Wie Blockchains für mehr Vertrauen in der Lieferkette sorgen können

Von Dave Lubowe, IBM, und Brigid McDermott, IBM*

Mit Blockchains lassen sich Lieferketten optimieren. Sie ersetzen die gebräuchlichen Papierdokumente, wodurch Fehlerquellen eliminiert und die Datenübermittlung beschleunigt werden. Vor allem aber sorgt die Prüfkette, die die Blockchain herstellt, für Nachverfolgbarkeit und somit für mehr Vertrauen.

Die moderne Lieferkette besteht aus sehr vielen Daten – was jedoch fehlt ist Vertrauen. Häufig hat Misstrauen – inklusive der Angst, dass Informationen an einen Konkurrenten weitergegeben werden könnten – Unternehmen davon abgehalten, Daten auszutauschen. Und es war und ist oft so, dass Unternehmen den Daten, die sie von anderen erhalten, nicht vollständig trauen.

Blockchains – in gewissem Sinn verteilte Kassenbücher, in denen jede Transaktion, die mit einem Wirtschaftsgut verknüpft ist, dauerhaft und für alle Beteiligten zugänglich verzeichnet ist – erzeugen eine lückenlose Kette des Vertrauens. Jeder Datensatz verfügt über einen Zeitstempel und wird an das vorhergehende Ereignis angehängt. Blockchains haben das Potenzial, in gleich drei Bereichen der Lieferkette für einen Durchbruch zu sorgen: Sichtbarkeit, Optimierung und Nachfragemanagement.

Anfang März verkündeten IBM und Maersk eine neue Zusammenarbeit, in deren Rahmen sie die Blockchain-Technologie nutzen wollen, um weltweite, grenzüberschreitende Lieferketten zu transformieren. Die neue Lösung für den globalen Handel soll dazu beitragen, die Informationen von Millionen Schiffscontainern in aller Welt leichter zu verwalten und nachzuverfolgen. Dazu wird der Lieferkettenprozess durchgängig von Anfang bis Ende digitalisiert, was die Transparenz erhöht und den sicheren Austausch von Informationen zwischen den Handelspartnern verbessert. Wenn diese Lösung in großem Umfang umgesetzt wird, hat sie das Potenzial, der Branche Milliarden von Dollar zu sparen.

Die Datensätze in der Blockchain sind nur für autorisierte Beteiligte zugänglich; das können alle Teilnehmer sein oder nur die, die einen bestimmten Teil der Daten benötigen. Die Eigentümerschaft und der Zugriff auf die Daten können anonym gehalten werden, sind aber auf sichere Weise zwischen den Partnern identifizierbar, sollte eine Verifizierung gebraucht werden. Kurz gesagt: Die Daten können gemeinsam genutzt werden und sind gleichzeitig geschützt.

Komplexität reduzieren

Der Versand einer Ladung Blumen aus Übersee kann bis zu 200 Papierdokumente von Dutzenden Lieferanten erzeugen. Das Dokument, das zertifiziert, dass die Güter, also beispielsweise Blumen, den Hygienevorschriften entsprechen und frei von Insekten sind, muss von zahlreichen Agenturen abgestempelt und unterschrieben werden. Anschließend muss es separat auf dem Luftweg zum Importziel befördert werden, da die Zollbehörden Originaldokumente verlangen, um Betrug entgegenzuwirken. Schon winzige Fehler auf solch ausgedruckten Dokumenten können zu Verzögerungen führen, die die Ladung verderben lassen oder die Zahlung aufhalten.

Ebenso wird ein Frachtbrief von vielen Parteien genutzt: von Exporteuren und Importeuren, Versicherungsunternehmen, Zollbeamten, Terminalbetreibern, Spediteuren und Fahrern. Typischerweise wird der Frachtbrief über Nacht per Kurier geschickt, nachdem der Verkäufer die Nachricht erhalten hat, dass die Schiffslieferung angekommen ist.

Die Blockchain-Technologie kann die Komplexität dieses Prozesses reduzieren. Immer wenn ein Dokument mehreren Transaktionspartnern zugänglich sein soll, ermöglicht das Hinzufügen des jeweiligen Datensatzes in die Blockchain, dass Aktualisierungen in Echtzeit erfolgen und für alle Beteiligten sichtbar sind, dabei aber nicht manipuliert oder versehentlich verändert werden können. Das kann zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen führen und gleichzeitig ein hohes Maß an Vertrauen gewährleisten.

Blockchains schaffen aber nicht nur Transparenz dahingehend, wo sich die Güter befinden, sondern sorgen auch für Rückverfolgbarkeit, also das Wissen, wo sich die Dinge befunden haben. So lässt sich zum Beispiel der Weg von Weizen von der Farm über den Schiffscontainer, den Verarbeitungsbetrieb bis zum Brot beim Bäcker nachverfolgen. Bereits heute testen Unternehmen Sensoren, die Umgebungseinflüsse wie Feuchtigkeit oder Temperatur beim Wachstum und Transport überwachen und in der Blockchain festhalten.

Lange bevor Elektronikkomponenten in einer Fabrikhalle ankommen, können die Hersteller bereits produktspezifische Informationen abrufen – etwa wo sie gefertigt wurden und von wem, aus welcher Produktionscharge sie stammen oder den Nachweis der Echtheit. Das Nachverfolgen der Herkunft mittels der Blockchain verringert somit Risiken und sorgt für mehr Qualität bei Herstellung und Versand.

Der Käufer kann sicher sein, dass das Metall, das er erhält, den vertraglich vereinbarten Legierungsmix aufweist. Kunden können sich vergewissern, dass Wein oder Medikamente mit der richtigen Temperatur transportiert wurden. So lassen sich Verluste, Mängel und Schäden verringern, wie auch Betrug, Diebstahl und Fälschungen.

Entscheidungen in Echtzeit

Die Blockchain eröffnet neue Möglichkeiten in der Administration von Lieferketten, beispielsweise die Synchronisierung von Entscheidungen zwischen den Partnern einer Lieferkette in Echtzeit. Ein kontinuierlicher Zugang in Echtzeit zu einer Lieferkette mit allen aneinandergereihten Transaktionen ermöglicht es iterativ zu arbeiten. Ein Unternehmen, das vorab davon Kenntnis hat, dass eine Lieferung nur einen Teil der bestellten Waren enthält, kann umdisponieren und auf den eigenen Lagerbestand zugreifen, die fehlenden Waren bei einem anderen Lieferanten bestellen oder den Preis neu verhandeln. Es kann einen Container zu einem anderen Lager umleiten oder auch Kapazitäten im Lager, auf dem Transport-LKW oder am Ladedock freigeben, um Kosten zu senken.

Und nicht zuletzt sorgt die Prüfkette, die die Blockchain herstellt, für Vertrauen. Wenn ein Partner Bauteile rechtzeitig herstellt, wird das dauerhaft in einem Datensatz gespeichert. Die Geschäfte werden effizient, vertrauensvoll und sicher abgewickelt, Lieferanten werden bezahlt, Verträge termingerecht erfüllt. Dies kann neue Partner anziehen, welche sich bei der Entscheidung an der Reputation aus einer Blockchain orientieren. So können auch Startups und kleinere Unternehmen aus Märkten unterschiedlicher Größen und Entwicklungsstadien partizipieren.

Die Zukunft des globalen Handels steht vor der Tür – und der Handel wird durch die Nutzung der Blockchain weit effizienter sein als je zuvor.

*Brigid McDermott ist Vice President, Blockchain Business Development, Research, IBM. Dave Lubowe ist Vice President, Partner and Global Leader – Operations & Supply Chain, IBM.

Dieser Beitrag ist zuerst auf ForbesBrandvoice erschienen.