unbedarft über, sieht das Gesicht aber so flach aus wie das von Lord Voldemort.

Der Königsweg liegt wie so oft in der Mitte. Zunächst erstellen Sie eine leere Ebene. Dann wählen Sie die darunter liegende aus und nehmen Heilen-Werkzeug (H) oder Klonen-Pinsel (C) zur Hand. Mit gedrückter Strg-Taste nehmen Sie einen naheliegenden Hautton auf, wählen die leere Ebene und tragen in der schattigen Partie unterhalb der Augen die Hautfarbe auf. Das Resultat wirkt flach und überzeugt nicht. Setzt man nun aber die Deckkraft auf 50 Prozent oder noch weniger, tritt die Gesichtsform wieder zutage, der Schatten ist aber deutlich milder.

Wer will, kann nun noch die Pupillen effektvoll hervorheben – keine TV-Zeitschriften-Titelseite kommt ohne diesen Trick aus. Ein Weg dahin führt über selektive Farbkorrektur. Leichter geht es, indem man die gewünschte Farbe auf die Pupille malt. Erstellen Sie dazu eine neue Ebene und wählen als Ausgangspunkt mit der Farbpipette (O) eine geeignete Farbe der Iris aus. Die lässt sich anschließend nach Belieben verändern. Über die Farbwahlpalette kann man sie knalliger gestalten. Die Farbe malen Sie nun – am besten bei 200- bis 400-facher Vergrößerung – auf einer neuen Ebene über die Iris jedes Auges. Wer nicht genau genug trifft, kann die Bereiche vorher per elliptischer Auswahl maskieren.

Anschließend setzen Sie den Verrechnungsmodus der oberen Ebene auf "Überlagern". Die Augen leuchten nun in der neuen Farbe. "Weiche Kanten" erzielt einen ähnlichen Effekt. Die Modi "Abwedeln", "Fasern mischen" und "Farbe" bringen die Augen krass zum Leuchten. Mit etwas reduzierter Deckkraft bleibt der Effekt deutlich sichtbar, stört aber den Gesamteindruck nicht.

Am Foto rechts oben gibt es wenig auszusetzen. Das Licht der spanischen Sonne scheint hell, und so wirkt das Foto nur etwas blass. Es lediglich zu sättigen würde aber unnatürlich wirken. Schließlich sollen die Lichtstimmung und die Hautfarbe erhalten bleiben. Ein wenig digitales Make-up gibt dem Foto wichtige Farbakzente.

Wie zuvor duplizieren Sie die Bildebene und konzentrieren sich beim Bearbeiten lediglich auf das zu ändernde Detail – in diesem Fall die Lippen. Das flexibelste Werkzeug zur Änderung von Farbe, Helligkeit und Kontrast sind die Gradationskurven. Um den Bezug zur Realität beziehungsweise zum Originalbild nicht zu verlieren, kann man hin und wieder die Vorschau im Kurven-Dialog deaktivieren oder schon vor dessen Aufruf die duplizierte Ebene mit einer Maske versehen und diese je zur Hälfte schwarz und weiß füllen. So zeigt nur eine Bildhälfte die Änderung.

Anschließend ändern Sie die Farbe der Lippen nach Wunsch, bis sie ein volles Rot oder sanftes Rosa zeigt. Am besten senken Sie bereits zu Beginn die Helligkeit herab, indem Sie die Gesamtkurve "Wert" herunterziehen. Anschließend gehts an die Kurven für Rot, Grün und Blau. Häufig führt leichtes Anheben aller drei Kurven zu einem guten Ergebnis. Danach verdecken Sie wieder alles bis auf die Lippen mit einer Ebenenmaske. In der Ebenenpalette erstellen Sie per Kontextmenü auf der veränderten Kopie eine Maske. Im erscheinenden Dialog wählen Sie "Schwarz (volle Transparenz)". Die Maske verdeckt die Ebene. Per Klick auf das Maskensymbol in der Ebenenpalette wählt man sie aus und zeichnet die Lippen mit weißer Farbe und weicher Pinselspitze vorsichtig nach. Wichtig ist wieder vor dem Pinseln der Klick auf das Maskensymbol, sonst malen Sie auf die Bildebene. Sollte die Farbe am Ende zu kräftig wirken, setzen Sie die Deckkraft der Ebene herab.

Ähnlich gelangt künstlicher Lidschatten ins Bild. Um die Haut effektvoll zu verfärben, sind allerdings drastischere Maßnahmen nötig als bei ohnehin roten Lippen. Man beginnt wiederum mit dem Abdunkeln, ist aber anschließend in der Bearbeitung der Kanäle deutlich freier. Alles abgesehen von den Lidern deckt anschließend wieder eine Maske ab. Falls das Resultat zu dunkel wirkt, hilft ein anderer Ebenenmodus, zum Beispiel "Farbe". Er überblendet die Sättigung der oberen Ebene mit der Luminanz der unteren. Sprich: Der Farbton bleibt erhalten, das Bild wird aber heller.

Das fertige Digitalfoto passt häufig nicht zur der Stimmung des Moments, den man eigentlich einfangen wollte. Dem kann nachgeholfen werden. Das Beispiel rechts oben wirkte beim ersten Betrachten dunkel und fade. Nach dem Aufhellen um mehr als eine Blendenstufe (mit einem Raw-Foto gelingt das in UFRaw problemlos) und einem kräftigen Aufwärmen der Farbtemperatur sieht es zwar etwas schrill aus, aber das spielt vorläufig keine Rolle.

Nach dem Öffnen in Gimp duplizieren Sie wieder zuerst die Hintergrundebene und speichern das Dokument im XCF-Format. Anschließend wird die obere Ebene über den Dialog "Farbton / Sättigung" gehörig ihrer Buntheit beraubt – in diesem Fall um 45 Prozent. Für die warme Bildwirkung reicht die verbleibende Farbsättigung noch aus.

An den Rändern erscheint das Bild aufgrund der einzelnen Lichtquelle im Raum dunkler. Dieser Effekt lenkt das Auge aufs Motiv und könnte noch stärker ausfallen. Das erreichen Sie, indem Sie das Bild mit seiner Kopie überlagern und nur die Ränder einblenden. Dazu duplizieren Sie die entsättigte Ebene und ziehen auf der oberen Ebene eine elliptische Auswahl auf. Die hat eine scharfe Kante und taugt nicht als Vignette. Abhilfe schafft der Befehl Auswahl/Ausblenden. Bei einem 10-Megapixel-Bild darf der Radius durchaus 750 Pixel betragen. Eine Kante sollte nachher nicht einmal mehr zu erahnen sein.

Aus dem Kontextmenü der Ebenenpalette erstellen Sie über der Miniatur des kopierten Bildes eine Ebenenmaske und wählen aus dem Masken-Menü "Auswahl". Da der Mittelkreis ausgewählt ist, anschließend aber die Randbereiche mit der darunter liegenden Ebene überlagert werden sollen, müssen Sie nun noch das Häkchen bei "invertiert" setzen. Alternativ kann man vor dem Erstellen der Maske die Auswahl per Strg-I umkehren. Setzen Sie den Ebenen-Modus nun auf "Multiplikation", erscheint an den Rändern eine Vignette, die aber noch stark die eben angewandte Technik erahnen lässt. Verringert man die Deckkraft der Ebene, tritt der gewünschte, subtile Beleuchtungseffekt zutage.

Ein Klick auf das Maskensymbol bei gedrückter Alt-Taste macht die Maske sichtbar, falls Sie sie weiter bearbeiten möchten. Beispielsweise kann man mit schwarzem Pinsel Motivteile, die am Rand liegen und daher zu stark ausgeblendet werden, hervorholen.

Aus einer Raw-Datei oder auch einem JPEG kann man per Gradationskurven und Belichtungsregler verschiedene Versionen erstellen und auf mehrere Ebenen eines Dokuments legen. Mit der schon beschriebenen Maskierungstechnik malen Sie mit einem großen, weichen Pinsel Hell und Dunkel auf darunter liegende Bilder. So lassen sich nicht nur Motive durchpausen, sondern auch interessante Lichteffekte auftragen. Übrigens hilft es, bei der Ebenentechnik hin und wieder alle Ebenen auszublenden und sich von oben nach unten durchzuklicken, um den Aufbau komplexer Bilder im Überblick zu behalten.

Eine weitere, sehr einfache Technik hilft auf intuitive Weise beim Aufhellen und Abdunkeln. Dazu stellen Sie zunächst per Klick auf den Farbwähler im Werkzeugkasten die Vordergrundfarbe auf ein mittleres Grau, beispielsweise mit dem Wert 120 für jeden RGB-Kanal. Anschließend erstellen Sie über das Ebenenmenü eine neue Ebene und weisen ihr anstatt Transparenz die Vordergrundfarbe zu. Als Modus wählen Sie nun "Überlagern". Das darunter liegende Bild scheint unverändert durch. Malt man nun mit weißem Pinsel direkt auf die graue Ebene, hellen sich dort darunter liegende Bereiche auf. Umgekehrt dunkelt ein schwarzer Pinselstrich das Bild ab.

Es gibt Situationen, da erstickt das Blitzlicht die Stimmung, beispielsweise bei einem in allen Regenbogenfarben ausgeleuchteten Konzert. Der Nachteil von Available-Light-Fotografien: Viele Details wie Musiker im Hintergrund geraten häufig zu dunkel.

Dem kann man abhelfen, allerdings empfiehlt es sich, im Raw-Format zu fotografieren. 12 bis 14 Bit Farbtiefe pro Kanal bieten mehr Spielraum für nachträgliche Korrekturen als die 8 Bit einer JPEG-Datei. Zunächst öffnen Sie das Bild, ohne irgendwelche Korrekturen durchzuführen, mit Gimp. Der UFRaw-Dialog erscheint. Klicken Sie einfach auf OK.

Anschließend öffnen Sie es über den Befehl "Als Ebene öffnen" ein zweites Mal mit UFRaw. Per Gradationskurve hellen Sie die zu dunkel geratenen Bildpartien gnadenlos auf; wirklich: ohne Rücksicht auf Verluste, denn die gibt es in den Lichtern Zuhauf. Beim starken Aufhellen fressen helle Bereiche aus, aber das muss im Augenblick nicht kümmern.

Ein Druck auf OK öffnet das Bild als neue Ebene in der zuvor angelegten Datei. Die helle Ebene sollte oben liegen. Im Zweifelsfall müssen Sie die Ebenen per Drag & Drop umsortieren. Per Doppelklick auf die Ebenennamen bietet es sich an, die Ebenen aussagekräftig zu benennen, beispielsweise als "hell" und "dunkel".

Kopieren Sie nun das dunkle Bild in die Zwischenablage. Per Kontextmenü über dem Miniaturbild des hellen Bilds erstellen Sie eine Ebenenmaske in Weiß. Ein Klick auf die neu erschienene Maske wählt sie aus. Nun fügen Sie die kopierte Ebene dort ein – sie erscheint zunächst als schwebende Auswahl oberhalb der gewählten Ebene. Ein Klick auf das Ankersymbol in der Fußzeile der Ebenenpalette versenkt die Auswahl in die Maske. Ein erneuter Klick auf die Maske bei gedrückter Alt-Taste zeigt sie an. Über den Menübefehl Farben/Invertieren schaltet die Maske alle hellen, überzeichneten Bereiche des aufgehellten Bildes transparent.

Das hat zum Resultat, dass die ausgefressenen Regionen aus dem darunterliegenden Originalbild durchscheinen, also von der radikalen Bearbeitung nun nicht mehr betroffen sind. Im Endeffekt verliert das Bild an Kontrast, hellt aber die im Dunkel liegenden Bereiche auf, ohne die hellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Den Rest erledigt die bereits beschriebene Technik mit der überlagerten grauen Ebene.

Die eben vorgestellte Technik eignet sich nicht nur zum Aufhellen von Schatten, sondern auch zum Basteln manueller Pseudo-HDR-Bilder aus Belichtungsreihen. Die Technik mit der grauen Ebene kann nicht nur zu dunkle Teile aufhellen, sondern auch das Auge des Betrachters lenken.

Alle vorgestellten Verfahren sind frei kombinierbar. Das Foto beziehungsweise der Bearbeiter entscheidet, welche Technik notwendig ist. Was funktioniert und was eventuell nicht so gut aussieht, lernt man nur beim Ausprobieren. Die Ausrede "Keine Experimente!" gilt nicht. (akr)

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