Fast jeder zweite Vizepräsident hat schon einmal vertrauliche Firmendaten in einen KI-Chat getippt, unter Beschäftigten ohne Führungsverantwortung ist es nur eine kleine Minderheit. Je weiter oben in der Hierarchie, desto lockerer offenbar der Umgang mit sensiblen Informationen. Wenn künstliche Intelligenz (KI) für mehr Produktivität sorgt und nicht zum bloßen Datenschutzrisiko werden soll, kommen Unternehmen an klaren Regeln und geschützten Zugängen nicht vorbei.
87 Prozent der Erwerbstätigen, die beruflich mit KI arbeiten, nutzen sie mittlerweile mehrmals pro Woche. Das zeigt der neue “AI Adoption Report” von Myra Security, für den mehr als 4.000 Berufstätige befragt wurden. Der Wert markiert einen Wendepunkt: KI ist kein Werkzeug einzelner Vorreiter, sondern fester Teil des Arbeitsalltags, über Abteilungen und Hierarchieebenen hinweg. Genau diese Selbstverständlichkeit wirft die eigentliche, entscheidende Frage auf – nicht mehr, ob KI genutzt wird, sondern wie kontrolliert das geschieht.
Das Problem Schatten-KI: Private Accounts führen vor offiziellen Zugängen
41 Prozent der Befragten nutzen für berufliche Aufgaben einen privaten KI-Account und 34 Prozent einen freien Zugang ohne Login. Vom Arbeitgeber bereitgestellte Accounts bei externen Anbietern kommen auf 36 Prozent, interne KI-Tools auf 33 Prozent.
Dieser große Anteil inoffizieller Kanäle zeigt, dass viele Unternehmen mit ihrem Angebot zu spät kommen oder nicht überzeugen können: Wo keine offizielle, praktikable Lösung existiert, organisieren sich Beschäftigte selbst. Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet das eine Blackbox – welche Daten das Unternehmen über diese Kanäle tatsächlich verlassen, lässt sich weder nachvollziehen noch nachträglich korrigieren.
Je größer die Verantwortung, desto häufiger landen sensible Daten im Prompt
Unter Vizepräsidenten haben 37 Prozent bereits vertrauliche oder ausdrücklich nicht für KI freigegebene Daten in ein Tool eingegeben – ein Vielfaches des Werts unter Mitarbeitenden ohne Führungsverantwortung (8 Prozent). Zu Bedenken ist nicht nur, dass Angestellte in höheren Positionen auch mehr Zugang zu vertraulichen Informationen haben, sondern dass auch die Wertigkeit der sensiblen Daten steigt.
Wer im Vorstand oder auf Vizepräsidenten-Ebene sitzt, sieht Informationen oft im Rohzustand: Strategiepapiere, an denen noch gefeilt wird, oder Zahlen vor der offiziellen Veröffentlichung. Andere Beschäftigte bekommen dieselben Inhalte meist erst zu sehen, wenn sie längst freigegeben und kommuniziert sind. Dass sich gerade in den oberen Führungsetagen Aufgaben und Verantwortung häufen, erklärt vielleicht, warum KI dort stärker als Hilfe im Alltag dient.
Es rechtfertigt aber in keinster Weise, sensible Daten ungeschützt in Prompts zu geben. Genau deshalb muss der verantwortungsvolle Umgang mit KI und sensiblen Informationen vor allem dort beginnen, wo das Datenrisiko am größten ist.
Datenschutz bleibt die größte Bremse
Die Hälfte der Befragten hat nach eigenen Angaben schon einmal auf KI verzichtet oder eine Nutzung abgebrochen, weil ihnen Datenschutz und Compliance unklar waren. Damit ist Unsicherheit der mit Abstand wichtigste Hemmfaktor, weit vor technischen oder praktischen Hürden.
Das Problem liegt also selten am fehlenden Werkzeug, sondern an fehlenden Leitplanken: Wer nicht weiß, was erlaubt ist, verzichtet im Zweifel entweder ganz auf KI-Unterstützung – oder nutzt sie trotzdem, nur eben unbeobachtet unbefugt. Beide Reaktionen verhindern, dass Unternehmen das Potenzial der Technologie strukturiert ausschöpfen.
Kontrolle über sensible Daten zurückgewinnen
Produktivität und Sicherheit dürfen sich nicht ausschließen. Genau hier setzt der „Myra AI Workspace“ an, den das Cybersicherheitsunternehmen Myra Security jüngst vorgestellt hat. Die Plattform bündelt den Zugang zu mehr als 20 KI-Modellen, darunter Angebote von OpenAI, Anthropic, Google und Mistral, folgt aber der Prämisse “privacy-first”. Vor jede Anfrage an ein Modell kann eine Prüfung geschalten werden. Konfigurierbare Regeln erkennen personenbezogene oder vertrauliche Angaben automatisch und ersetzen sie durch Platzhalter, bevor die Anfrage an ein externes Modell gesendet wird.
Das Modell verarbeitet damit nie die Originaldaten. Die Zuordnung zwischen Platzhalter und echtem Wert bleibt innert der EU-Infrastruktur von Myra und wird erst nach der Antwort wieder aufgelöst.
Für besonders schutzbedürftige Inhalte lassen sich zudem Open-Source-Modelle wie Gemma oder Qwen auf der EU-Infrastruktur von Myra betreiben, sodass Anfrage und Antwort innerhalb der geschützten Umgebung ablaufen und diese gar nicht erst verlassen. Audit-Logs sowie Rollen- und Budgetverwaltung sorgen zusätzlich für Nachvollziehbarkeit und Kostenkontrolle. Ohne solche Funktionen können Unternehmen sonst kaum steuern, wie ihre Beschäftigten KI im Alltag einsetzen und was es sie am Ende auch kostet.
Fazit
KI wird aus Unternehmen nicht mehr verschwinden. Die Aufgabe liegt jetzt bei den Organisationen selbst: entweder sie setzen klare Regeln und stellen sichere Zugänge bereit – oder die Mitarbeiter suchen weiter Umwege über inoffizielle Kanäle. Wer diesen Wandel jedoch vollzieht, gewinnt nicht nur Produktivität zurück, sondern erhält auch die Möglichkeit, hochsensible Daten zu verarbeiten, ohne die Kontrolle über diese zu verlieren.
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