{{commentsTotalLength}}

Tipps zum Schutz vor Ransomware

Wie ihr Erpressungs-Trojanern den Riegel vorschiebt und eure Daten rettet

Ein falscher Klick und schon ist es passiert: Ransomware hat den eigenen Rechner als Geisel genommen. Das bedeutet nicht selten den Verlust wichtiger und persönlicher Daten. Wir geben Tipps, wie ihr euch davor schützen könnt - und eure Daten zurückholt, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Zuletzt aktualisiert am 12.10.2017

Wie Sand am Meer gibt es Programme, die speziell für das Erkennen, Blockieren und Entfernen von Schadsoftware entwickelt wurden – beispielsweise Antiviren-Programme, Anti-Spyware-Tools oder Browser-Plugins, die in Echtzeit für Sicherheit beim Surfen sorgen wollen. Gegen konventionelle Bedrohungen bieten diese Wächter meist guten Schutz. Dennoch gelingt es Cyber-Kriminellen häufig, eine besondere Form von Schadsoftware an diesen Tools vorbeizuschmuggeln: die sogenannte Ransomware. Besonders anfällig für diese Erpressungs-Trojaner sind Nutzer, die allzu sorglos mit E-Mail-Anhängen umgehen oder unvorsichtig beim Surfen sind – sei es aus Unerfahrenheit oder einem Sicherheitsgefühl, das konventionelle Schutzlösungen bei Ransomware oft zu Unrecht vermitteln.

Video: Gerald Himmelein von heise online erklärt den Erpressungs-Trojaner WannaCry.

Verschlüsselungs-Trojaner wie Locky, Petya, WannaCry oder der CryptoWall-Virus zeigen, dass sich das Geschäft für die Drahtzieher lohnt. Allein CryptoWall richtete laut SecuPedia und SecurityWeek innerhalb eines Jahres einen finanziellen Schaden von rund 325 Millionen US-Dollar an. Auf 18 Millionen US-Dollar schätzt das amerikanische FBI die Summe der Lösegelder, die die Autoren des Trojaners im selben Zeitraum eingenommen haben. Vorläufer moderner Ransomware waren Schadprogramme wie der BKA-Trojaner, der von 2011 bis 2013 Hunderttausende Computer infizierte und seine Urheber um mehrere Millionen Euro bereicherte – die Bande dahinter wurde bereits 2013 von der Polizei gefasst. Beliebteste Plattform für die Verbreitung von Ransomware ist Microsoft Windows. Dank seiner großen Verbreitung bietet Windows auch gleichzeitig das größte Infektionspotenzial für die Schadsoftware.

Als Ransomware wird jede Art von Schadsoftware bezeichnet, die dem Nutzer den Zugriff auf seine eigenen Daten (oder gleich den ganzen Rechner) sperrt und erst gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder freigibt. Bekannte Beispiele für Ransomware sind die Trojaner Petya, Locky, Teslacrypt und CryptoWall. Allgemein unterscheidet man bei Erpressungs-Trojanern zwischen zwei Varianten:

  • Sogenannte Kryptotrojaner (auch Verschlüsselungs-Trojaner genannt) verschlüsseln Dateien und machen sie so für den Nutzer unlesbar. Gegen Zahlung eines Lösegeldes wird eine Entschlüsselung der Dateien in Aussicht gestellt, sodass man wieder ganz normal darauf zugreifen kann. Ein bekanntes Beispiel für solche Verschlüsselungs-Trojaner ist Locky.
  • Lockscreen-Trojaner lassen die Dateien selbst unangetastet. Sie beschneiden stattdessen die Eingabemöglichkeiten des Nutzers so, dass keine Nutzung des Rechners mehr möglich ist. Üblicherweise verhindert ein Sperr-Bildschirm (Lockscreen) die ordnungsgemäße Funktion des Systems.

Die Aufforderung zur Zahlung eines Lösegeldes per eingeblendetem Vollbild-Hinweis haben beide Ransomware-Arten gemeinsam. Die Erpresser bieten als Gegenleistung ein Passwort beziehungsweise Key zur Entschlüsselung der Daten oder eine Freischaltung des Rechners an. Neben der moralischen Frage, ob eine solche Überweisung die richtige Reaktion auf eine Erpressung ist, drängt sich zudem die Frage der Vertrauenswürdigkeit auf: ob man im Anschluss an die Zahlung des Lösegeldes tatsächlich den Entschlüsselungscode ausgehändigt bekommt, ist nicht sichergestellt.

Wer denkt, er sei vor Ransomware wie Locky & Co geschützt, weil er grundsätzlich keine unsicheren Seiten besucht und keine E-Mail-Anhänge unbekannter Absender öffnet, der irrt zumindest teilweise. Natürlich minimiert man so die Infektionsgefahr, einen vollständigen Schutz vor Schadsoftware bedeutet auch das allerdings nicht. Grundsätzlich empfehlenswert ist es, mit spezieller Software wie RansomFree oder Malwarebytes 3 der Sicherheit auf die Sprünge zu helfen. Das schützt unter anderem vor Bedrohungen wie Locky und CryptoLocker und dreht dank Verhaltenserkennung sogar noch unbekannten Verschlüsselungs-Trojanern den Saft ab, bevor sie sich an den eigenen Daten zu schaffen machen. Weiterhin empfiehlt es sich, einige Verhaltensregeln im täglichen Umgang mit PC und Internet zu befolgen, um einem möglichen Schaden durch Malware im Allgemeinen und Ransomware im Besonderen vorzubeugen:

  • Backups anlegen
    Die alte Leier – aber immer noch die beste Methode, um dem Verlust von Daten vorzubeugen. Legt in regelmäßigen Abständen Backups eurer Daten an. Der Ärger über einen Ransomware-Befall des eigenen Systems hält sich so zumindest in Grenzen. Lasst das Speichermedium für eure Datensicherung aber nicht dauerhaft an den Rechner angeschlossen, da es sonst ebenfalls Opfer der Verschlüsselung werden kann! Dies gilt auch für Netzlaufwerke. Deswegen sind USB-Sticks, externe Festplatten und DVDs für Backups geeignet, die erst wieder angeschlossen werden dürfen, wenn das System sauber ist. Wer sicher gehen will, kann ein Live-Linux wie Knoppix nutzen, um die Backups wieder auf den gereinigten Computer zu kopieren.
  • Updates und Patches installieren
    Jede auf eurem Rechner installierte Software, vom Betriebssystem über Büro-Anwendungen bis hin zu Laufzeitumgebungen und dem bekannten Flash Player, bringen potenzielle Sicherheitslücken mit, die Malware-Programmierer ausnutzen. Um Sicherheitslücken zu reduzeiren, solltet ihr stets alle Programme auf dem neusten Stand halten. Zudem ist es besser, unnötige Software zu deinstallieren. Dies ist zum Beispiel beim Flash Player der Fall, da Video-Streams heute den MP4-Codec nutzten und nicht mehr Flash.
  • Schutz vor unsicheren Webseiten
    Unsichere Webseiten sind ein großes Risiko, denn sie versuchen Schadsoftware beim Öffnen auf dem Computer zu installieren. Leider weiß man nicht, ob eine Seite unsicher ist oder nicht. Denn wer etwas über eine Suchmaschine sucht, bekommt immer Webseiten angezeigt, die man selbst noch nicht kennt. Aber sind sie auch sicher? Browser wie Firefox und Google Chrome nutzen den Google Safe-Browsing-Service, um vor gefährlichen Downloads zu warnen. Und Add-ons wie NoScript unterbinden JavaScript das Schadcode ausgeführen könnte. Auch Ad-Blocker wie uBlock Origin führen Listen von gefährlichen Domains und blockieren sie ebenso wie Werbung. Zudem bietet so manche Antivirus-Software einen Schutz beim Surfen und vor gefährlichen Webseiten an.
  • Vorsicht bei Links in E-Mails
    Links in Phishing-Mails führen nicht selten zu betrügerischen Webseiten, die von dem sicheren Original optisch nicht zu unterscheiden sind. Achtet deshalb vor dem Klick auf Buttons auf die Web-Adresse, die in der linken unteren Ecke eures Browsers oder Mailclients angezeigt wird, wenn ihr den Mauszeiger über den Link fahrt. Ist hier eine URL abzulesen, die nichts mit dem Namen der besuchten Webseite oder des Webseiten-Betreibers zu tun hat, solltet ihr auf den Klick verzichten.
  • Lesezeichen nutzen
    Für das Onlinebanking ist der beste Schutz ein Lesezeichen, das euch zur richtigen Onlinebanking-Webseite der Bank oder Sparkasse führt. Dieses solltet ihr immer anstelle von Links in E-Mails nutzen. Denn so vermeidet ihr bei einer Phishing-Mail, dass ihr zu einer Fake-Seite geleitet werdet, die eure Nutzerdaten und das Passwort klaut. Zudem schützen Lesezeichen vor Tippfehlern. Denn leider kommt es immer wieder zu Vertippern, durch die eine Seite mit ähnlichem Namen aufgerufen wird. Manche Hacker besorgen sich bewusst Domains mit Namen, die nur wenig von jenen viel genutzter Webseiten abweichen. Sie spekulieren auf Tippfehler und versuchen dann beim Aufruf ihrer Seite Schadcode zu verteilen.
  • Nur E-Mails sowie E-Mail-Anhänge von bekannten Absendern öffnen
    Immer wieder gelangen E-Mails unbekannter Absender vorbei am Spamfilter in unsere E-Mail-Postfächer. Wer hier dem Grundsatz folgt keine E-Mails und insbesondere keine Anhänge von unbekannten Absendern zu öffnen, der verringert die Gefahr, Opfer von Ransomware zu werden. Aber auch für den Bereich elektronische Post gilt: einen 100%igen Schutz gibt es nicht. Deshalb ist es empfehlenswert, den Absender einer E-Mail mehrmals zu überprüfen, bevor man die Mail sowie eine angehängte Datei oder Link öffnet. Einige Dateitypen sollten euch grundsätzlich misstrauisch machen, unter anderem .asf, .exe, .avi, .mov, .mpg, .bat, .scr, .zip, .rtf, .doc, .pif, .reg sowie .vbs. Ist euch der Absender persönlich bekannt, ruft ihn im Zweifelsfall an und fragt, ob die E-Mail und der Anhang von ihm sind.
  • Erweiterungen bei bekannte Dateitypen nicht ausblenden
    Windows hat die Eigenart, dass standardmäßig bekannte Dateiendungen ausgeblendet werden. Dies kann zu bösen Verwechslungen führen. Denn lautet ein Dateiname zum Beispiel Dokument.pdf, ist "pdf" nicht die Dateiendung, da diese ausgeblendet wird. Die Datei könnte vollständig Dokument.pdf.exe heißen und wäre damit eine ausführbare Datei, die vielleicht Schadsoftware installiert, wenn man sie öffnet, um das angebliche PDF-Dokument zu betrachten. Deswegen müsst ihr in den Optionen des Windows-Explorers den Punkt "Erweiterungen bei bekannten Dateientypen ausblenden" deaktivieren, damit Windows den Dateinamen mit Dateiendung vollständig anzeigt.
  • Remoteunterstützung bei Windows deaktivieren
    Ransomware bedroht nicht nur lokale Computer, sondern infiziert auch das Netzwerk. Dazu nutzt die Schadsoftware das Remote Desktop Protocol (RDP), das den entfernten Zugriff von unterwegs aus auf den Windows-PC erlaubt. Zur Sicherheit solltet ihr die Remoteunterstützung in den Systemeigenschaften deaktivieren.
  • Software für den Schutz vor Ransomware installieren
    Neben regelmäßigen Backups und einem aufmerksamen Umgang mit dem Internet solltet ihr eine aktuelle Schutz-Software wie RansomFree oder Malwarebytes 3 auf dem Rechner installieren, um euch gegen Ransomware wie WannaCry zu schützen.

Eine Zahlung des geforderten Lösegeldes an die Hacker mag nahe liegen, um wieder Zugriff auf seine Daten zu erhalten. Aber kann man Kriminellen vertrauen? Eine Garantie, dass ihr das Passwort zum Entschlüsseln erhaltet, gibt es nicht! Zudem sind die Lösegeldforderungen oft hoch und das Bezahlen moralisch falsch, da dies die Täter zum Weitermachen motiviert.

Ein Helfer in der Not kann das Trend Micro Anti-Ransomware Tool sein. Es erstellt unter anderem bootfähige USB-Sticks, die am Lockscreen vorbei einen Systemzugriff ermöglichen, und schmeißt die Schadsoftware über diese Hintertür dann gleich vom Rechner. Laut Hersteller schützt das Tool auch gegen die Ransomware WannaCry, die im Mai 2017 weltweit sehr viele Rechner infizierte. Verschlüsselte Dateien kann die Software aber nicht entschlüsseln. Hier hilft nach dem Ransomware-Befall nur eines: Warten und hoffen, dass der Code hinter dem jeweiligen Schadprogramm geknackt wird, mit dem sich die Dateien wieder entschlüsseln lassen. Wer ein aktuelles Backup der Dateien hat, spart sich das Warten und kann dieses zur Wiederherstellung nutzen.

Tipp: Schutz vor Viren und virusähnlichen Bedrohungen bieten die hier vorgestellten Programme zum Schutz vor Ransomware indes nicht. Falls ihr auf der Suche nach dem richtigen Antivirus-Programm seid, solltet ihr einen Blick auf unseren Beitrag zum Thema Gratis Virenschutz für Windows, Mac und Linux werfen.

Wir wünschen euch viel Erfolg beim Schutz eurer Daten und eine allzeit sichere Reise durch das Internet!

( )

Wie bewertest Du die Qualität des Beitrags?

Pflichtlektüre! ({{threeCount}})
Gut zu wissen ({{twoCount}})
Geht gar nicht! ({{oneCount}})
Vielen Dank für Deine Bewertung.
Deine Bewertung wurde gelöscht.

Kommentare

{{commentsTotalLength}} KommentarKommentare

Weitere Kommentare laden...

Das könnte dich auch interessieren