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Euria im Test: Wie gut ist die europäische KI-Alternative?

Unsere Erfahrungen mit Euria von Infomaniak

Bei KI-Anbietern stellt sich immer auch die Frage nach dem Datenschutz. Der Schweizer Anbieter Infomaniak will mit „Euria“ dieses Problem lösen. Doch was leistet die kostenlose Europa-KI – kann sie mit ihren US-Mitbewerbern mithalten?

💡 Das Wichtigste in Kürze
  • Euria ist eine KI aus der Schweiz, die als datenschutzfreundliche Alternative zu US-Diensten wie Gemini oder ChatGPT entwickelt wurde.
  • Nutzereingaben werden weder für KI-Training verwendet noch weiterverkauft. Für vertrauliche Suchen wird der Verlauf deaktiviert.
  • Die KI kann Texte schreiben, PDF- und Office-Dokumente zusammenfassen, Audiodaten transkribieren sowie Recherchen durchführen.
  • Euria lässt sich gratis ohne Anmeldung im Browser nutzen, stößt allerdings bei Bildern & Videos noch an Grenzen und kann – wie alle KIs – Fehler machen.
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Künstliche Intelligenz ist praktisch, datenschutztechnisch aber ein riesiges Problem: Systeme wie Gemini, GPT oder Grok durchwühlen das Netz und verleiben sich alles ein, was sie finden können. Und wenn Nutzer mit ihnen interagieren, werden auch diese Verläufe gesammelt, direkt zu den Betreibern in die USA geschickt und dort anonymisiert für das Training ausgewertet.

In Europa und der Schweiz legt man mehr Wert auf Datenschutz als in den Staaten. Beim KI-Angebot hinkt man den USA und China aber an vielen Stellen deutlich hinterher – und bekannte europäische Dienste wie Mistral AI oder Aleph Alpha sind primär für Unternehmen interessant. Eine der wenigen Europa-KIs für Privatnutzer ist Euria, ein Sprachmodell (LLM) des Schweizer Anbieters Infomaniak. Euria legt besonders hohen Wert auf Datenschutz: Daten, die Nutzer eingeben, werden laut Anbieter niemals zum Training verwendet.


Infomaniak: Tech-Unternehmen aus der Schweiz

Infomaniak hat sich in den letzten Jahren eine Namen als zuverlässiger Cloud- und Hostinganbieter für Unternehmen und Endkunden gemacht und blickt auf eine über 30-jährige Firmengeschichte zurück. Das Unternehmen will Cloud-Leistungen wie Apple oder Google bieten, setzt diese aber mit sehr hohen Datenschutz-Standards um. Beispiele dafür sind etwa die kSuite als Alternative zu Googles Office-Produkten, der Cloudspeicher kDrive (Test) oder das Tool SwissTransfer (Test) zum Versenden großer Dateien. Obendrein achtet der Anbieter auf die Umwelt: So wird das Euria-Rechenzentrum vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben, die unvermeidliche Abwärme der KI wird als Fernwärme für Wohnungen verwendet.

Euria: Europäische KI mit Datenschutz-Versprechen

Infomaniaks KI namens Euria läuft als LLM vollständig verschlüsselt auf der Schweizer Infrastruktur des Unternehmens. Daten verlassen das Rechenzentrum laut Infomaniak nicht. Chats werden nicht zum Training verwendet, aber ähnlich wie bei ChatGPT oder Gemini aufbewahrt. Wer besonders vertrauliche Informationen mit der KI besprechen möchte, kann jedoch den sogenannten „flüchtigen Modus“ verwenden: Der erstellt temporäre KI-Fenster, deren Unterhaltungen nicht gespeichert werden und die nach dem Beenden wieder vollständig verschwinden. Infomaniak empfiehlt den Modus zum Beispiel für KI-Recherchen von Ärzten oder Rechtsanwälten. Damit eignet sich Euria auf dem Papier perfekt für alle Nutzergruppen, die den US- und China-KIs mit berechtigter Skepsis gegenüberstehen.

Eindrücke der Software Euria

Euria besitzt verschiedene Betriebsmodi.

(Bild: Screenshot)

Nicht angemeldete Nutzer können den Dienst ohne Abo nutzen, dann aber mit Anfragen-Begrenzung: In unserem Test konnten wir so täglich 20 Anfragen und 5 Websuchen gratis starten. Infomaniak gibt dazu an, dass sich die Limits jedoch dynamisch ändern können. Für den Expertenmodus und die Dokumenten-Analyse ist ein Konto im Gratis-Tarif Pflicht, das zudem 20 GB Cloud- und 15 GB Mailspeicher bietet.

Wer die KI häufiger verwenden möchte, kann mit einem Abo der kSuite das Euria-Kontingent erhöhen und erhält zudem Extras wie weiteren Cloud-Speicher und echtes Online-Office.

DSGVO-konformer KI-Assistent mit starker Basis

Technisch gesehen ist Euria ist nicht einfach eine selbstentwickelte LLM, die irgendein Provider auf ein paar virtuellen Servern laufen lässt: Infomaniak hat seit Jahren Erfahrung mit dem Hosting von KI-Systemen für Unternehmen mit Datenschutz-Schwerpunkt. Euria arbeitet im schnellen- und Experten-Modus mit der Open-Source-KI Qwen. Das Modell samt Trainingsdaten läuft auf Infomaniak-Servern. Alternativ kann Apertus, ebenfalls direkt bei Infomaniak, als rein Schweizer KI-Lösung im Chat eingesetzt werden.

Dadurch kann Euria neben der üblichen Chat-Funktionalität auch Office-Dokumente analysieren und zusammenfassen, Audiodateien transkribieren, Screenshots und Fotos interpretieren und natürlich Infos im Netz suchen. Das alles unter Einbeziehung hoher Datenschutz-Standards: Euria ist sowohl mit der DSGVO, als auch mit dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) konform.

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Praxistest: Was die Euria-KI kann – und was nicht

Auf den ersten Blick ist Euria ähnlich wie ChatGPT oder Gemini aufgebaut: Links ein Verlaufsfenster, rechts der eigentliche Chat. Im Chat-Fenster können, ebenfalls wie bei den bekannten KI-Systemen, Nutzer Dateien zur Auswertung hochladen. Wer die kSuite verwendet, kann auch dort gespeicherte Dateien auswerten lassen.

Eindrücke der Software Euria

Websuchen belegt Euria mit Quellen.

(Bild: Screenshot)

Euria kann wie andere KIs Personas annehmen, bestimmte Stile verwenden oder sich auf Wunsch des Users knapp oder ausführlich äußern. Zudem besitzt Euria eine Spracheingabe, die Anfragen hervorragend versteht und sehr zuverlässig transkribiert. Allerdings müssen sie anschließend manuell abgesendet werden. Was Euria zum Testzeitpunkt noch fehlt, ist eine Sprachausgabe: Ein echtes „Gespräch“ wie mit den US-KI-Systemen ist also derzeit nicht möglich.

Ist die Anfrage abgesendet, stellt Euria mit erstaunlicher Geschwindigkeit die gewünschte Antwort zusammen. Kommt die KI mit den Trainingsdaten nicht weiter, wird automatisch eine Websuche aktiviert, die eine Vielzahl von Quellen einbezieht und diese auch automatisch und vor allem sehr übersichtlich hinter einem eigenen Link „Recherche“ zu Beginn der Antwort hinterlegt. Auf diese Weise können Originalquellen für die Antwort bei Bedarf gesichtet werden.

Leistungsstarke Dokumenten-Analyse und Audio-Transkription

Auch bei der Analyse von Office-Dateien fällt die hohe Geschwindigkeit positiv auf. Die KI verarbeitet lange Microsoft-Word-Dokumente, Excel-Tabellen oder PDF-Dateien ohne Mühe. So konnten wir mit Euria eine riesige Excel-Datei der Bundesregierung durchsuchen, zusammenfassen und die Kern-Informationen extrahieren. Aus einem ganzen Stapel PDF-Rechnungen wurden binnen Sekunden die Umsätze (Brutto und Netto) sowie die Mehrwertsteuer-Anteile ermittelt. Es war auch kein Problem, die Inhalte der Rechnungen aufzuschlüsseln.

Eindrücke der Software Euria

Euria schafft ohne Weiteres die Analyse auch großer PDFs.

(Bild: Screenshot)

Auch eine vollständige, 20 Jahre alte und über 150 Seiten lange Diplomarbeit war binnen weniger Sekunden analysiert, sämtliche nicht mehr aktuellen Informationen zusammengefasst und Hinweise auf empfohlene Aktualisierungen formuliert. Bei längeren PDF-Dateien und mehreren Nachfragen rasseln kostenlose Nutzer jedoch schnell in den Begrenzer – hier ist dann der Kauf des kSuite-Abos zwingend.

Eindrücke der Software Euria

Audio-Transkripte – selbst komplexer Gespräche wie dieses NDR-Podcasts – bewältigt Euria schnell und zuverlässig.

(Bild: Screenshot)

Euria transkribierte im Test auch Audio-Dateien wie Interview-Mitschnitte oder Diktate erstaunlich zuverlässig. Allerdings kann die Analyse während des Uploads ein, zwei Minuten dauern. Im Test mit einigen NDR-Podcasts war das Ergebnis stets brauchbar, die KI ergänzt sogar die Namen der Sprecher zuverlässig. Der Clou: Selbst solch komplexe Aufgaben sind mit dem kostenlosen Kontingent machbar.

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Bilder und Videos noch unausgereift

Bilder und Videos sind zum Testzeitpunkt nicht Eurias Stärke: Zwar kann die KI Bilder zuverlässig analysieren und beschreiben – eine Möglichkeit, Bilder oder Videos zu erzeugen, fehlt jedoch noch völlig. Auch konnten wir Euria im Test nicht dazu bewegen, Videos für eine Analyse anzunehmen: Mal behauptete die KI, das Video hätte keinen Inhalt, mal rasselten wir in das 100-Megabyte-Limit; mal meldete die KI, dass externe Quellen wie YouTube nicht unterstützt werden. Hier will (und muss) der Anbieter nachbessern.

Eindrücke der Software Euria

Euria hat zum Testzeitpunkt leider eine Schwäche bei der Video-Analyse und -transkribierung.

(Bild: Screenshot)

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Für Euria gilt dasselbe wie für alle Mitbewerber: KI kann Fehler machen. Im Test passierte dies zum Beispiel beim Rechnen, als Euria für die stapelweise ausgelesenen Rechnungen eine falsche Gesamtsumme ermittelte. Trotz mehrfacher Nachfrage beharrte die KI auf dem eigenen Ergebnis. Das ließ sich nur korrigieren, indem der KI das korrekte Ergebnis vorgelegt wurde. Hier zeigen sich schlicht die Grenzen gängiger LLMs: Fehler in der Eingabe multiplizieren sich, Ihre Funktionsweise kann zu Halluzinationen führen. Immerhin ist Euria aber in seiner Ansprache und Fehlerakzeptanz wesentlich ehrlicher als die US-KIs, die gerne liebdienerisch den Fehler akzeptieren – nur, um ihn dann zu wiederholen.

Eindrücke der Software Euria

Wenn es ums Rechnen geht, verhaspelt sich Euria im Test manchmal.

(Bild: Screenshot)

Wie bei allen KI-Systemen dieser Art gilt also auch bei Euria: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – das Risiko, dass bei komplexeren Aufgaben Fehler auftreten, ist wie bei allen Sprachmodellen relativ hoch.


Fazit: Eine gute KI-Alternative

Nach einigen Tagen mit Euria ist klar: Die europäische KI-Alternative kann ChatGPT und Co. durchaus das Wasser reichen. Funktional teils nicht ganz so modern, wirkt Euria wie Gemini und Co. vor ein, zwei Jahren – liefert aber in der Regel die gewünschten Ergebnisse. Und zwar ohne, dass sich Nutzer Sorgen um ihre Daten machen müssen. Selbst komplexe Aufgaben bewältigte die LLM im Test zuverlässig, auch wenn es vereinzelt zu KI-typischen Fehlern kam.

Nicht gefallen haben uns im Test die Probleme bei der Videoanalyse sowie das völlige Fehlen von Bildgenerierung. Hier hat Infomaniak immerhin Verbesserungen angekündigt. Gelegentlich auftretende Halluzinationen kennen wir auch von anderen KIs der aktuellen Generation, sodass wir Euria hier im Vergleich nicht abwerten.

Insgesamt hinterlässt Euria damit einen positiven Eindruck: Die Schweizer Datenschutz-KI ist dank des großzügigen Gratis-Kontingents und des günstigen Abo-Preises eine gute Wahl für alle, die Alltags-KI brauchen, aber OpenAI, Google und Co. nicht vertrauen.

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