Internxt im Test: Private Cloud aus Spanien
Unsere Erfahrungen mit Internxt
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Cloud-Speicher sind enorm praktisch, haben aber in der Regel einen Nachteil: Weil „die Cloud“ einfach ein fremder Server ist, liegen die Daten hier unverschlüsselt herum. Der Cloud-Anbieter hat Zugriff – und gibt diese schlimmstenfalls auch an schnüffelfreudige Regierungen heraus. Bei US-Anbietern ist diese Gefahr aufgrund des CLOUD-Act besonders groß.
Wer mehr Datensicherheit möchte, ohne mit separaten Cloud-Tresoren oder Tools wie Cryptomator zu hantieren, benötigt eine Cloud mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Zero-Knowledge. Genau diese Nachfrage bedient der spanische Cloud-Anbieter Internxt, der sich als absolut sichere Cloud-Lösung präsentiert.
Internxt: Einfach ein weiterer Cloud-Dienst?
Internxt* ist eine europäische Alternative zu Amazon, Apple, Google und Microsoft, deren Cloud-Dienste den Markt dominieren. Das 2020 von Fran Villalba Segarra in Valencia gegründete Unternehmen besitzt Server-Infrastruktur ausschließlich in der EU und unterliegt damit strengem EU-Datenschutz. Außerdem setzt Internxt auf eine strenge Zero-Knowledge-Politik: Alle Daten werden vor(!) dem Upload automatisch verschlüsselt und sind nicht für den Betreiber oder Dritte zugänglich. Dazu wird laut Anbieter „Post-Quanten-Kryptografie“ verwendet, die laut BSI auch vor kommenden Quantencomputer-Angriffen schützen soll.
Cloud mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Verschlüsselt wird automatisch beim Browser-Upload oder über den Internxt-Client für Mac, Windows, Linux und natürlich Android und iOS. Der ist quelloffen, der Code kann jederzeit überprüft werden, was gut ist. Internxt versichert, dass anbieterseitig weder Dateien noch Benutzer-Zugänge in irgendeiner Form unverschlüsselt auftauchen. Und: Der Anbieter kann deshalb nach eigenen Aussagen keine Passwörter zurücksetzen. Genau deshalb sollten Nutzer bei der Einrichtung auch den Backup-Schlüssel herunterladen und sicher ablegen. Denn wer sein Passwort verbummelt und keinen Backup-Schlüssel hat, kommt nicht mehr rein.
Internxt sichert automatisch Ordner oder ganze Laufwerke in der Cloud.
(Bild: Screenshot)
Internxt im Normalbetrieb: Einfach eine sichere Cloud
Nutzt man den Cloud-Dienst über die zugehörige Client-Software namens „Internxt Drive“ oder über den Browser, funktioniert Internxt tadellos: Uploads sind schnell, Downloads ebenfalls. Alles geht, wie von anderen Cloud-Anbietern bekannt, bequem per Drag & Drop – und vor allem ohne lästige Zusatz-Passwörter in einem innerhalb der Cloud liegenden Ende-zu-Ende-verschlüsselten Tresor. Denn Internxt wendet diese Verschlüsselung ohne Ausnahme immer an.
Die Cleaner-Funktion schaufelt Festplattenspeicher frei.
(Bild: Screenshot)
Gut gelöst: Der Client und auch die Web-Oberfläche sind extrem schlank gehalten, es gibt keine verwirrenden Bedienelemente. Etwas irritierend sind jedoch die beiden Funktionen „Cleaner“ und „Antivirus“, die den Rechner aufräumen und auf Wunsch Ordner nach Viren durchsuchen können. Diese verstecken sich aber in den Einstellungen des Clients und belästigen Anwender nicht.
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Praktische Backup-Funktion
Neben dem eigentlichen Cloud-Sync besitzt Internxt auch eine Backup-Funktion. Die ist denkbar einfach umgesetzt: Jeder Computer, auf dem der Internxt-Client läuft, erhält automatisch einen Backup-Ordner in der Cloud. Standardmäßig sichert Internxt allerdings noch nichts. Denn die zu sichernden Ordner müssen zunächst ausgewählt werden. Hier bieten sich typische Benutzerverzeichnisse wie „Bilder“ oder „Dokumente“ an, die Funktion kann aber auch komplette externe Laufwerke sichern, wenn diese als Ordner ausgewählt werden.
Das Backup kann stündlich, alle 6 Stunden, täglich oder manuell erfolgen: Die Dateien werden im Hintergrund in den vom „normalen“ Cloud-Betrieb getrennten Backup-Bereich von Internxt hochgeladen. Dort werden alle Geräte übersichtlich aufgelistet, Dateien können jederzeit via Browser aus dem Backup extrahiert werden. Leider gibt es keinen Backup-Zugriff über die Smartphone-App.
Gerätebackups werden übersichtlich angezeigt – leider nur auf dem Desktop
(Bild: Screenshot)
Achtung: Keine Versionierung, Backup-Fehler
Leider handelt es sich um eine Backup-Lösung ohne Versionierung: Wird eine Datei geändert, wird sie beim Sync auch in der Cloud geändert, die alte Version ist weg. Das schützt vor Totalverlusten, ist aber (noch) kein Ersatz für echte Backup-Dienste wie Backblaze oder iDrive. Auch der Schweizer Cloud-Konkurrent pCloud (Test) bietet mit einer erweiterbaren, 30-tägigen Versionierung mehr. Laut Internxt ist eine Versionierung für die Zukunft geplant, bis dahin könne der zusätzliche Einsatz eines lokalen Backups wie Time Machine (Mac) oder Dateiversionsverlauf (Windows) sinnvoll sein.
Im Test lief die Backup-Funktion zwar meist rund, es gab aber auch Probleme: Entweder das Backup wurde als „fertig“ markiert, obwohl es gar nicht fertig war. Oder die Backup-Funktion war wegen eines Fehlers nicht verfügbar. Beide Probleme traten im Test gelegentlich auf Macs und PCs auf, sowohl im Client 2.6.4 für Windows, als auch im Client 2.6.2 für macOS. Oft war ein Neustart des Rechners die Lösung. Hier sollte der Anbieter nacharbeiten.
Internxt: WebDAV nur mit Tricks
Die konsequente Anwendung der besonders sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geht leider auch mit Nachteilen einher. So bewirbt Internxt zwar „WebDAV“ im Ultimate-Tarif, doch das ist mit E2E eigentlich technisch nicht möglich. Stattdessen gibt es die Möglichkeit, über die Kommandozeile einen WebDAV-Server lokal auf dem Windows-, Mac- oder Linux-Rechner zu installieren: Dieser bindet Internxt wie ein WebDAV-Laufwerk ein, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erhalten bleibt. Die Funktion übersetzt sozusagen zwischen WebDAV und Internxt.
Im Ultimate-Tarif muss für WebDAV zunächst Internxt-CLI installiert werden. Anschließend stellt ein lokaler WebDAV-Server WebDAV für den Dienst bereit. Die NAS-Implementation funktioniert ähnlich, aber per Container.
(Bild: Screenshot)
Dadurch kann das Internxt-WebDAV aber zum Beispiel nicht mit der Fritz!Box oder anderen nicht unterstützten Routern mit NAS-Funktion oder in nicht unterstützten Betriebssystemen verwendet werden. Damit das nicht zum Problem wird, gibt es den WebDAV-Server auch als Version für QNAP- und Synology-NAS-Systeme: Dort läuft er als Container, benötigt also Container Station (QNAP) oder Container Manager (Synology). Die Einrichtung all dieser Funktionen ist eher für fortgeschrittene User geeignet.
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Limitiertes VPN inklusive
In allen Tarifen bietet Internxt „Encrypted VPN“ als Teil des Abos oder Lifetime-Plans an. Dies könnte theoretisch eine Aufwertung für Nutzer sein, die an VPN interessiert sind, aber kein bestehendes VPN-Abo bei Anbietern wie Surfshark, NordVPN oder Mullvad haben. Allerdings ist der Dienst derzeit ausschließlich für Google Chrome (und damit auch Microsoft Edge) als Plug-in verfügbar. Es gibt die VPN-Funktionalität weder systemweit noch für andere Browser oder sonstige Online-Anwendungen. Damit kann der Internxt-Dienst nicht mit vollwertigen VPN-Anbietern mithalten und ist in unseren Augen kein Verkaufsargument, sondern allenfalls ein nettes Extra, um dessen Beschränkungen man wissen sollte.
Leider nur für Chrome: Internxt-VPN.
(Bild: Screenshot)
Tarife und Extras
Preislich liegt Internxt im Rahmen vergleichbarer europäischer Cloud-Dienste wie Proton Drive*. Interessant wird Internxt vorrangig durch die hohen Rabatte im ersten Jahr und die Lifetime-Angebote, die es mit einem, drei oder fünf Terabyte ab einmalig 293,93 € gibt. Je höher der Tarif und Speicherplatz, desto mehr Funktionen bietet Internxt. In der höchsten Ausstattung „Ultimate“ sind das zum Beispiel neben WebDAV, RClone und dem Kommandozeilen-Client der NAS-Support sowie der verschlüsselte Videochat Meet und eine kommende Mail-Funktion. Aus unserer Sicht sind das alles keine zwingenden Extras, die den Kauf der Ultimate-Version rechtfertigen. Der hohe Speicherplatz von 5 Terabyte hingegen schon.
Im Browser gibt es eine Vorschau für gängige Medien- un Officedateien.
(Bild: Screenshot)
Fazit: Eine solide Cloud für den Alltag
Insgesamt hinterlässt Internxt* im Test einen sehr guten Eindruck: Viel Speicher, ein schlanker Client und vor allem die unproblematische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung machen den Dienst zu einer guten Wahl für Nutzer, die sich keine Sorgen um ihre Daten in der Cloud machen wollen. Die integrierte Backup-Funktion ist praktisch, bietet aber leider zum Testzeitpunkt noch keine Versionierung.
Der Betrieb ist bis auf kleinere Probleme mit der Drive-App zuverlässig, wobei die App recht minimalistisch ist und sich auf den Speicher-Aspekt konzentriert. Schön, wenn auch umständlich, ist die WebDAV- und NAS-Unterstützung. Kein Verkaufsargument ist für uns das sehr limitierte VPN, das in allen Tarifen als Extra enthalten ist.
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Redaktion & Aktualisierung: heise download
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