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Fast, als wäre man da

Hochwertige Videotelefonie am Desktop – so gehts

Gratisprogramme und reine Webdienste ermöglichen unkomplizierte Videotelefonate zwischen der Windows-, Mac- und Linux-Welt. Wer über einen Breitbandanschluss und eine schnelle CPU verfügt, bekommt seine Gesprächspartner aus aller Welt sogar in bestechender Qualität auf den Schirm.

Artikel aus c't 1/08

Mit Webcam, Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet verwandelt sich jeder handelsübliche Rechner in ein Videofonie-Terminal. Die notwendige Software und die Verbindungsdienste sind in der Regel kostenlos, Webcams liefern schon zu erschwinglichen Preisen Audio- und Videoströme in beeindruckender Qualität.

Anhand von Skype, aber auch einiger weniger bekannter Alternativen zeigen wir, wie man mit ein paar Handgriffen eine ansprechende Videoverbindung zum Geschäftspartner in Übersee oder für virtuelle Familientreffen aufbauen kann und welche Qualität drin ist – abhängig von der Hardware, Netzanbindung und nicht zuletzt der Software. Mac-Nutzern steht mit iChat von Haus aus ein Client zur Verfügung, der bis zu vier Teilnehmer in einer hochwertigen Videokonferenz zusammenbringt. Leider müssen Nutzer anderer Betriebssysteme dabei draußen bleiben. Eine Installation von Client-Programmen auf dem eigenen Rechner ist dabei übrigens nicht immer erforderlich – für manchen Vermittlungsdienst reicht ein Webbrowser mit installiertem Adobe Flash Player. Diese Minimalkonfiguration reicht auch zur Teilnahme an Adobes Webdienst für Videokonferenzen und Online-Schulungen Adobe Acrobat Connect Pro, der sich bei Preisen ab monatlich 375 US-Dollar für 15 Teilnehmer allerdings nur an Firmen wendet.

Die meisten Videofonie-Clients haben sich seit unserem letzten Vergleichstest in c't 1/07 nur im Detail verändert – von einigen Ausnahmen wie Skype und iChat wird im Folgenden die Rede sein. Seit einiger Zeit macht auch der Pinguin Augen: Eine Linux-Version von Skype oder Flash-Konferenzen im Web erlauben auch Nutzern des Open-Source-Betriebssystems Videofonate – und endlich über die Plattformgrenzen hinweg. Während die Installation von Soft- und Hardware auf dem Windows-Rechner oder dem Mac in der Regel mit ein paar Mausklicks erledigt ist, bockt Linux leider oft, wenn eine Webcam angeschlossen wird.

Nutzer eines Videofonie-Dienstes melden sich bei einem Vermittlungsserver an, der die Verbindung initiiert. In der Regel sind Client und Server unterschiedlicher Anbieter untereinander nicht kompatibel. So stellt iChat zwar Videoverbindungen zu einem älteren AOL-Client her, einen Skype-Nutzer hingegen erreicht es nicht. Die Clients teilen dem Server ihre aktuellen IP-Adressen mit; dynamische IPs stellen daher kein Problem dar. Ein umständlicher Austausch der IP-Adressen etwa per Mail ist heutzutage obsolet.

Verbindungen zwischen den Teilnehmern stellt der Server je nach Dienst über Protokolle wie SIP (Session Initiation Protocol), RTP (Real-Time Transport Protocol) oder auch H.323 (eine Protokoll-Empfehlung der Internationalen Fernmeldeunion ITU) her. Mit H.323 arbeiten auch viele Videokonferenzsysteme der Business-Klasse, die beim Verbindungsaufbau nicht so wählerisch wie die Gratislösungen sind und durchaus mit Geräten anderer Hersteller ins Gespräch kommen.

Im Idealfall bauen die Clients übers Internet direkte Verbindungen zueinander auf, um die Audio- und Videodatenpakete auszutauschen, ohne den Server zu belasten. Stellen sich dabei allerdings die Firewalls quer oder verstecken zwischengeschaltete NAT-Router (Network Address Translation) die IP-Adressen der Gesprächspartner, springt oft ein Server des Anbieters ein und wickelt den kompletten Datenaustausch ab.

Steht die Verbindung, reicht der Treiber die Aufnahmen von Webcam und Mikrofon an die Clientsoftware durch. Diese komprimiert und verpackt Bilder und Töne in Echtzeit; die einzelnen Programme benutzen dazu unterschiedlich moderne Codecs. Der Videocodec MPEG-4 AVC (H.264), der beispielsweise in Apples iChat zum Einsatz kommt, erzielt eine hohe Kompressionsrate bei guter Bildqualität, liefert also bei gleicher Bandbreite des Internetanschlusses bessere Bilder als sein Vorgänger H.263, den beispielsweise Qnext verwendet. Allerdings belastet das En- und Dekodieren von H.264-Videos den Prozessor deutlich stärker.

Skype benutzt den Codec VP 7 von On2 Technologies und misst für jede Verbindung die zur Verfügung stehende Bandbreite sowie die CPU-Last. Wenn die Netzanbindung ausgelastet ist oder der Prozessor beim Ein- und Auspacken von Videobildern und Sprachpaketen zu sehr ins Schwitzen gerät, drosselt die Software selbstständig die Framerate (Anzahl der übertragenen Bilder pro Sekunde) oder reduziert die Bildqualität.

Anders als am Steuer eines Autos gilt beim Telefonieren am PC keine Headset-Pflicht. Viele Webcams der Oberklasse haben mittlerweile ein Mikrofon. Möchte man beim Videofonieren kühle Ohren bewahren, kann man den üblichen Kopfhörer durch Lautsprecher ersetzen, die beispielsweise in vielen handelsüblichen Displays eingebaut sind. Noch einen Schritt weiter gehen manche Monitorhersteller: Viewsonic und Samsung etwa bauen in den Rand ihrer 22-Zoll-TFTs VX2255wmb und Syncmaster 225UW neben Lautsprechern Webcam und Mikrofon ein. Beim Samsung-Bildschirm schließt man diese Geräte einfach per USB-Kabel an den Rechner an. Im Test waren damit auf Anhieb Videotelefonate über Skype möglich, ohne weitere Treiberinstallation. Apple verbaut in jüngeren MacBook- und iMac-Modellen die eigene iSight-Kamera nebst Mikrofon, die nicht nur mit Apples iChat, sondern auch etwa mit Skype hervorragende Qualität liefert.

Lautsprecher und Kamera machen auch die Teilnahme zweier oder mehr Gesprächsteilnehmer im selben Raum an einem Videotelefonat möglich. Starke Echos oder gar Rückkopplungspfeifen muss man beim Telefonieren über Lautsprecher unserer Erfahrung nach übrigens kaum mehr befürchten, sofern das Mikro nicht gerade direkt auf die Boxen gerichtet ist. Sitzen Unbeteiligte im gleichen Raum, sollte man der Höflichkeit halber zum Headset oder zumindest zum Kopfhörer greifen. Recht bequem gehts mit einem kabellosen Bluetooth-Headset.

Für Skype als Videotelefonie-Client der Wahl spricht einiges: Es läuft auf allen wichtigen Plattformen, ist kostenlos und die Sprach- und Bildqualität überzeugt. Der Client ist relativ einfach zu installieren und zu bedienen. Und nicht zuletzt: An der Skype-Verschlüsselung beißt sich nach eigenem Bekunden selbst das BKA die Zähne aus. Den Quellcode seines Clients hütet Skype allerdings sorgfältig vor neugierigen Blicken, weshalb gelegentlich Gerüchte über versteckte Hintertüren durchs Internet geistern. Wie bei jeder Closed-Source-Software lassen sich diese weder schlüssig belegen noch entkräften.

Die aktuelle Version für Windows unterstützt mittlerweile offiziell Vista. Beim ersten Start bietet die Software an, ein Nutzerkonto zu erstellen, falls noch nicht vorhanden – ohne Umweg über Webseiten oder E-Mails. Jeder Teilnehmer ist über einen weltweit eindeutigen Skype-Namen zu identifizieren, den er sich selbst aussucht. Über diese Skype-Namen fügt man später Gesprächspartner der eigenen Kontaktliste hinzu.

Wenn die Windows-Firewall während der Installation meldet, sie habe einige Funktionen geblockt, kann man diese Blockade getrost bestehen lassen – unserer Erfahrung nach klappt die Verbindung hinterher trotzdem problemlos. Audio- und Kameratreibern sollte man hingegen den Zugriff gewähren. Dadurch bekommen die bei der Webcam mitgelieferten Videoeffekte und Avatare auch auf der Skype-Bühne ihren Auftritt, wenn man sie während des Videofonats über das Kontrollfeld des Kameraprogramms aktiviert.

Den eigenen Online-Status bestimmt man über eine Auswahlliste, die ein Klick auf den kleinen Pfeil neben dem eigenen Namen oben im Fenster hervorbringt. Will man mal seine Ruhe haben, etwa um die Software zu konfigurieren, wählt man hier "Nicht verfügbar", "Beschäftigt" oder gleich "Offline". Vorsicht vor dem "SkypeMe"-Modus – er deaktiviert vorübergehend alle Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre und erlaubt wildfremden Menschen die Kontaktaufnahme.

Was andere Skype-Teilnehmer über einen selbst wissen dürfen, gibt man unter dem Menüpunkt "Datei/Mein Profil bearbeiten …" ein: etwa Wohnort, Geschlecht, Geburtsdatum oder die eigene Homepage. Auf dem Mac findet man diese Angaben unter "Konto/Mein Profil..." Die sonstigen wichtigen Konfigurationseinstellungen versammelt ein Dialog, den ein Klick auf den Menüeintrag "Aktionen/Optionen" öffnet (auf dem Mac unter "Skype/Einstellungen..." zu finden, die weiteren Kategorien heißen ähnlich wie unter Windows). Hier lohnt sich ein kritischer Blick auf die Standardeinstellungen, denn die schützen die Privatsphäre zunächst nur moderat. Außerdem kann Skype ohne Feinschliff unter Umständen nerven: So startet sich der Client standardmäßig beim Systemstart mit und geht – wenn man die Option zur automatischen Anmeldung nicht abgewählt hat – auch gleich online. Klickt man auf die Schaltfläche "Allgemein", öffnet sich ein weiteres Dialogfeld mit "Allgemeinen Einstellungen". Dort klickt man bei Bedarf den Haken neben "Skype beim Windows-Start ausführen" weg. "Allgemein/Audioeinstellungen" legt fest, über welche Geräte Sie das eigentliche Videofonat abwickeln wollen. War der Rechner mit mehreren Geräten zur Sprachaufnahme und -ausgabe ausgerüstet, hielt Skype bei unseren Versuchen unter Windows mitunter hartnäckig an seiner Vorauswahl fest. Manchmal half es, das gewünschte Headset in der Windows-Systemsteuerung zum Standardgerät zu erklären und trotzdem in der Skype-Konfiguration noch einmal explizit auszuwählen. Ein Neustart von Skype oder des ganzen Rechners verleiht den veränderten Einstellungen mitunter den notwendigen Nachdruck. Bei einer unserer XP-Installationen drängelte sich dennoch die Soundkarte mit dem analogen Kopfhörer stets vor das gewünschte USB-Headset – am Ende half nur, in der Windows-Systemsteuerung die Soundkarte temporär zu deaktivieren. Auf einem anderen Rechner schaltete Vista bei Beginn jedes Anrufs das USB-Headset stumm, was wir jedes Mal über das Lautsprechersymbol im System Tray von Hand ändern mussten.

Ob die Einstellungen funktionieren, klärt unter Windows der Skype-Testanruf. Man startet ihn entweder über den Link direkt aus dem Audiodialog oder über das Skype-Hauptfenster, wo er unter dem Karteireiter "Meine Kontakte" aufgeführt ist. Der Testanruf funktioniert wie ein Anrufbeantworter: Nach einer Art Klingelton und einer kurzen Begrüßung aus der Konserve darf man ein beliebiges Sprüchlein absondern und bekommt die eigene Stimme wieder vorgespielt. Erscheint dabei die Meldung "Skype kann Sie nicht hören, ist Ihr Mikrofon vielleicht zu leise eingestellt oder abgeschaltet?", ist das noch kein Grund zur Panik: Bei unseren Versuchen erschien die einmal, obwohl das Headset gut funktionierte.

Klingt die eigene Stimme bei der Wiedergabe brüchig, sollte man sich nicht irritieren lassen: Skype braucht pro Gespräch etwa 30 Sekunden, um zu erforschen, wie viel Bandbreite und Prozessorleistung für die Verbindung zur Verfügung stehen, und läuft erst allmählich zu Bestform auf. Hört man allerdings Klingelton und Ansage oder die eigene Stimme gar nicht, ist möglicherweise auch ein separater Lautstärkeregler am Headset oder am Lautsprecher Schuld am Schweigen in der Leitung.

Skype lernt Sehen deutlich leichter als Hören – die Webcam erkennt es meist automatisch. Den Standardeinstellungen nach startet man die Videoübertragung im Gespräch von Hand, ein Haken "Allgemein/Videoeinstellungen" aktiviert den Videoversand auf Wunsch auch automatisch. Das eigene Bild kann man allerdings niemandem aufdrängen, da jeder Teilnehmer über die weiteren Optionen selbst wählen kann, von wem er eingehende Videos automatisch empfangen will.

Welche Anrufe überhaupt durchgestellt werden, regeln die Einstellungen unter "Privatsphäre". Möchte man im kleinen Kreis bleiben, beschränkt man die Anrufe auf die handverlesenen Kontakte in der eigenen Liste. Unter "Anrufeinstellungen" legt man fest, ob Skype eingehende Anrufe automatisch annehmen soll. Das sollte man sich gut überlegen: Den Rechner einfach klingeln lassen, wenn man gerade keinen Bock auf Plaudern hat, ist dann nicht mehr drin. Oder ein Bekannter stellt eine Verbindung her, ohne dass man das selbst mitbekommt – auch wenn das Headset unbenutzt auf dem Schreibtisch liegt, überträgt sein Mikrofon erstaunlich viel von allem, was im Raum gesprochen wird. Und wer lässt sich schon gerne unbemerkt beobachten?

Ob sich Skype bei neuen Versionen oder Sicherheitsupdates nur bemerkbar machen oder die Aktualisierung selbst einleiten soll, regelt der Dialog unter "Erweitert" (auf dem Mac unter "Allgemeines"). Sicherheitsupdates sollte man keinesfalls auslassen, da Skype in der Vergangenheit immer wieder selbst Lücken seiner Software gemeldet hat, zuletzt im Februar.

Unter "Erweitert/Verbindung" teilt man Skype Spezialitäten der eigenen Netzanbindung wie die Daten eines Proxy-Servers mit. Hakt man "Während des Gesprächs technische Informationen anzeigen" und "Bandbreitennutzung von Skype anzeigen" an, erscheinen in einem riesigen Tooltip unter anderem Daten über die Prozessorlast, die Videoauflösung sowie übertragene und empfangene Framerate. Die Werte helfen beim Optimieren und geben einen Anhaltspunkt, ob etwa die Webcam die vom Hersteller versprochene Leistung auch in der Praxis bringt.

Nach dem Streifzug durch die Konfiguration setzt man seinen eigenen Status wieder auf "Online" und sammelt seine Kontakte. Outlook-Benutzer, die ihre Outlook-Daten in Skype nicht angezeigt bekommen möchten, können das im "Ansicht"-Menü ändern. Über "Aktionen/Nach Kontakten suchen..." (Mac: "Kontakte/Kontakt hinzufügen...) fahndet man nach E-Mail-Adressen, bürgerlichen oder Skype-Namen. Ein Klick auf "Skype-Kontakt hinzufügen" öffnet ein Fenster, in das man bei Bedarf noch eine Kurznachricht tippt und dann an den Empfänger schickt. Dieser erhält eine Nachfrage, ob er den Interessenten in die eigene Kontaktliste aufnehmen will. Je nach Einstellung des eigenen Skype-Clients kommen erst unter dieser Voraussetzung überhaupt Videofonate zustande. Es sei denn, man wirft per "SkypeMe" vorübergehend alle Vorsicht über den Haufen.

Videos zeigt Skype zunächst im Hauptfenster eingebettet an. Schwebt der Mauscursor über dem Bild, erscheinen Schaltflächen, um das "Video im Fenster", einem herausgelösten Rahmen von 640 x 480 Pixeln Größe, oder gar als Vollbild anzuzeigen. Dieses ist stets interpoliert – mehr als VGA-Auflösung überträgt Skype derzeit nicht, selbst wenn die Kamera mehr zu bieten hat.

640 x 480 Pixel liefern viele Webcams mit links – allerdings sagt Skype derzeit nur für drei ausgesuchte Modelle des Herstellers Logitech 30 übertragene Bilder pro Sekunde fest zu. Diese schnellen VGA-Bilder bewirbt Skype als "High Quality Video". Der Kamerahersteller und der VoIP-Anbieter haben dazu den Client und die Treiber von QuickCam Pro 9000, QuickCam Pro für Notebooks und QuickCam Sphere AF aufeinander abgestimmt. Deren "High Quality"-Zertifikat darf man allerdings nicht mit dem Siegel "Skype-zertifiziert" verwechseln – damit schmücken sich viele Webcams.Die exklusive Zusammenarbeit mit Logitech ist laut Skype allerdings auf zehn Monate begrenzt, dann kann sich auch jede andere Kameraschmiede um High Quality bemühen.

Erkennt Skype eine der auserwählten Webcams, weist es den stolzen Besitzer per Popup und Logo extra darauf hin. Das gleiche Logo deutet auch während des Videofonats auf eine High-Quality-Übertragung hin.

Mit der Kamera alleine ist es allerdings noch nicht getan: Skype muss zusätzlich auf einem Rechner mit Doppelkern-Prozessor laufen. Für Up- und Downstream müssen mindestens 380 KBit/s zur Verfügung stehen – auf beiden Rechnern und jeweils in beide Richtungen. Aber selbst bei genügend Rechenpower auf beiden Seiten und einer großzügig bemessenen Netzanbindung kann es bisweilen passieren, dass die Bilder ruckeln, als würden sie gerade erst laufen lernen. Dann sind möglicherweise die zwischen den Clients liegenden NAT-Router oder Firewalls Schuld.

Skype leitet die Audio- und Videoströme nämlich über Relay-Server um, wenn die Clients trotz Tricks wie "hole punching" keine direkte Verbindung herstellen können. Damit der Server nicht in die Knie geht, drosselt Skype den Datenstrom in diesem Modus auf jeweils etwa 100 KBit/s Up- und Downstream – viel zu wenig für die angestrebte Qualität.

Wir probierten Skypes High Quality Video auf mehreren Rechnern, unter anderem mit AMD-Prozessoren (Athlon 64 X2 4600+ mit 2,6 GHz Dual Core) sowie Netzanschlüssen per 6-MBit-DSL und VDSL mit 15 MBit aus. Tatsächlich erschien jeweils nach der Skype-üblichen Warmlaufzeit das versprochene Logo im Videofenster. Auf dem Tooltip mit technischen Informationen meldete Skype 30 übertragene Bilder pro Sekunde. Durchaus plausible Angaben: Die Videoqualität bestach – und erreichte annähernd Fernsehverhältnisse. Auch der Ton wurde klar übertragen.

Die getestete Version 2.7 von Skype für Mac OS X segelt zwar offiziell nicht unter der High-Quality-Flagge, muss den Vergleich aber nicht scheuen: Standen je 500 KBit/s im Up- und Downstream oder mehr zur Verfügung, schickte ein MacBook mit Intel-Dual-Core-CPU 20 bis 30VGA-Bilder pro Sekunde übers Netz, aufgenommen von seiner internen Kamera. Ein Mac Pro mit FireWire-iSight-Kamera übertrug konstant 30 Frames.

Bei anderen Wünschen muss Skype passen: Konferenzschaltungen mit mehr als zwei Teilnehmern sind nur als reine Audiokonferenz möglich. Als Abhilfe bieten sich überraschenderweise nicht noch ausgereiftere Client-Programme an, sondern Web-Angebote.

Die sind außerdem interessant, wenn man auf dem verfügbaren Rechner keine Software installieren will oder darf – etwa im Internet-Café oder im Büro. Teilnehmer einer solchen Web-Videokonferenz brauchen lediglich einen Browser mit Flash-Plug-in. Dieses greift mit Segen des Anwenders auf Webcam und Headset zu. Allerdings sollte man besser das Angebot ablehnen, diese Freigabe zu speichern – sonst könnten Flash-Anwendungen theoretisch die Umgebung des eigenen Rechners belauschen und filmen, ohne dass dies seinem Besitzer gerade bewusst ist.

Videokonferenzen im Web laufen etwas anders ab als mit installierten Clients. Man lädt die Gesprächspartner per Mail ein; je nach Dienst geht das unterschiedlich komfortabel. Anschließend betritt man über eine URL einen virtuellen Konferenzraum und wartet, ob die anderen tatsächlich kommen. Und ob es wirklich die erwarteten Besucher sind.

Auch bei den lokal installierten Clients gibt es Alternativen zu Skype – wenn besondere Fähigkeiten gefragt sind. Wer plattformübergreifende Gruppenkonferenzen über lokal installierte Clients abwickeln will, sollte einen Blick auf WengoPhone (als Programm) und Qnext werfen. Beide Programme sind kostenlos für Windows, Mac OS X und Linux erhältlich. Die Videoqualität bei beiden Multi-Plattform-Clients bleibt allerdings weit hinter der von Skype zurück: Die Videoauflösung beträgt höchstens 352 x 288 Pixel (CIF), als Codecs kommen die etwas betagten H.261 oder H.263 zum Einsatz.

Mit der Software WengoPhone kann man sich beim Dienstanbieter Openwengo mit dem gleichen Benutzerkonto anmelden wie beim oben vorgestellten Webdienst Wengomeeting. WengoPhone wird unter Linux öfter verwendet und eignet sich für plattformübergreifende Kommunikation, brachte in unseren Versuchen allerdings kein Videobild durch eine solide Firewall und an einem NAT-Router vorbei. Unter Mac OS X 10.5 lässt sich WengoPhone nicht installieren. Kein Problem mit Leopard oder Routern hat hingegen das Java-Programm Qnext. Beim Start bringt es sich nötigenfalls selbst auf den neuesten Stand – auch an einem Proxy-Server vorbei. Leider ist die Bedienoberfläche etwas gewöhnungsbedürftig; einen Anruf anzunehmen erfordert zwei Mausklicks auf etwas unauffällig geratene Symbole in zwei verschiedenen Fenstern.

Legt man Wert auf ein komplett nach außen abgeschottetes Videotelefonie-Netz, kann man auch den notwendigen Vermittlungsserver selbst betreiben – sofern man an die nötige Software dafür kommt. Das Instant-Messaging-Protokoll Jabber vermittelt nicht nur Chats, sondern auch Videotelefonie-Verbindungen, und Jabber-Server wie OpenFire oder Ejabberd sind frei im Netz verfügbar. Allerdings gibt es nur wenige Clients, die über Jabber-Accounts tatsächlich videofonieren können. Dazu zählt das Mac-Programm iChat. Brauchte man früher für Gruppengespräche per iChat einen Jabber-Server, bringt Version 4, die zum Lieferumfang von Leopard gehört, auch über Bonjour im LAN oder Wide-Area-Bonjour über die Grenzen lokaler Netze hinweg Dreier- oder Vierkonferenzen zum Laufen.

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