Collax schickt mit V-Cube eine eigene Virtualisierungslösung ins Rennen, die als erste ihrer Art auf der im Linux-Kernel integrierten KVM-Technik aufbaut.
Die Web-Oberfläche des Collax V-Cube entspricht denen der übrigen Familienmitglieder. Änderungen an der Konfiguration werden versioniert, das heißt, nicht sofort wirksam, sondern erst auf explizite Aufforderung. Der Vorteil: Man kann zwischen verschiedenen Konfigurationsständen hin- und herspringen. Das ist für eine (Web-)GUI-Konfiguration einzigartig. Beim Erstkontakt fühlt es sich aber eher umständlich und träge an.
Das Web-GUI kann einzelne Detailseiten der Konfiguration für Benutzer und Gruppen freigeben oder sperren. Dadurch ist es möglich, mehrere Leute an die Administration heranzulassen, ohne jedem gleich Zugriff auf alles einzuräumen. Assistenten für die gängigen Aufgaben helfen bei der Erstkonfiguration und Orientierung. Über mehrere Reiter und Unterrubriken verteilen sich die Funktionen. Neueinsteiger werden hier manchen Klick verschwenden, um eine Option wiederzufinden, die sie irgendwann schon mal gesichtet hatten.
Funktionen, um fertige virtuelle Maschinen (Appliances) zu importieren, fehlen leider – sie sind selbst bei einfachen Desktop-Lösungen heute Standard. Es ist nur möglich, ISO-Dateien hochzuladen und virtuelle Maschinen neu zu installieren. Alternativ lassen sich die ISO-Dateien auch direkt auf das System kopieren, sodass man nicht den Umweg über den Browser nehmen muss. Für seinen eigenen Plattform-Server lieferte Collax eine Vorlage mit. Die üblichen Funktionen, um Vorlagen für neue VMs zu erstellen, beherrscht V-Cube.
Hinter dem V-Cube steckt mit KVM die im Linux-Kernel integrierte und von der Kernel-Gemeinde bevorzugte Virtualisierungslösung. Sie setzt Prozessoren mit Funktionen für die Virtualisierung voraus – ohne läuft nichts. Collax pflegt eine Liste von Systemen, die die Software unterstützt. Wer wahllos irgendeinen PC wählt, kann Pech haben. Unser erstes Testsystem wollte partout weder das Live-System noch die Installation starten.
Intern nutzt V-Cube Image-Dateien oder LVM-Volumes für die Platten der VMs. Außerdem kann es iSCSI-Geräte für diesen Zweck einbinden. Das System kann eine USV-ansprechen, per E-Mail Nachrichten versenden und lässt sich per SNMP beobachten. Die Konsolen der virtuellen Maschinen sind per VNC erreichbar. Ein passendes Java-Plug-in liefert das Web-GUI automatisch aus.
Treiber, um Windows zu paravirtualisieren, also mit optimierten Treibern für Netzwerk- und Plattenzugriffe zu betreiben, hat Collax als ISO-Datei beigelegt. Die Installation der Plattentreiber ist KVM-typisch allerdings nur über einen Umweg, nämlich das vorübergehende Einbinden einer zweiten virtuellen Platte möglich.
Snapshots kommen erst mit der zweiten Auflage des Produkts. Dann baut Collax daraus eine eigene Familie: V-Inter soll mehrere V-Cubes in einem Cluster vereinen und für Ausfallsicherheit sorgen. V-Store hingegen soll dafür sorgen, dass zwei Nodes einen gemeinsamen Speicher teilen können. Die Daten liegen in den Nodes selbst, es ist also kein externer Speicher notwendig.
Das Produkt kann im Moment weniger als vergleichbare Produkte. Andererseits erfordert es im Unterschied zum Mitbewerb keine proprietäre Client-Software, die dann nur unter Windows läuft, sondern begnügt sich mit einem aktuellen Browser.
Ein paar Kinderkrankheiten der ersten Version muss man wohl in Kauf nehmen, etwa nicht endende ISO-Uploads und eine fehlende Option, um den enthaltenen Samba-Server zu konfigurieren, sodass man ISOs per SMB ablegen kann. Collax bietet die Software wie all seine Produkte als Abo an. V-Cube schlägt dann mit 200 Euro pro Jahr zu Buche. (ps)